Das Jahr 2026 glich für den nordenglischen Alt-Rock-Coven VENUS GRRRLS einem absoluten Wirbelwind. Nach gefeierten Auftritten auf namhaften Festivalbühnen – von Sunderlands BBC Radio 1 Big Weekend über das tschechische Rock For People bis hin zum Indie-Liebling 2000Trees – sowie gemeinsamen Touren mit Größen wie Nova Twins, Witch Fever und Tigercub steht nun das nächste Kapitel an. Am 16. Oktober 2026 erscheint über das Label Killabop die neue EP „To Die as Lovers May“, die während der intensiven Live-Phase zusammen mit Produzent Brad Mair in Spanien aufgenommen wurde. Und schon nach den ersten Klängen wird klar: Das Quartett liefert hier sein bislang reifstes und packendstes Werk ab.
Das Manifest der dunklen Romantik
Mit „To Die as Lovers May“erschaffen VENUS GRRRLS ein ganz eigenes, kinoreifes Universum. Das Werk erweist sich als poetische Ode an die eigentümlichen, dunkleren Winkel des menschlichen Daseins – inspiriert von der Literatur des 19. Jahrhunderts, durchwoben von mythologischen Erzählungen und spürbar geprägt von dunkler Romantik. Musikalisch verschmelzen die melancholischen Vibes des 90er-Jahre-Grunge mit der fesselnden Ästhetik des 80er-Goth. Sämtliche Bandmitglieder greifen dabei perfekt ineinander: Die enorme stimmliche Bandbreite im Gesang wird von überragender Riffarbeit angetrieben, die sich im richtigen Moment feinfühlig zurücknimmt. Ein treibendes Schlagzeug sorgt für die nötige Härte, während der gelassene Groove des Basses die opulente Textur mühelos vorantreibt.
Eine klangliche Reise
Die fünf Tracks der EP fügen sich zu einer mitreißenden dramaturgischen Reise zusammen. Den Auftakt macht das bereits vorab veröffentlichte „Eve“, das mit einer Kombination aus Alternative Rock und spürbaren Industrial-Einflüssen à la Nine Inch Nails sowie der melodischen Finesse von Fleetwood Mac überzeugt. Pulsierende Synthesizer treffen auf kantige Grunge-Riffs, während sich die Atmosphäre von hypnotischer Kontrolle bis hin zu einem intensiven Ausbruch samt mehrschichtiger Bridge steigert. Nahtlos schließt „Carmilla“ an, das sich mystisch und geheimnisvoll um den glasklaren, talentierten Gesang aufbaut. Aus einer tiefen Grundstimmung entwickelt sich ein ansteckender Rhythmus, der im dicht instrumentierten Refrain aufblüht und von einem packenden Gitarrensolo abgerundet wird.
Mit „Mother Knows“ zeigt sich das Quartett von seiner schwersten, riffgetriebenen Seite. Schleppende Gitarren, markante Basslinien und druckvolle Drums tragen den eindringlichen, fast beschwörenden Gesang. Ein besonderes Highlight ist hier die geisterhafte Bridge, in der die Gitarre mit einem Violinbogen eingespielt wurde, um punktgenau die schwebende Kulisse eines Friedhofs einzufangen. Einen Kontrast dazu bietet „Evergreen“, das sanft und anmutig beginnt, ehe die Stimme im Zusammenspiel mit einer dezenten Instrumentierung eine beinahe schwebende Harmonie entfaltet. Der Song öffnet sich schlussendlich in einen hymnischen Refrain mit treibendem Schlagzeug, der sich sofort im Kopf festsetzt und fließend zum Finale überleitet. Dieses wird mit „Wormfood“ zelebriert, wo noch einmal alle Stärken gebündelt werden. Eine dramatische Klanglandschaft und ansteckende Rhythmen erzeugen eine tiefgreifende Dynamik, bei der die unglaubliche stimmliche Leistung einen bleibenden Eindruck hinterlässt, bevor sich die spürbare Spannung in einem gewaltigen musikalischen Ausbruch entlädt und die Hörerschaft nach dieser intensiven Reise wieder entlässt.
Fazit
Mit „To Die as Lovers May“gelingt VENUS GRRRLS eine nahtlose, mutige Weiterentwicklung ihres Sounds. Die EP fasziniert durch die Wechselwirkung aus leisen, feinfühligen Passagen und wuchtigen Industrial- sowie Grunge-Eruptionen. Wer nach außergewöhnlichem Storytelling, makabrer Schönheit und mitreißenden Alt-Rock-Hymnen sucht, wird an diesem Release nicht vorbeikommen. Ein absolut faszinierendes Werk, das die Vorfreude auf die anstehende UK-Headlinertour im Herbst nur noch weiter anheizt!
Fotocredit: EP-Cover / Artwork