Mehr als 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sollte die Ablehnung rechtsextremer Ideologien eigentlich gesellschaftlicher Konsens sein. Doch die Realität zeigt, dass Rechtsextremismus in Deutschland weiterhin eine ernsthafte Herausforderung darstellt. Genau in dieser Zeit veröffentlicht Nadu mit „Gegen Nazis“ eine EP, deren Botschaft unmissverständlicher kaum sein könnte.
Vor diesem Hintergrund bekommt „Gegen Nazis“ eine Bedeutung, die weit über einen gewöhnlichen Popsong hinausgeht. Nadu entscheidet sich bewusst dafür, Haltung zu zeigen und ihre Kunst nicht von gesellschaftlichen Entwicklungen zu trennen. Gerade in einer Zeit, in der rechtsextreme Positionen wieder deutlich sichtbarer geworden sind, halte ich das für wichtig.
Musikalisch verpackt Nadu ihre Botschaft in modernen deutschsprachigen Indie-Pop mit Liedermacher-Einflüssen. Die Produktion bleibt bewusst zugänglich und stellt die Aussage in den Mittelpunkt. Gerade dieser Kontrast funktioniert: Hier wird eine ernste politische Botschaft nicht in einen sperrigen Protestsong gepackt, sondern in Musik, die unmittelbar funktioniert und dadurch potenziell auch Menschen außerhalb einer klassischen politischen Musikszene erreicht.
Natürlich erfindet Nadu musikalisch damit das Rad nicht neu. Die Stärke der Veröffentlichung liegt vielmehr darin, wie selbstverständlich Popmusik und politische Haltung miteinander verbunden werden. Sie versucht nicht, ihre Botschaft abzuschwächen, um möglichst niemanden vor den Kopf zu stoßen.
Dazu passt, dass gesellschaftliches Engagement bei Nadu nicht an der Studiotür endet. Neben ihrer Arbeit als Musikerin, Comedienne und Moderatorin arbeitet sie mit jungen Menschen zu Themen wie Antirassismus und Antimobbing. Damit wirkt die politische Haltung hinter „Gegen Nazis“ nicht wie ein kurzfristig gewähltes Thema, sondern als Teil ihrer künstlerischen Arbeit.
Deutschland trägt aufgrund seiner Geschichte eine besondere Verantwortung im Umgang mit Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus. Dabei wäre es historisch falsch, die heutige Bundesrepublik mit der nationalsozialistischen Diktatur gleichzusetzen. Die aktuellen Entwicklungen zeigen jedoch deutlich, dass demokratische Werte und eine offene Gesellschaft auch mehr als acht Jahrzehnte später aktiv verteidigt werden müssen.
Popsongs werden keine gefestigte rechtsextreme Weltanschauung verändern. Das muss er aber auch nicht. Musik kann Aufmerksamkeit schaffen, Diskussionen anstoßen und Menschen darin bestärken, nicht schweigend zuzusehen. Genau darin liegt die Stärke von „Gegen Nazis“.
Nadu liefert eine eingängige und bewusst unkomplizierten EP, dessen politische Botschaft deutlich stärker wiegt als musikalische Experimente. Und vielleicht braucht es gerade jetzt genau solche Künstler*innen, die ihre Reichweite nutzen und ohne Umwege deutlich machen, wofür sie stehen.
Denn mehr als 80 Jahre nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur sollte eine klare Haltung gegen Rechtsextremismus eigentlich selbstverständlich sein. Dass sie es offenbar noch immer nicht überall ist, macht „Gegen Nazis“ umso relevanter.
Fotocredit: Eike Hollermann