Wenn schweißtreibende Gitarrenriffs auf mitreißende Refrains treffen und ein ganzer Raum im Takt springt, dann befindet man sich mitten in einer der gefeierten wie geliebten Live-Shows von WSTR. Die 2015 in Liverpool von Frontperson Sammy Clifford gegründete Formation hat sich längst als feste Größe in der internationalen Szene etabliert. Mit ihrem mitreißenden Mix aus klassischen 2000er-Vibes und moderner Härte lockte die Band im Rahmen ihrer Deutschland-Tournee auch das Publikum nach Düsseldorf. Am 3. September 2026 stand der traditionsreiche Ratinger Hof auf dem Plan – und was sich dort abspielte, war ein eindrucksvoller Beweis für die kompromisslose Live-Energie dieser Truppe. Schon beim Einlass war eine große Vorfreude spürbar; ein bunt gemischtes, internationales Publikum sicherte sich die besten Plätze in den vorderen Reihen, deckte sich mit Merch ein und stimmte sich auf einen besonderen Abend ein.
Ein starkes Debüt: Sucker Fuck erobern die Herzen im Sturzflug
Pünktlich um 20 Uhr erlosch das Licht und gab die Bühne frei für eine echte Überraschung: Die schottische Formation Sucker Fuck feierte an diesem Abend ihre allererste Show überhaupt. Mit rohem, schnellem Punk, lautstarken Riffs und einer klaren Haltung für Menschenrechte sowie die LGBTQ+-Community eroberte das Ensemble die Herzen im Sturzflug. Nach einem humorvollen selbst eingesungenen Intro brachte bereits der Opener „She’s A Grower“ das Publikum sofort in Bewegung und eröffnete den ersten Moshpit. Bei „We’re Going To War“ kletterte das Energielevel noch weiter nach oben. Zudem überraschte die Truppe mit einer harten, lauten Punk-Version des Elvis-Klassikers „Can’t Help Falling In Love“, die für erstaunte Blicke und Riesenstimmung sorgte. Als die Band beiläufig erwähnte, dass dies ihr Bühnendebüt war, erntete sie ungläubiges Staunen. Mit dem treibenden Track „Get Sad“ und steigenden Temperaturen im Club verabschiedeten sich Sucker Fuck unter donnerndem Applaus – ein absolut gelungener Einstand. Sie haben mit ihrer sympathischen und humorvollen Show sicherlich neue Fans für sich gewinnen können. Hoffentlich können wir Sucker Fuck in Zukunft wieder bei uns in Deutschland begrüßen.
Abriss ab der ersten Sekunde: WSTR starten mit voller Energie
Um 21 Uhr übernahm schließlich der Headliner. WSTR betraten die Bühne und legten mit „Lonely Smiles“ direkt einen Traumstart hin. Sänger Sammy Clifford grinste über das ganze Gesicht, glänzte ab der ersten Sekunde mit beeindruckender Stimmgewalt, hielt das Mikrofon immer wieder in die Menge und entfachte sofort einen Dauermoshpit. Beim energischen „Crisis“ formierte sich nahtlos die nächste Tanzwut, und der ohrenbetäubende Gesang des Publikums setzte sich beim Fanliebling „Promiscuous“ fort, bei dem der Ratinger Hof vollends zur Pop-Punk-Partymeile wurde.
Improv-Talent gegen die Technik-Tücke
Dann folgte die Zerreißprobe des Abends: Massive technische Probleme legten eine Gitarre lahm und erzwangen eine lange Unterbrechung. Doch anstatt dass die Stimmung kippte, bewiesen alle Beteiligten herausragende Souveränität. Sammy Clifford überbrückte die Pause mit gewitzten Gesprächen, ehe der Sänger von Sucker Fuck erneut die Bühne enterte und das Publikum mit wunderbar trockenem Humor, T-Shirt-Fragen an die erste Reihe und herrlich schlechten Witzen unterhielt. Als WSTR schließlich ohne die defekte Gitarre weiterspielen mussten, stimmte die Menge bei „Footprints“ kurzerhand das Gitarrenriff vocal an und feierte im Anschluss den wohl größten Moshpit des Abends.
Hohes Tempo und große Emotionen
Trotz des technischen Handicaps brannte die Band ein Feuerwerk ab. Das dynamische Duo aus „JOBBO“ und dem ultraschnellen „Bot Lobby“ setzte dank rasanter Lichtwechsel in Rot und Blau optische wie musikalische Ausrufezeichen. Während Sammy Clifford beim emotionalen „Silly Me“ am Mikrofonständer all seine Kraft in die Noten legte, folgte mit der ruhigen Ballade „See You In Hell“ der emotionale Höhepunkt: Das dezente Instrumental stellte Cliffords gefühlvolle Stimme in den Fokus und sorgte im Schein einiger Handylichter und Feuerzeuge für pure Gänsehaut.
Album-News und ein fulminantes Finale
Nach der Partynummer „All The Rage“ sorgten WSTR mit der Ankündigung eines neuen Albums für das kommende Jahr für frenetischen Jubel, ehe der neuste Track „Live Laugh Toaster Bath“ direkt weiter gefeiert wurde. Bei „Featherweight“ funktionierte schließlich auch die Lead-Gitarre wieder, was sichtbare Erleichterung auf der Bühne und noch wildere Moshpits davor auslöste. Über den Hit „Eastbound & Down“, bei dem der ganze Saal im Takt klatschte, und das kraftvolle „3 Days Sober“ steuerte die Show auf ihr fettes Finale zu. Mit dem starken Song „Filthy“ brachten WSTR die Wände ein letztes Mal zum Wackeln und verabschiedeten sich unter nicht enden wollendem Jubel.
Fazit
Dieser Abend im Ratinger Hof hat eindrucksvoll gezeigt, worauf es im Pop-Punk wirklich ankommt: Nicht auf makellose Technik, sondern auf echte Leidenschaft, Herzblut und die unerschütterliche Verbindung zwischen Bühne und Publikum. WSTR haben bewiesen, dass sie selbst unvorhergesehene Pannen in unvergessliche Glücksmomente verwandeln können. Wer diese unglaubliche Truppe noch nicht live erlebt hat, hat definitiv etwas verpasst – ein rundum fantastischer Konzertabend, der noch lange in Erinnerung bleiben wird!
Fotocredit: Offizielle Grafik