Seit mittlerweile zwei Jahrzehnten prägen Angus & Julia Stone die weltweite Indie-Folk-Landschaft wie kaum eine andere Formation. Das australische Geschwister-Duo aus Sydney steht seit 2006 für einen unverkennbaren, erdig-entspannten Singer-Songwriter-Sound. Mit ihrem am 04. September 2026 erscheinenden Werk „Karaoke Bar“ beweisen sie erneut, warum sie zu den einflussreichsten Folk-Akteuren unserer Zeit gehören.
Ein Geschwisterpaar schreibt Musikgeschichte
Ihr musikalisch organischer Stil zeichnet sich seit jeher durch das harmonische Zusammenspiel zweier gegensätzlicher Gesangsstimmen aus: Julia veredelt die Songs mit einer samtig-hohen, leicht verträumten Stimme, während Angus für den tiefen, geerdeten Gegenpart sorgt. Nach ihrem großen internationalen Durchbruch 2010 mit dem Album „Down the Way“und der Welthit-Single „Big Jet Plane“ – was ihnen mehrere ARIA Music Awards einbrachte – folgten immer wieder kreative Schaffenspausen und Solopfade. Angus feierte unter anderem mit seinem Nebenprojekt Dope Lemon Erfolge, während Julia eigene Soloalben veröffentlichte. Erst die legendäre Produzenten-Ikone Rick Rubin brachte die Geschwister wieder zusammen und leitete 2014 ihr bahnbrechendes Comeback ein.
Der Auftakt: Sanfte Melancholie trifft beschwingte Leichtigkeit
Der Einstieg in das neue Album gelingt mit dem gleichnamigen Titeltrack „Karaoke Bar“ auf herausragende Weise. Die Nummer verbindet den vertrauten Indie-Folk mit modernen, leicht elektronischen Nuancen. Sanfte Streicher und Klavierklänge eröffnen das Stück, bevor ein dezenter Beat, warme Gitarren und zurückhaltende Synthesizer hinzustießen. Die Stimmen von Angus & Julia Stone ergänzen sich harmonisch und schaffen eine intime Atmosphäre, während eine beschwingte Leichtigkeit durchschimmert. Gegen Ende wächst der Song zu einem mitreißenden Sing-Along an, der nostalgisch, lebensbejahend und tröstlich zugleich klingt. Auch das darauffolgende „Monroe“ setzt auf atmosphärische Tiefe. Entstanden während einer Tournee-Auszeit in den legendären Miraval Studios in Südfrankreich, entfaltet der Song einen filmischen, organischen Folk-Pop-Sound. Er bleibt bewusst reduziert und zieht die Zuhörerschaft über feine Nuancen und tröstliche Melancholie in seinen Bann.
Mit „Celestial Bodies“ erweitert das Duo seine Klangpalette um psychedelischen Dream-Pop. Ein pulsierender Groove, warme Synthesizer und hypnotische Rhythmen lassen den Song gleichzeitig schwerelos und geerdet wirken – ein kosmischer Soundtrip, der über mehrere Jahre hinweg von Griechenland über Südfrankreich bis nach Australien herangereift ist. In eine ähnlich mitreißende Richtung geht „The Start“, das mit einem verhaltenen, aber ansteckenden Rhythmus beginnt. Julias einzigartiger Gesang wird nach und nach von Angus’ tiefem Organ ergänzt. Der experimentelle Refrain brennt sich sofort ins Gedächtnis ein und lädt zum schwebenden Verweilen ein.
Erfrischend mutige Experimente
Dass „Karaoke Bar“voller Überraschungen steckt, beweist das erfrischende „Strangely Strangely“. Atmosphärische Indie-Klänge, dezente Drums und Vocals aus dem Off schaffen einen erstaunlich kurzweiligen und abwechslungsreichen Song, der den bisherigen Sound gekonnt aufbricht. Ein echter Höhepunkt für Experimentierfreudige folgt mit „Brightest Place“: Verträumte Beats, futuristische Electronic-Elemente und der geschickte Einsatz von Stimmverzerrern erinnern stilistisch an Bands wie The 1975. AngusStone führt hier mit seiner markanten Stimme durch einen hochmodernen, verspielten Klangtraum.
Entschleunigung und pure Entspannung für die Seele
Zurück zu den Wurzeln der Entspannung führt „Take Me Back To Japan“. Die friedliche, entschleunigende Grundstimmung und der nahtlose Übergang zwischen Strophen und Refrain wirken wie ein sanfter Auszeit-Moment im hektischen Alltag. In einer ähnlichen Wohlfühl-Ästhetik präsentiert sich „Cowgirls Lover Boi“. Ein treibender Beat, fast schon gesprochene Vocals von Angus und sanfte Harmonie-Understatements von Julia zeigen die eingespielte Stärke des Duos auf höchstem musikalischem Niveau.
Gegen Ende des Albums strahlt „The Cherry Farm“ eine zugängliche, helle Leichtigkeit aus. Süßliche Synth-Linien und versöhnliche Sing-Along-Passagen wandeln persönliche Melancholie in ein schönes Gefühl der Gemeinschaft um. Den würdigen Abschluss bildet schließlich „Mexico City“. Warm, intim und schwebend minimalistisch rückt der Track das Markenzeichen der beiden vollends in den Mittelpunkt: das unvergleichliche Zusammenspiel ihrer Stimmen. Wenn das Album langsam ausklingt, wird die Zuhörerschaft sanft aus einer magischen Klangwelt zurück in die Realität entlassen.
Fazit
Mit „Karaoke Bar“ gelingt Angus & Julia Stone ein absolut beeindruckendes und rundum gelungenes Album. Die australischen Geschwister beweisen eindrucksvoll, dass sie sich nicht auf ihren vergangenen Erfolgen ausruhen, sondern ihren geliebten Indie-Folk-Sound mutig weiterentwickeln können. Die gelungene Mischung aus vertrauten Melodien, intimem Gesang und überraschenden elektronischen sowie psychedelischen Experimenten macht die Platte zu einem abwechslungsreichen und fesselnden Hörerlebnis. „Karaoke Bar“ ist warm, beruhigend, tröstlich und voller Leben – ein Album, das altbekannte Fans begeistert und neue Liebhaber*innen im Sturm erobern wird.
Fotocredit: Albumcover / Artwork