Scene Queen (bürgerlich Hannah Collins) meldet sich via Hopeless Records zurück und beweist auf ihrer neuen EP „Metalicious“ (VÖ: 11. September 2026), warum sie zu den aktuell spannendsten Stimmen der alternativen Musiklandschaft gehört. Die US-amerikanische Musikerin hat sich längst ein eigenes Genre geschaffen: Ein martialischer Mix aus harten Post-Hardcore-Riffs, tiefen Screams und einer knallpinken Pop-Ästhetik. Collins versteht ihr Handwerk als kalkulierten Stilbruch, um Sexismus, Grenzüberschreitungen und verstaubte Rollenbilder in der Metal-Community aufzudecken. „Metalicious“ bringt genau dieses Lebensgefühl auf den Punkt: Ein chaotischer Bimbocore-Fun-Trip zwischen Y2K-Nostalgie, cleverem Feminismus und purem Brutalismus.
Ein Rausch aus Pop-Hooks und Moshpits
Die neue EP von Scene Queen startet mit „Pink Flip Phone“ extrem dynamisch. Ein übersteuerter Gesang, tiefe Gitarren und ein treibender Beat machen von Sekunde eins an klar, wo die Reise hingeht. Der recht kurze Ohrwurm-Refrain brennt sich sofort ein, ehe der überraschend harte, von Shouts geprägte Schlussteil Lust auf mehr macht. Dass Collins musikalisch noch eine Schippe drauflegen kann, zeigt „Manicure“: Der Track ist eine bewusste Rückkehr zu ihren Wurzeln, gepaart mit tiefen Screams und einem brutalen Breakdown. Inhaltlich verarbeitet Scene Queen – inspiriert vom Country-Klassiker „Goodbye Earl“ der Chicks – eine überspitzte Rachefantasie gegen häusliche Gewalt. Die frisch lackierten Fingernägel werden hier humorvoll zur Waffe für eine bedrohte Freundin umfunktioniert.
Mit „Shopaholic“ geht es dynamisch weiter. Wechselnde Parts zwischen eingängigen Clean-Vocals und messerscharfen Screams verleihen dem Track eine enorme Spannung, während die Hook im Refrain dezent an Destiny’s Child erinnert. In „Drop Dead Gorgeous“ holt sich Scene Queen Unterstützung von TX2. Das Feature fügt sich nahtlos in die gitarrenlastige Struktur ein und zeigt auf, welchen Stellenwert Collins mittlerweile in der Szene genießt.
Noch düsterer wird es bei „Tracksuit“: Laut eigenen Angaben der bisher schwerste Song der Künstlerin. Was als Y2K-Pop-Melodie beginnt, entlädt sich nach dem Fund eines fremden Trainingsanzugs in einer theatralischen Rachegeschichte samt brachialen Breakdowns und tiefen Growls. Dass Collins auch anders kann, beweist „T!ts Out At Brunch“, ein absoluter Anspieltipp: Schnelle Riffs treffen auf saubere Vocals, Sprechgesang und einen fast schon gerappten Strophenpart, der ihr Talent eindrucksvoll unterstreicht. Den krönenden Abschluss bildet der Titelsong „METALICIOUS (feat. Left To Suffer)“. Der Track beginnt wie ein clubtauglicher Indie-Sleaze-Pop-Song, bevor Taylor Barber mit eisernen Deathcore-Vocals übernimmt. Der plötzliche Wechsel zwischen Tanzfläche und Pit funktioniert hervorragend und feiert die Unbeschwertheit einer feministischen Moshpit-Nacht.
Fazit
Mit „Metalicious“ gelingt Scene Queen ein meisterhafter Spagat. Die EP verbindet Bimbocore-Attitüde, Pop-Gefühl und erbarmungslose Härte zu einem hochexplosiven Gesamtwerk. Collins nutzt ihren scharfen Humor und ein knalliges Image nicht als Fassade, sondern als Werkzeug, um eine integrative, moderne alternative Szene einzufordern, in der wirklich jede person ihren Platz findet. „Metalicious“ ist laut, provokant, macht unglaublich viel Spaß und unterstreicht: Diese Bewegung ist gekommen, um zu bleiben. Unbedingte Hörempfehlung für alle, die offen für die Zukunft harter Musik sind!
Fotocredit: EP-Cover / Artwork