Mit „Necropolitan“ liefern Green Lung ihr viertes Studioalbum ab und machen ziemlich unmissverständlich klar, dass klassischer Heavy Metal und Doom auch 2026 weder altbacken noch nach bloßer Nostalgie klingen müssen.
Die Londoner nehmen das Fundament, das Bands wie Black Sabbath, Judas Priest und Deep Purple vor Jahrzehnten gelegt haben, und bauen darauf ihre eigene düstere Welt aus schweren Riffs, Hammond-Orgeln, Mellotron und großen Melodien.
Dabei ist die Nähe zu den Vorbildern kaum zu überhören. Besonders Black Sabbath schweben über vielen Momenten der Platte, während das Zusammenspiel von Gitarre und Orgel regelmäßig an Deep Purple denken lässt. Auch die erzählerische Größe von Iron Maiden gehört zur musikalischen DNA.
Green Lung schaffen allerdings etwas Entscheidendes: „Necropolitan“ klingt trotz dieser Referenzen nicht wie eine Band, die lieber 1976 als 2026 Musik machen würde.
Auffällig ist vor allem, wie viel Zeit sich die Band für ihre Musik nimmt. Bis auf den Opener und einen weiteren Track erreicht jedes Stück mindestens ungefähr viereinhalb Minuten Spielzeit, mehrere gehen deutlich darüber hinaus. Das ist heutzutage beinahe eine kleine Kampfansage an möglichst kurze, streamingoptimierte Songs. Green Lung benötigen diese Länge aber auch: Riffs dürfen sich entwickeln, instrumentale Passagen bekommen Raum und Spannungsbögen werden nicht für den nächsten schnellen Refrain geopfert. Trotzdem entsteht erstaunlich selten das Gefühl, dass „Necropolitan“ unnötig ausgedehnt wurde.
Die viktorianischen Friedhöfe Londons bilden dabei einen starken Rahmen für das gesamte Album. Verfall, Tod, Okkultismus und die Vorstellung, dass die Natur menschliche Größenfantasien irgendwann wieder verschluckt, verleihen der Platte eine beinahe filmische Gothic-Atmosphäre. Das passt hervorragend zum schweren, warmen und gleichzeitig bedrohlichen Sound.
Gerade im Vergleich zu vielen Retro-Rock- und Doom-Bands wie z.B. Orange Goblin, Graveyard oder Electric Wizard auch besitzen Green Lung außerdem ein besseres Gespür für Eingängigkeit. Wo andere Vertreter*innen des Genres gelegentlich im endlosen Riffing versinken, wissen die Londoner ziemlich genau, wann ein musikalischer Gedanke ausgereizt ist. Nicht jede Passage ist gleichermaßen überraschend und manche Referenz an die großen britischen Metal-Vorbilder ist fast etwas zu offensichtlich. Doch die eigene Handschrift ist mittlerweile stark genug, um das problemlos aufzufangen.
„Necropolitan“ ist deshalb keine Neuerfindung des Heavy Metal. Das muss es aber auch nicht sein. Green Lung nehmen dessen Tradition ernst, ohne sie ehrfürchtig unter eine Glasglocke zu stellen. Herausgekommen ist ein wuchtiges, detailreiches und angenehm ausladendes Album, das Vergangenheit und Gegenwart überzeugend miteinander verbindet – und zeigt, dass ein verdammt gutes Riff auch nach mehr als fünf Jahrzehnten noch kaum Konkurrenz braucht.
„Necropolitan“ erscheint diesen Freitag am 11. September 2026 via Nuclear Blast Records.
Das Album findet ihr dann auch z.B. hier.
Wir vom Frontstage Magazine präsentieren euch in Zusammenarbeit mit Live Nation & Karsten Janke
Green Lung – „The Dance To The Grave Tour MMXXVI“
10.12.2026 – Hamburg, Große Freiheit 36
Fotocredit: Albumcover / Artwork