Es gibt Alben, die nostalgisch klingen, weil sie bewusst eine vergangene Zeit reproduzieren wollen. Und es gibt Platten, bei denen bestimmte Jahrzehnte einfach tief in der musikalischen Struktur stecken. „Lass es gut sein“ von BONGEN’S gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Auf ihrem fünften Album blickt die Band immer wieder in Richtung der 90er Jahre, ohne daraus eine reine Retro-Veranstaltung zu machen. Stattdessen verbinden BONGEN’S diese Einflüsse mit deutschsprachigem Indie-Rock, Pop und einer angenehm ungeschliffenen Produktion.
Dabei lohnt sich durchaus der Blick darauf, welche musikalischen Spuren hier zu hören sind. In den kantigeren Momenten erinnert die Direktheit von BONGEN’S an den Alternative Rock, der die 90er zwischen Grunge, College Rock und Indie geprägt hat. Die Gitarren besitzen stellenweise jene schnörkellose Energie, die man mit Bands wie H-Blockx, Pavement oder den Fury in the Slaughterhouse verbindet. Gleichzeitig ist „Lass es gut sein“ melodischer und zugänglicher, sodass sich auch Parallelen zu The Lemonheads oder den ruhigeren Seiten von Weezer ziehen lassen halt nur eben auf deutsch. BONGEN’S kopieren keine dieser Bands, bedienen sich aber einer ähnlichen musikalischen Sprache: Gitarren dürfen rau sein, Melodien trotzdem sofort funktionieren und kleinere Unsauberkeiten gehören zum Charakter.
Die 90er Jahre tauchen auf diesem Album aber nicht nur musikalisch auf. Sie bilden vielmehr einen kulturellen Hintergrund.
Genau hier liegt eine der interessantesten Qualitäten von „Lass es gut sein“. Das Album romantisiert seine Vergangenheit nicht vollständig. Die Erinnerung an die 90er wird nicht automatisch zur Behauptung, früher sei alles besser gewesen. Stattdessen trifft Nostalgie auf die Erkenntnis, dass sich der eigene Blick auf die Welt verändert hat. Jugendlicher Aufbruch funktioniert aus heutiger Perspektive eben anders, wenn bereits Jahre voller Erfahrungen, Enttäuschungen und Veränderungen dazwischenliegen.
Nicht jeder Moment auf „Lass es gut sein“ besitzt dabei dieselbe Durchschlagskraft. Gelegentlich bleibt die Band sehr komfortabel innerhalb ihres vertrauten Indie-Rock-Rahmens. Gerade weil die stärkeren Passagen zeigen, wie gut BONGEN’S mit Kontrasten zwischen Melancholie, Härte und Eingängigkeit umgehen können, hätte das Album an manchen Stellen noch etwas mehr Mut zum Ausbruch vertragen können. Gleichzeitig passt diese Bodenständigkeit aber auch zu einer Platte, die gar nicht versucht, sich größer zu machen, als sie ist.
Das Album erzählt letztlich davon, dass Nostalgie und Gegenwart keine Gegensätze sein müssen. Man kann sich daran erinnern, wer man einmal war, ohne wieder diese Person werden zu wollen.
„Lass es gut sein“ erscheint heute am 4. September 2026. Das Album findet ihr z.B. hier.
Fotocredit: Offizielle Grafik