Dienstag, 16 Uhr: Endlich begann für uns das Sziget Festival 2026 – gemeinsam mit Zehntausenden Musikfans aus aller Welt. Schon beim Betreten der Festivalinsel wurde klar: Dieser Auftakt würde schweißtreibend werden. Temperaturen von deutlich über 35 Grad verlangten Besucherinnen und Künstlerinnen alles ab, doch die Stimmung hätte kaum besser sein können.
Unser erster Halt führte uns direkt zur Mainstage, wo Bad Nerves den Festivalauftakt mit ihrer energiegeladenen Mischung aus Punkrock und Garage Rock eröffneten. Die Briten gelten längst als einer der spannendsten Geheimtipps der Szene und lieferten die perfekte Portion Adrenalin für den ersten Festivaltag. Mit jeder Menge Spielfreude und einem kompromisslosen Sound gelang ihnen ein Auftakt, der das Publikum sofort in Festivalstimmung versetzte.
So ausgelassen die Atmosphäre auf dem Festivalgelände auch war, ganz ausblenden ließ sich die aktuelle Situation in Ungarn nicht. Budapest kämpfte in diesem Sommer mit anhaltender Hitze, niedrigen Pegelständen der Donau und einer angespannten Wasserversorgung. Gerade bei diesen Temperaturen wurde deutlich, wie wichtig ein bewusster Umgang mit Wasser ist. Das Sziget Festival stellte an zahlreichen Stellen über Trinkwasser zur Verfügung. Trotz aller Herausforderungen zeigte sich einmal mehr, dass Musik Menschen zusammenbringen kann, ohne dabei den Blick für die Realität zu verlieren.
Auch abseits der Bühnen hatte sich einiges getan. Wie bereits in den vergangenen Jahren war erneut ein Aldi-Markt auf dem Festivalgelände vertreten. Dort konnten sich Besucher*innen mit Getränken, Snacks, Grillgut sowie den wichtigsten Alltagsartikeln versorgen. Allerdings fiel in diesem Jahr schnell auf, dass die Preise deutlich über dem Niveau eines gewöhnlichen Aldi-Marktes lagen. Besonders ärgerlich: Ab 18 Uhr verteuerten sich sämtliche Getränke – selbst Softdrinks – nochmals um rund ein Drittel. Gerade bei den extremen Temperaturen sorgte diese Preisgestaltung bei vielen Festivalgästen für Diskussionen.
Musikalisch hatte der Dienstag dennoch einiges zu bieten. Zara Larsson übernahm als Co-Headlinerin die Mainstage und brachte ihren internationalen Pop-Sound nach Budapest. Mit ihren aktuellen Veröffentlichungen gehört die Schwedin derzeit zu den erfolgreichsten Pop-Künstlerinnen Europas und zog entsprechend zahlreiche Fans vor die Bühne.
Für Fans harter Klänge wurde es am Nachmittag besonders spannend. Die deutsche Metalcore-Band Avralize bewies eindrucksvoll, warum sie derzeit als einer der spannendsten Newcomer der heimischen Szene gilt. Mit einer beeindruckenden Bühnenpräsenz, druckvollen Breakdowns und jeder Menge Energie riss die Band das Publikum schnell mit. Schon nach wenigen Songs entstanden die ersten Moshpits, während Frontmann und Band die Menge immer wieder zum Mitmachen animierten. Trotz der abendlichen Wärme ließen sich die Fans nicht bremsen und feierten die Performance lautstark. Für viele Metalcore-Fans dürfte dieser Auftritt bereits zu den ersten Überraschungen des Festivals gehört haben.
Direkt im Anschluss eher währendessen sorgte Oskar Med K für einen gelungenen Kontrast. Mit seinem modernen Mix aus Pop, Hip-Hop und elektronischen Elementen lockte der schwedische Künstler zahlreiche Besucher*innen an und zeigte eindrucksvoll, wie vielseitig das musikalische Programm des Sziget Festivals auch in diesem Jahr wieder ausfiel.
Wer stattdessen Lust auf Unterhaltung abseits klassischer Konzerte hatte, konnte einen Abstecher zur The Joker Stage machen. Dort sorgten Siegfried & Joy mit ihrer Mischung aus Magie, Comedy und jeder Menge Selbstironie für 45 Minuten beste Unterhaltung. Das Berliner Duo bewies einmal mehr, dass das Sziget weit mehr ist als nur ein Musikfestival und begeisterte das Publikum mit viel Charme und einer gehörigen Portion Humor.
Für viele Besucher*innen wartete das große Highlight allerdings erst am Abend. Sombr, dessen Songs derzeit in zahlreichen Radiosendern rauf und runter liefen, übernahm die Mainstage und sorgte mit seiner emotionalen Performance für einen der meistbesuchten Auftritte des Tages. Während sich dort Tausende vor der Hauptbühne versammelten, zog es uns zwischendurch noch zu Kim Dracula. Der australische Ausnahme-Künstler zeigte eindrucksvoll, warum er aktuell als einer der außergewöhnlichsten Acts der modernen Rock- und Metal-Szene gilt. Zwischen Metalcore, Industrial, Trap, Jazz und unzähligen weiteren Einflüssen präsentierte Kim Dracula eine Show, die ebenso chaotisch wie faszinierend war und das Publikum gleichermaßen überraschte wie begeisterte.
Wer danach noch genügend Energie hatte, konnte die Nacht zum Tag machen. Die britischen Elektro-Pioniere Underworld brachten ihre legendären Beats auf die Bühne und lieferten den perfekten Soundtrack für eine durchtanzte Nacht. Seit mehr als drei Jahrzehnten prägen sie die elektronische Musikszene – und auch 2026 bewiesen sie eindrucksvoll, warum sie bis heute zu den wichtigsten Acts ihres Genres gehören.
Der erste Tag auf dem Sziget Festival 2026 zeigte bereits eindrucksvoll, warum das Festival zu den größten und vielfältigsten Europas zählt. Zwischen hochkarätigen Konzerten, beeindruckenden Live-Shows und den ersten Eindrücken des weitläufigen Festivalgeländes stand für uns zunächst ganz klar die Musik im Mittelpunkt. Das Sziget bietet jedoch weit mehr als nur Konzerte – auf das umfangreiche Rahmenprogramm, die Kunstinstallationen und die unzähligen Möglichkeiten auf der Insel werden wir in den kommenden Tagen noch ausführlicher eingehen.
Für uns hieß es am Ende des Tages aber erst einmal: hinein in die Budapester Festivalnacht – und hinein in die ersten Stunden eines langen Sziget-Abenteuers.
Fotocredit: Kevin Randy Emmers