Bei bestem Festivalwetter startete das Open Flair Festival mit der Öffnung der ersten Bühne in Eschwege. Zwischen Bluthund, Dropkick Murphys und dem Technogarten
Beim Open Flair begann das Festival schon, bevor die erste Band auf einer Bühne stand. Am Dienstag, dem offiziellen Hauptanreisetag, rollten immer mehr Wohnmobile, Autos auf die verschiedenen Campingplätze rund um Eschwege. Die Plätze füllten sich schnell und überall entstanden die ersten kleinen Camps.
Neben dem klassischen Zeltcamping und dem Auto-Camping gehörte inzwischen auch das Green Camping fest zum Open Flair. Das Interesse daran wuchs seit Jahren. Hier ging es etwas ruhiger zu und besonders viele Familien schlugen ihre Zelte auf. Zwischen Wohnmobilen und Zelten standen Kinderwagen, kleine Campingtische und jede Menge Spielzeug. Während auf anderen Campingplätzen bereits die ersten Beerpong Runden liefen, saßen hier Eltern mit ihren Kindern vor dem Wohnmobil.
Am Dienstag selbst standen noch keine Bands auf den Bühnen. Das hielt die Besucher allerdings nicht davon ab, bereits ordentlich zu feiern. Auf vielen Campingplätzen lief die erste Party und stimmte die Besucher auf die kommenden Tage ein.
Gleichzeitig sorgten die Nachtruhe und die verschiedenen Campingbereiche dafür, dass die Nächte trotz der teilweise wilden Partys entspannt blieben. Wer morgens aus dem Zelt kroch, startete also nicht zwangsläufig völlig zerstört in den nächsten Festivaltag.
Mittwoch: Das Open Flair nahm Fahrt auf
Am Mittwoch startete das musikalische Programm zunächst im Elektrogarten und auf der Seebühne. Damit nahm das Festival langsam Fahrt auf, bevor sich das Geschehen an den folgenden Tagen über immer mehr Spielorte verteilte.
Auf der Seebühne übernahm Salo und machte aus dem Auftakt direkt eine große Party. Mit Songs wie „Apollonia sitzt bei Edeka an der Kasse“ brachte er Bewegung ins Publikum. Beim großen Finale mit „ Ich streichle Tauben“ eskalierte die Stimmung noch einmal. Vor der Bühne entstanden mehrere Circle Pits und die Besucher nutzten das sommerliche Wetter ausgiebig.
Während auf der Seebühne die ersten Besucher feierten, legte Philipp Stützer im Elektrogarten deutlich härter los. Sein treibender und rhythmischer Techno brachte die Anlage ordentlich an ihre Grenzen. Wer eigentlich nur auf dem Weg zur Seebühne war, blieb vermutlich nicht ganz zufällig noch ein paar Minuten länger in der Nähe vom Elektrogarten.
Am frühen Abend zog es dann gefühlt den gesamten Campingplatz Richtung Seebühne. Das Lumpenpack stand auf dem Programm. Die Band gehörte inzwischen zu den festen Größen beim Open Flair.
Max und Jonas kamen bei ihrem ersten Auftritt in Eschwege noch zu zweit ins E-Werk und kombinierten Poetry Slam mit Musik. Seitdem hatten sie sich gemeinsam mit ihrer Band eine immer größere Fangemeinde erspielt. Mit jedem neuen Album wuchsen nicht nur die Zuschauerzahlen, sondern auch die Locations.
An diesem Mittwoch zeigte sich das besonders deutlich. Die Seebühne platzte fast aus allen Nähten. Schon ab der ersten Minute lag eine enorme Energie über dem Platz. Überall entstanden kleine Pits und zwischendurch wurde daraus sogar ein großer Flintapit.
Bei „Ford Fiesta“ holten Max und Jonas schließlich ein rotes aufblasbares Auto heraus und ließen sich über die Menge fahren. Spätestens jetzt dürften die beiden einen Eindruck davon bekommen haben, wie viele Menschen tatsächlich vor ihnen standen. Selbst hinter dem FOH-Turm drängten sich noch zahlreiche Besucher bis fast zum See.
Dritte Wahl übernahmen anschließend den Tagesabschluss und drehten die Lautstärke noch einmal ordentlich auf. Die Rostocker Punkrocker lieferten eine wilde Show und brachten damit vermutlich auch die letzten Besucher ins Schwitzen. Nach sommerlichen Temperaturen, Pits und jeder Menge Bewegung ging es für viele anschließend verschwitzt zurück ins Camp.
Donnerstag: Jetzt gehörte auch die Stadt zum Festival
Am Donnerstag erweiterte das Open Flair sein Programm deutlich. Neben der Seebühne und dem Elektrogarten öffneten nun auch die Hofbühne, das E-Werk, das Weinzelt und die Kleinkunstbühne. Mit der Eröffnungsfeier im E-Werk startete das Festival damit auch offiziell richtig durch.
Jetzt zeigte sich besonders deutlich, was das Open Flair von vielen anderen Festivals unterschied: Es fand nicht nur auf einem abgeschlossenen Festivalgelände statt. Es verteilte sich über ganz Eschwege.
Die Stadt spielte dabei eine wichtige Rolle. Anwohner verkauften Wasser, Bier und Snacks aus ihren Fenstern, Kinder boten Wasserbomben gegen eine Spende an und Senioren aus einem örtlichen Seniorenheim saßen am Straßenrand und klatschten immer wieder mit Festivalbesuchern ab. Immer wieder entstanden kleine Begegnungen zwischen Besuchern und Einwohnern.
Genau diese Momente gaben dem Open Flair einen besonderen Charakter. Es fühlte sich weniger nach einer abgeschotteten Festivalblase und mehr nach einem großen Fest an, bei dem die ganze Stadt mitmachte.
Besonders auffällig waren die vielen Kinder. Auf dem Campingplatz, in der Stadt und auf dem Festivalgelände gehörten Familien inzwischen ganz selbstverständlich zum Open Flair. Das passte auch zum Programm, denn im Kleinkunstzelt wartete unter anderem ein Kinderzirkus auf die jüngeren Besucher.
Am Nachmittag drehten Bluthund die Stimmung auf der Seebühne ordentlich auf. Die Berliner brachten ihren StromGitarrenWutRap nach Eschwege und brauchten nicht lange, um das Publikum mitzunehmen.
Nach einem kurzen Intro verwandelte sich der vordere Bereich direkt in einen wilden Moshpit. Gitarren, Rap und jede Menge Wut trafen auf ein Publikum, das offenbar genau darauf gewartet hatte.
Sänger Abraxas legte gegen Ende des Sets noch einmal nach und kletterte bis ganz nach oben auf die Bühne. Bei der Höhe der Seebühne brauchte es dafür definitiv etwas Mut und Schwindelfreiheit.
Nach dem Auftritt verschwand er allerdings nicht sofort hinter der Bühne. Stattdessen stand Abraxas noch lange am Merchstand und nahm sich Zeit für Fotos, Unterschriften und kurze Gespräche mit den Fans.
Die Tour der Jungs im Oktober präsentierten wir übrigens – und legen euch diese gerne ans Herz.
Nach dem energiegeladenen Auftritt nutzten einige Besucher die Umbaupause für eine kleine Abkühlung. Am See ließen sie die Beine ins Wasser hängen und sammelten neue Kräfte für die nächsten Bands. Die DLRG behielt während des gesamten Wochenendes den Bereich an der Seebühne im Auge und sorgte dafür, dass die Besucher den See sicher nutzen konnten.
Anschließend brachte South Arcade zunächst Punkrock auf die Seebühne. Danach übernahmen From Fall To Spring und zogen das musikalische Tempo noch einmal deutlich an.
Die Band gehörte zu den härteren Acts des diesjährigen Line-ups und lieferte eine Stunde Post-Hardcore und Nu Metal. Neben zahlreichen eigenen Songs sorgte natürlich auch ein bekannter Klassiker für Begeisterung: Zum Abschluss spielten From Fall To Spring „Last Resort“ von Papa Roach.
Bei diesem Song brauchte niemand einen Spickzettel. Das Publikum kannte den Text und sang lautstark mit.
Zwischen den großen Konzerten sorgte das Open Flair immer wieder für kleine Überraschungen. Wer durch das Gelände lief, musste deshalb besser aufmerksam bleiben.
Plötzlich saß beispielsweise ein Gorilla neben anderen Besuchern. Ein kleines Feuerwehrauto fuhr regelmäßig mit eingeschalteter Sirene durch die Menge und sorgte vor allem bei den Kindern für große Augen.
Diese Kleinkünstler gehörten genauso zum Flair wie die großen Bands. Sie sorgten dafür, dass man auch abseits der Bühnen ständig etwas entdecken konnte.
Im E-Werk übernahmen Elis C. Bihn und Tilman Birr das Mikrofon. Als Welthits auf Hessisch nahmen sie bekannte Songs auseinander und verpassten ihnen kurzerhand einen hessischen Anstrich. Auch „It’s Raining Men“ bekam seine eigene hessische Version. Das Publikum im gut gefüllten E-Werk hatte sichtlich Spaß.
Trotzdem verließen einige Besucher den Saal etwas früher. Auf der Seebühne wartete schließlich bereits der Headliner des Tages. Die Dropkick Murphys übernahmen die Seebühne und verwandelten Eschwege kurzerhand in einen riesigen Irish Pub.
Der Mix aus irisch-schottischem Folk und Punkrock funktionierte beim Open Flair einfach hervorragend. Dazu kamen Dudelsack, Mitsing-Hymnen und die typische Energie der Murphys.
Die Band kannte das Open Flair bereits bestens. Schon zweimal hatten die Dropkick Murphys Eschwege zum Kochen gebracht. Auch diesmal hielt das Publikum kaum still.
Als die Band ihren Auftritt eigentlich beendet hatte, machten sich einige Besucher bereits langsam auf den Rückweg. Doch die Murphys kamen noch einmal zurück. Dann folgte „I’m Shipping Up to Boston“.
Damit holten sie noch einmal alles aus dem Publikum heraus. Wer eigentlich schon Richtung Campingplatz unterwegs war, drehte vermutlich noch einmal um.
Eine große Überraschung kündigte sich am Vorabend beim Auftritt von Das Lumpenpack an, hier sagte die Band ob man nicht eventuell am nächsten Tag nicht nochmal auf die guten alten Zeiten im E-Werk spielen könnte. Am nächsten Tag fand man immer wieder kleine Hinweise auf die Show um 0:00 Uhr im E-Werk und genau dieses platzte Abends aus allen Nähten, als Das Lumpenpack nochmal eine gute Stunde als Zugabe zum Vortag spielte.
Als Late-Night-Act übernahmen anschließend Gogol Bordello. Die neunköpfige Band brachte einen völlig anderen Sound auf die Bühne und verband Balkan-Beat, Samba, Rock, Ska und zahlreiche weitere Einflüsse. Nach dem energiegeladenen Auftritt der Dropkick Murphys stand zwar deutlich weniger Publikum vor der Bühne, aber die verbliebenen Besucher ließen sich davon nicht beeindrucken. Sie tanzten, feierten und machten aus dem letzten Auftritt des Tages noch einmal eine ordentliche Party.
Das Open Flair hatte noch nicht einmal richtig angefangen Und genau hier zeigte sich vielleicht am deutlichsten, wie groß das Open Flair eigentlich war.
Auf dem Campingplatz feierten die ersten Besucher schon wieder weiter. Familien saßen vor ihren Wohnmobilen, irgendwo lief Musik und an anderer Stelle begann vermutlich gerade die nächste kleine Camp-Party.
Fotocredits: Fabian Hafels