Mit der Wiener Formation Leftovers betritt am 25. September 2026 eine der derzeit spannendsten, energiegeladensten und authentischsten Bands der deutschsprachigen Musikszene erneut die Bühne. Seit ihrer Gründung im Jahr 2019 haben Anna Grobauer (Bass/Gesang), Leon Eder (Schlagzeug/Gesang), Leonid Sushon (Gitarre/Gesang) und Alexander Waismayer (Gitarre/Gesang) ihren Status als mitreißende Underground-Instanz konsequent ausgebaut. Ihr Markenzeichen ist geblieben: Eine feste Frontperson existiert nicht. Das Quartett teilt sich das Mikrofon, schreibt im Kollektiv und bringt so spürbar vielschichtige Nuancen in den Sound ein. Nach den gefeierten Alben „Krach“ (2022), „Müde“ (2023) und „Es kann sein dass alles endet“ (2024) erscheint mit „SCHAU NICHT SO“ nun der vierte Longplayer der Wiener – ein Werk, das die ungeschönte Energie ihrer bisherigen Diskografie aufgreift und auf ein neues Level hebt.
Wenn die Euphorie in Ermattung kippt
Auf „SCHAU NICHT SO“ interessieren sich Leftovers vor allem für den Moment nach dem Exzess: Wenn die Euphorie durchfeierter Nächte in Ernüchterung kippt und man gleichzeitig zu jung für Resignation, aber zu alt für billige Ausreden ist. Der Albumtitel fungiert dabei als Ermahnung, Drohung, Provokation und Trost zugleich – eine Phrase, mit der stets mehr gemeint ist als bloß ein Blick. Doch die Band dreht die Perspektive um: Nicht der Blick ist falsch, denn vielleicht gibt es gerade allen Grund, genau so zu schauen. Musikalisch bewegt sich das neue Werk in einer hochexplosiven Mischung aus Punk, Grunge, Indie-Rock und NNDW. Wo früher Einflüsse von Nirvana, den Pixies oder Fontaines D.C. noch durchschienen, hört man heute vor allem eine Band, die ihre Referenzen längst in etwas völlig Eigenes verwandelt hat. Die elf Tracks des Albums erzählen im Fließtext der Platte von verletzten Egos, exzessiven Räuschen, Female Rage, Sehnsucht und dem ständigen Versuch, sich irgendwie zusammenzuhalten.
Der fulminante Start einer musikalischen Reise
Gleich die Eröffnung mit „KIWARA“ gerät zu einem fulminanten Start. Mit treibenden Drums, einem ansteckenden Rhythmus und tief verzerrten Gitarrenriffs bauen Leftovers ein Fundament aus rohem Indie-Punk und Garage-Rock auf. Wenn der rotzige, druckvolle Gesang einsetzt, entlädt sich eine enorme Wucht, die trotz der kurzen Spielzeit von nur 1:33 Minuten sofort Lust auf mehr macht. Nahtlos geht es weiter mit „EGAL WOHIN“, einer Nummer, die punkige Dynamik mit eingängigen Melodien verbindet. Inhaltlich fängt der Track das dringliche Bedürfnis nach Aufbruch und Freiheit ein – der Wunsch, dem festgefahrenen Alltag zu entkommen, ohne ein konkretes Ziel zu brauchen. Mit „JOINT“ folgt ein Stück voller ungeschliffener Energie, das mit einer mitreißenden Vocal-Einlage und einer ohrwurmverdächtigen Melodie als Herzstück punktet. Zwischen rauen Stimmen und tiefen Riffs pendelt der Song zwischen kontrolliertem Chaos und Noise-Punk-Attitüde, bevor er sanft in die nächste Nummer gleitet. Diese hört auf den Namen „BRO KOMM“und lässt instrumental Erinnerungen an 90er-Grunge aufblitzen. Die rauen, ungeschönten Vocals und die spürbare Aggression verleihen dem Stück eine fast schon greifbare Wut, die sich direkt auf die Zuhörerschaft von Leftovers überträgt.
Zwischen berauschenden Höhepunkten und düsteren Rauschen
Im Zentrum der Platte steht der Titelsong „SCHAU NICHT SO“. Hier treffen eingespielte Gitarrenmelodien auf eine mystische, leicht melancholische Atmosphäre. Der Refrain bündelt die geballte Stärke der Band, baut Spannung auf und entlädt sich in einem befreienden Klangteppich, in dem man sich als Hörer glatt verlieren kann. Direkt im Anschluss setzen Leftovers mit „NASENBRECHER“ ein weiteres Ausrufezeichen. Der Track behandelt aufgestaute Frustration und den Drang, sich gegen gesellschaftliche Erwartungen aufzulehnen – ein kompromissloser Ausdruck von Trotz und Befreiung.
Einen besonderen Moment markiert das reine Instrumental „INTERLUDE“. Mit nur 1:18 Minuten Spielzeit ist es keineswegs ein Lückenfüller, sondern fügt sich mit hämmernden Drums, dreckigen Riffs und hohem Tempo als vollwertiger, extrem stimmiger Baustein in das Gesamtwerk ein. Es ebnet den Weg für „ABSTURZ“, einer schonungslosen Auseinandersetzung mit Kontrollverlust, Rausch und Selbstzerstörung. Treibende Gitarren und das schnelle Schlagzeug unterstreichen die Schattenseiten eines ungezügelten Lebensstils auf dramatische Weise.
Die bittersüße Zerrissenheit des Älterwerdens
Mit „ERWACHSEN“ widmen sich Leftovers der Zerrissenheit des Älterwerdens. Zwischen Selbstzweifeln und dem Gefühl, plötzlich funktionieren zu müssen, entsteht eine bittersüße, hochgradig authentische Hymne über die Unvermeidbarkeit des Erwachsenseins. Das anschließende „ES GEHT SCHON“ glänzt mit einem eindrucksvollen stimmlichen Wechselspiel: Eine tiefe, ruhige Stimme trifft auf ein höheres, aggressiveres Pendent und erzeugt eine faszinierende Harmonie über rollenden Drums.
Den würdigen Abschluss bildet „DAS LETZTE LIED“. Melancholisch und geheimnisvoll beginnend, baut sich der Track nach und nach zu einer gewaltigen Soundwand aus harten Riffs und rohem Gesang auf. Es entsteht ein dichter Klangteppich, in den man sich vollkommen hineinfallen lassen kann, ehe der Song langsam ausklingt und die Hörer schließlich sanft zurück in die Realität entlässt.
Fazit
Leftovers schreiben keine Lieder über die Jugend, als wäre sie längst vorbei – Anna, Alex, Leon und Leonid stehen noch immer mitten in diesem Strudel. „SCHAU NICHT SO“liefert deshalb bewusst keinen moralischen Kommentar und keine einfachen Lösungen für die Überforderung einer ganzen Generation. Stattdessen bietet die Band etwas viel Besseres: Elf Songs, die all die Verzweiflung, die Komik und das Chaos des Lebens mühelos aushalten. Die Formation klingt auf diesem Longplayer größer, mutiger und präziser denn je. Nicht, weil sie lauter geworden wäre, sondern weil sie sich traut, den Blick im entscheidenden Moment nicht abzuwenden.
Leftovers – Stadion Tour 2026:
02.10.26 – Graz, PPC
03.10.26 – Wels, Schlachthof
14.10.26 – München, Technikum
15.10.26 – Stuttgart, Im Wizemann
16.10.26 – Frankfurt, Mouseonturm
17.10.26 – Essen, Zecke Carl
19.10.26 – Marburg, KFZ
20.10.26 – Aachen, Musikbunker
22.10.26 – Köln, Kantine
23.10.26 – Hamburg, Übel & Gefährlich
24.10.26 – Berlin, Festsaal Kreuzberg
25.10.26 – Dresden, Tante JU
30.10.26 – Salzburg, ARGE
31.10.26 – Innsbruck, Bäckerei
Fotocredit: Albumcover / Artwork