Grandmas House kommen nicht leise durch die Hintertür, sie treten mit „Baby You’re A Winner“ einfach die ganze Wand ein. Wer sich in den letzten Jahren in britischem Post-Punk und Indie-Rock wohlgefühlt hat, bekommt hier eine Platte, die vertraut wirkt, aber nie wie eine Kopie.
Der Titelsong „Baby You’re A Winner“ legt die Messlatte gleich zu Beginn hoch. Gitarren- und Chorharmonien verschränken sich, als wollten sie einem erst einmal eine sanfte Umarmung anbieten, bevor der Bass von Zoë Zinsmeister die Stimmung kippen lässt. Das ist der Moment, in dem klar wird, zu was diese Band in der Lage ist. Yasmin Berndts Gesang schnurrt und knurrt sich irgendwo zwischen verletzlich und bedrohlich durch die Songs und erinnert in seiner Rohheit tatsächlich an Grian Chatten. Dazu kommt Poppy Dodgsons zweite Leadstimme am Schlagzeug, die viele Refrains wie kleine Shouts im Proberaum wirken lässt.
Inhaltlich drehen sich viele Songs um diese existenzielle Krise, die man nicht an einem Tag abhakt. „DOG“ nimmt chronische Krankheit und medizinische Ratlosigkeit ins Visier, „Soaked“ geht in queere Liebesgeschichten hinein und „Next Big Hit (Choo Choo)“ dürfte der entwaffnende Moment der Platte sein: eine Abrechnung mit der Herabwürdigung von Frauen in der Musikindustrie, including ordentlich Verzerrung und stoischer Gesang.
Man merkt der Platte an, dass hier eine Live-Band ins Studio gegangen ist, die genau weiß, wie sich ihre Songs im Raum anfühlen sollen. Viele Tracks klingen einfach gewachsen, da sie mit Sicherheit schon die ein oder andere Tourschleife mitgefahren sind. Beste Beispiele dürften hierfür wohl „Dance“ und „The Table“ sein, welche Produzent Ali Chant (PJ Harvey, Yard Act, Perfume Genius) zu echten Rockern geschärft hat – glücklicherweise ohne die Punkwurzeln der Band zu cutten. Die Band trägt eine interessante Energie in sich und schafft es auf Platte so zu klingen, als ob die Band gerade im Club steht und live steil geht.
Auf der B-Seite des Longplayers finden sich dann auch mal Songs die auf den ersten Blick etwas softer wirken. „Soaked“ und „How It Is“ nehmen vielleicht etwas Tempo raus, profitieren aber dennoch von einer außerordentlichen Gesangsleistung. Ohnehin dürfte die kratzige Stimme Berndts das Trademark im Sound der Band darstellen, denn sie verleiht den Songs allesamt eine gewisse Härte. Was aber durchaus positiv gemeint ist.
Unterm Strich ist das ein Debüt, das mehr kann, als nur „Versprechen für später“ zu sein. Grandmas House liefern mit „Baby You’re A Winner“ eine Platte ab, die in sich geschlossen wirkt, aber genug offene Kanten hat, um weiterzuwachsen. Wenn das hier das erste Kapitel ist, darf man sich auf den Rest sehr freuen.
Und natürlich muss man diese Band live sehen. An folgenden Terminen hat man die Gelegenheit dazu:
GRANDMAS HOUSE – Live Dates 2026
- 03. Oktober | Wien, AT – Waves Vienna
- 07. Oktober | Köln, Bumann & Sohn
- 11. Oktober | Hamburg, Hafenklang
- 18. Oktober | Berlin, Neue Zukunft
- 19. Oktober | München, Substanz
- 20. Oktober | Wien, AT – B72
- 23. Oktober | Winterthur, CH – Gaswerk
- 24. Oktober | Bern, CH – ISC Club
Fotocredit: Marie Dutton