Nach dem intensiven Freitag zeigte sich Rock am Ring am Samstag von seiner gewohnt vielseitigen Seite.
Die Campingplätze waren mittlerweile vollständig im Festivalmodus angekommen, die ersten Stimmen etwas rauer, die Beine etwas schwerer – und dennoch war die Vorfreude auf den zweiten Festivaltag überall spürbar. Der Samstag gilt traditionell als Herzstück des Wochenendes, und auch in diesem Jahr wurde er diesem Ruf mehr als gerecht.
Schon früh wurde deutlich, dass der Timetable wieder für Probleme sorgen würde. Ein Problem, das eigentlich keines ist. Schließlich ist es bei Rock am Ring einfach ein großes Luxusproblem… Man kann einfach nicht alles sehen.
Eine der ersten schwierigen Entscheidungen des Tages wartete bereits rund um den Auftritt von The Pretty Reckless auf der Utopia Stage. Die Band um Frontfrau Taylor Momsen lockte mit einer souveränen Mischung aus Hard Rock und Alternative Rock zahlreiche Besucher vor die Hauptbühne. Gleichzeitig bzw. mit leichtem Vorsprung standen mit Paleface Swiss und Letlive jedoch zwei weitere Hochkaräter auf dem Programm. Während auf der einen Seite druckvolle Härte und kompromisslose Breakdowns lockten, versprach auf der anderen Seite die chaotische Energie von Letlive mit Sänger Jason Butler ein besonderes Live-Erlebnis. Dieser räumte direkt zu Beginn vom Set einmal die Bühne komplett um.
Wie so oft am Ring blieb vielen Fans nur die Wahl zwischen mehreren guten Optionen. Glücklich macht der Timetable eben nie jeden.
Zu den besonderen Namen im diesjährigen Line-up gehörte zweifellos auch Tom Morello. Der Ausnahmegitarrist von u.a. Rage Against the Machine oder auch Audioslave präsentierte sein Soloprojekt und bewies eindrucksvoll, weshalb er seit Jahrzehnten als einer der kreativsten Musiker der Rockszene gilt. Seine unverwechselbaren Gitarrensounds machten den Auftritt für viele Besucher zu einem echten Highlights des Tages.
Am frühen Abend mit leichtem Regen gehörte die Mandora Stage dann den Franzosen von Landmvrks. Wer die Entwicklung der Band in den vergangenen Jahren verfolgt hat, dürfte sich über ihren Erfolg kaum wundern. Mit enormer Spielfreude, beeindruckender Präzision und einer mitreißenden Publikumsinteraktion zeigte die Band eindrucksvoll, warum sie mittlerweile gefühlt auf jeder wichtigen Bühne Europas vertreten ist. Die Zuschauer dankten es mit vollen Reihen und Crowedsurfern die, die Security an Ihre Grenzen brachte. Zusätzlich hatte man mit Zelli von Paleface Swiss noch einen extrem starken Special Guest auf Lager.
Kurz darauf stand die nächste große Frage des Tages an nach vorne zu Electric Callboy oder Ice Nine Kills schauen?
Während Electric Callboy mittlerweile zu den beliebtesten deutschen Festivalbands überhaupt zählen und im vergangenen Jahr sowohl als Surprise Act als auch mit Ihrem DJ Projekt Electric Bassboy für Eskalation sorgten, zog es überraschend viele Besucher zur „Konkurrenz“.
Ice Nine Kills hatten sich mit ihrer aufwendig inszenierten Horror-Show längst einen Namen gemacht, und die Geschichten über ihre Live-Auftritte hatten sich in den vergangenen Jahren weit über die Grenzen der Metalcore-Szene hinaus verbreitet. Wer sich für die US-Amerikaner entschied, bekam ein düsteres Spektakel geboten, dass beim Song A Work of Art sein böses Finale fand.
Nach Ice Nine Kills hörte der Regen auch wieder auf uns man konnte auf der Utopia Stage noch eine gute Stunde mit Electric Callboy verbringen. Die Jungs zeigten sich sichtlich beeindruckt von der Menge an Menschen von der Bühne und dem Slot den Sie spielen durften.
Als die Sonne langsam komplett verschwunden waren, richteten sich die Blicke schließlich auf die Utopia Stage. Dort standen mit Volbeat die Headliner des Abends bereit. Die Dänen galten über viele Jahre als feste Größe bei Rock am Ring und waren auf den größten Bühnen des Festivals beinahe schon Stammgäste. Nach einer etwas längeren Pause fühlte sich ihre Rückkehr dennoch besonders an.
Volbeat lieferten genau das ab, was ihre Fans seit Jahren an ihnen schätzen: alte Songs, eine beeindruckende Stimme von Michael Poulsen die in machen Momenten schon verdammt nach an Johnny Cash erinnert und eine Bühnenpräsenz, die sich die Band über Jahre erspielt hat.
Die Mischung aus Rock’n’Roll, Metal und eingängigen Hymnen funktionierte vor zehntausenden Besuchern einmal mehr hervorragend. Es war einer dieser Auftritte, bei denen niemand überrascht wurde – und genau das machte sie am Ende eben auch zu einem der Headliner.
Doch auch nach dem Headliner war der Samstag noch lange nicht vorbei. Auf der Mandora Stage wartete mit Bad Omens einer der derzeit gefragtesten Acts der modernen Rock- und Metal-Szene. Erst wenige Tage zuvor hatte die Band in Düsseldorf ein viel beachtetes Konzert gespielt – einen ausführlichen Bericht findet Ihr ebenfalls bei uns.
Was folgte, war eine beeindruckende Inszenierung aus Licht, Atmosphäre und musikalischer Wucht.
Anders als bei vielen Hallenshows zuvor konnte die Band ihre Produktion nun vollständig in die Dunkelheit einer Festivalnacht einbetten. Die Kombination aus den düsteren Klangwelten der Songs, der visuellen Umsetzung und der besonderen Stimmung auf dem Gelände sorgte für einen der eindrucksvollsten Momente des gesamten Samstags. Auch wenn viele Fans nach dem langen Tag erschöpft waren, ging hier kaum jemand früher.
Der Samstag zeigte einmal mehr, warum Rock am Ring auch nach all den Jahren nichts von seiner Faszination verloren hat. Große Namen, spannende Newcomer, schwierige Entscheidungen zwischen parallel laufenden Konzerten und immer wieder diese besonderen Momente, die sich nicht planen lassen. Genau dafür kommen die Menschen Jahr für Jahr zurück an den Nürburgring.
Fotocredit: Lara Krämer