Seit seiner Gründung im Jahr 2018 hat sich das schwedische Start-up Abundo zu einer spannenden europäischen Kulturplattform entwickelt. Mit einem einfachen, aber wirkungsvollen Konzept – unbegrenzter Zugang zu Konzerten, Theater, Film, Tanz oder Ausstellungen zum monatlichen Festpreis – bringt Abundo frischen Wind in die Kulturszene. Nach erfolgreichen Starts in Schweden, Berlin und Hamburg ist die Plattform nun auch in Köln angekommen und wächst stetig weiter. Wir von Frontstage Magazine haben vorab mit Jacob Hvid, einem der Köpfe hinter Abundo, gesprochen. Im Interview erzählt er, wie es gelingt, Kultur gleichzeitig zugänglich und nachhaltig zu gestalten, warum Deutschland ein besonderer Markt ist – und wie Abundo Künstler:innen, Veranstalter:innen und Publikum auf einzigartige Weise miteinander verbindet.
Frontstage Magazine: Abundo ist in Schweden gestartet und seitdem nach Berlin, Hamburg und nun auch Köln expandiert. Welche Unterschiede sind euch zwischen den Kulturszenen in Schweden und Deutschland aufgefallen und wie habt ihr euer Konzept in den jeweiligen Märkten entsprechend angepasst?
JH: Sowohl Schweden als auch Deutschland bieten eine reiche Kulturlandschaft aber die Art und Weise wie Menschen dieses Angebot wahrnehmen unterscheidet sich. Uns ist aufgefallen, dass unsere Mitglieder in Schweden allgemein gerne weit im Voraus planen. In Deutschland, insbesondere in Berlin, ist die Szene schnelllebiger, spontaner und unglaublich divers. Entsprechend achten wir in Deutschland umso mehr darauf, eine große Bandbreite an Events anbieten zu können und arbeiten sehr eng mit unabhängigen Künstler:innen und Veranstaltern zusammen. Wir möchten immer bestens mit der lokalen Szene verknüpft sein, um ihre Interessen und Energie widerspiegeln zu können. Die Grundidee bleibt aber immer die gleiche: Kultur leicht zugänglich machen.
Frontstage Magazine: Euer Modell macht Kultur zu einem monatlichen Festpreis zugänglich. Wie schafft ihr es, die Bedürfnisse der Veranstalter mit denen eurer Mitglieder abzuwägen?
JH: Das ist tatsächlich die zentrale Herausforderung. Ich glaube, der Schlüssel liegt darin, dass wir kein Marktplatz sind, sondern eine Infrastruktur bieten. Wir schaffen ein Ökosystem, das es Veranstaltern, Künstler:innen, Mitgliedern und der gesamten Kulturszene ermöglicht, sich gemeinsam zu entwickeln und zu entfalten. Unsere Mitglieder schätzen an Abundo die Freiheit, unterschiedlichste Kulturveranstaltungen erleben zu können, ohne lange zu planen, zu recherchieren oder sich um einzelne Ticketpreise zu sorgen. Daher ist uns viel daran gelegen, eine große Vielfalt an Veranstaltungen anzubieten. Wir möchten es ermöglichen, dass man theoretisch jeden Tag ein Event besuchen kann. Unseren Partnern helfen wir bei der Auslastung ihrer Veranstaltungen. Über Abundo füllen sie Plätze, die sonst leer bleiben würden – etwa bei Aufführungen unter der Woche oder bei aufstrebenden Künstler:innen. Wir kannibalisieren nicht den Ticketverkauf, sondern unterstützen unsere Partner dabei, neue Zielgruppen zu erschließen und ihr Publikum aufzubauen. Mitglieder, die über Abundo etwas Neues entdecken, werden dort oft später zu zahlenden Gästen. Unsere Partnerschaften sind sehr flexibel: Die Veranstaltenden entscheiden selbst, wie viele Events sie über Abundo anbieten möchten. Uns ist es wichtig, nachhaltige Beziehungen aufzubauen, die allen Beteiligten einen Mehrwert bieten.
Frontstage Magazine: Eure Community wächst stetig. Allein in Berlin habt ihr bereits mehr als 3.000 Mitglieder. Welche Strategien nutzt ihr, um neue Zielgruppen zu gewinnen und gleichzeitig bestehende Mitglieder langfristig zu binden?
JH: Unser Wachstum verläuft bisher sehr organisch. Die meisten Menschen stoßen durch Freunde auf uns. Das verrät uns, dass Menschen ganz von selbst Erlebnisse teilen, die sie nachhaltig beeindruckt haben. Wenn ein Mitglied durch Abundo ein Faible für zeitgenössischen Tanz oder experimentelles Theater entdeckt, wird dem Umfeld oft davon erzählt. Viele Mitglieder sagen, sie hätten in einem Monat mit Abundo mehr Kultur erlebt als sonst in einem ganzen Jahr. Wir legen unseren Fokus auf Kuration und Community, um unsere Mitglieder zu binden. Wir heben wöchentlich einzigartige Erlebnisse hervor – von großen Shows zu absoluten Geheimtipps – freuen uns, wenn sich unsere Mitglieder auf Kulturveranstaltungen vernetzen, und bleiben über Social Media und Newsletter im regen Austausch. Abundo ermöglicht nicht nur den Zugang zu, sondern auch die natürliche Integration von Kultur in den Alltag. Wir erweitern unser Angebot stetig um neue Genres, die neue Erlebnisse und Zielgruppen erschließen. Vor einigen Jahren sind so auch Museen und Ausstellungen Teil des Programms geworden. In Schweden kooperieren wir seit kurzem mit allen großen Fußballclubs, deren Spiele nun über das Abo besucht werden können. Letztendlich zeigen die Daten, dass die Nachfrage nach Live-Erlebnissen rasant wächst. Ich glaube, das lässt sich ganz einfach erklären: Je digitaler und KI-getriebener unser Leben wird, desto mehr sehnen wir uns nach echten Erfahrungen abseits des heimischen Bildschirms.
Frontstage Magazine:
Abundo bietet auch B2B-Lösungen für Unternehmen an. Welches Feedback habt ihr von Arbeitgebern und -nehmern erhalten, die diesen Service nutzen, und wie wichtig ist deiner Meinung nach der kulturelle Zugang für die Unternehmenskultur?
JH: Wir haben von beiden Seiten ausgesprochen positive Rückmeldungen erhalten. Von Mitarbeitenden hören wir oft, dass sich Abundo für sie anders anfühlt als die typischen Corporate Benefits. Bei vielen bleibe die Gym-Mitgliedschaft lange ungenutzt, aber das Kulturabo verbessere ihre Lebensqualität wirklich. Für Arbeitgeber ist es eine sinnvolle Möglichkeit, Wohlbefinden, Kreativität und Teamgeist zu fördern. Viele Unternehmen nutzen Abundo für gemeinsame Aktivitäten oder um ihren Mitarbeitenden zu helfen, ihre Stadt (neu) zu entdecken. Abundo bietet auch Gesprächsstoff: Montags wird plötzlich von kulturellen Erlebnissen am Wochenende erzählt, und nicht nur von der neuen Staffel einer Serie. Kolleg:innen aus unterschiedlichen Abteilungen entdecken gemeinsame Interessen. Software-Entwickler:in und Marketing-Manager:in stellen fest, dass sie beim gleichen Indie-Konzert waren, oder haben sich sogar dort getroffen. Solche unerwarteten Begegnungen und gemeinsamen Erlebnisse stärken die Unternehmenskultur und den Teamzusammenhalt auf natürliche, ungezwungene Weise.
Frontstage Magazine: Seit der Gründung im Jahr 2018 ist Abundo stark gewachsen. Wohin geht die Reise in den nächsten fünf Jahren? Liegt der Fokus eher auf internationaler Expansion oder auf der Vertiefung der Präsenz in bestehenden Städten?
JH: Unser aktueller Fokus liegt darauf, uns in den Städten, in denen wir bereits aktiv sind, stärker zu verwurzeln und zu wachsen – durch starke, nachhaltige Partnerschaften und lebendige lokale Communities. Gleichzeitig sehen wir großes Potenzial, Abundo in weitere europäische Städte mit spannender Kulturszene zu bringen. Wir sind gerade neu in Köln gestartet und freuen uns darauf, unser Angebot in diesem kulturellen Hotspot gedeihen zu sehen. In fünf Jahren sehe ich Abundo europaweit als führende Plattform für kulturelle Entdeckungen, die Menschen spannende Live-Erlebnisse ermöglicht und Veranstaltern hilft, neue Zielgruppen zu erreichen. Unsere Mission bleibt gleich: Kultur leicht zugänglich zu machen – mit einem Angebot, das für alle Beteiligten einen echten Mehrwert schafft.
Fotocredit: Abundo / Hannes Söderlund