Seit knapp zwei Jahrzehnten stehen K.I.Z. für provokante Texte, deren Inhalt in sich verdreht ist und dadurch werden ihre Gegner selbst entlarvt. So wurden sie durch die AfD bereits zum Thema während einer Bundestagssitzung gemacht (aber dazu später mehr). Musikalisch melden sich die Berliner jetzt mit ihrem 6. Regulären Studioalbum zurück. Nachdem im Dezember überraschend das Album zum Album „Und das Geheimnis der unbeglichenen Bordellrechnung“ veröffentlicht wurde. Während der Produktion sind einfach zu viele Songs entstanden, die ebenfalls veröffentlicht werden wollten. Am 28.05.2021 wurde endlich das mit Spannung erwartete Album „Rap über Hass“ veröffentlicht.
Die ersten drei Tracks des Albums wurden in den vergangenen Monaten bereits als Singles veröffentlicht – „Rap über Hass“, „Ich ficke euch (alle)“ sowie „VIP in der Psychiatrie“. Der Titeltrack zum Album ist zeitgleich der erste Track des Albums und war außerdem die erste Singleveröffentlichung hiervon. Für mich zählt dieser Song außerdem zu den Aussagestärksten des Albums. Das Intro des Songs ist ein Auszug aus einer Rede des AfD Politikers Bernd Baumann, die er im Bundestag gehalten hat. Anlass seines plötzlichen Interesses an der Band war ein Auftritt 2018 in Chemnitz anlässlich des Konzerts #Wirsindmehr. Mit „Rap über Hass“ liefern K.I.Z. ihre Antwort zu dieser Thematik wortgewaltig ab. Mein Lieblingstrack des Albums ist „Ich ficke euch (alle)“, da der Text so herrlich verschachtelt und voller Wortwitz ist.
Soundtechnisch ist das Album abwechslungsreich, so dass viele sich Geschmäcker wiederfinden. Mit „Unterfickt und geistig behindert“ oder „Ja“ zeigen K.I.Z., dass man sich stilistisch etwas ausprobieren kann. Der Sound von „Bitte sag’s nicht meiner Freundin“ kommt ungewohnt elektronisch daher. Während „2 Nicos“ hauptsächlich durch Selbstironie punktet. „Definition von Glück“ und „Kinderkram“ lassen sich zu den ruhigeren und eher nachdenklicheren Songs des Albums zählen. Der ruhigste Song ist allerdings „Mehr als nur ein Fan“ ist die aktuelle Single der Band. In diesem Song erfüllen sie einfach alle Erwartungen von jedem und zeigen durch unbedingte Übererfüllung, dass bedingungslose Liebe nicht existiert und dass es niemals möglich sein wird alle Erwartungen zu erfüllen. Der Beat von „Filmriss“ erinnert mich an „Remmedemmi“ von Deichkind. Bei „Was ist los“ haben sich die Herren Outerspass ins Boot geholt.
Da „Und das Geheimnis der unbeglichenen Bordellrechnung“ als „Album zum Album“ mehr oder weniger zu „Rap über Hass“ gehört, lasse ich es an dieser Stelle außen vor und ziehe stattdessen das letzte reguläre Studioalbum zum Vergleich heran. „Hurra die Welt geht unter“ war – für K.I.Z. Verhältnisse – harmlos und schon fast „zahm“. Mit „Rap über Hass“ geht’s jetzt zurück zu den Wurzeln. Es ist laut, brutal, ehrlich und humorvoll. Textzeilen wie „Ich schreibe jeden Text in mein’m Kopf mit Capslock“ zeigen einfach, dass K.I.Z. mehr sind als die meisten Leute wahrnehmen (wollen), da alles anderen bedeuten würde die Komfortzone zu verlassen. K.I.Z. wollen provozieren und legen bewusst den Finger in die Wunde, die sie oftmals zuvor verursacht haben. Sie sind Meister der Dialektik, der verdrehten Bilder und agieren auf Ebenen, die es nötig machen zwischen den Zeilen zu lesen. Allerdings glaube ich auch, dass es an der ein oder anderen Stelle bei „Rap über Hass“ durchaus noch Luft nach oben geben hätte und dass nicht das volle Potenzial ausgeschöpft wurde.
Tracklist
1. Rap über Hass
2. Ich ficke euch (alle)
3. VIP in der Psychiatrie
4. Unterfickt und geistig behindert
5. Bitte sag’s nicht meiner Freundin
6. 2 Nicos
7. Definition von Glück
8. Ja
9. Mehr als nur ein Fan
10. Filmriss
11. Was ist los feat. Outerspass
Fotocredit: Jens Koch