Der Freitag bei Rock am Ring fühlte sich an wie der klassische Auftakt, für den dieses Festival seit Jahrzehnten bekannt ist.
Die Zeltplätze waren bereits seit Mittwoch geöffnet und auch an diesen beiden Tagen hatten die Besucher bereits sehr wechselhaftes Wetter – doch der Ring ist für viele das Highlight des Jahres und von ein bisschen Regen lässt sich hier niemand den Spaß verderben.
Schon früh war klar: Der erste Festivaltag würde keine Aufwärmphase kennen.
Bereits am Mittag eröffnete Mehnersmoos die Utopia Stage und sorgte für einen der ungewöhnlichsten Startschüsse, die das Festivalgelände in den vergangenen Jahren erlebt hat. So gab es statt einem klassischen Rockband ein Rap Duo aus Frankfurt, der Auftritt erinnerte stellenweise eher an eine große Party als an einen klassischen Hip-Hop-Auftritt. Deshalb funktionieren sie überraschend gut, selbst vor einem Publikum, das sonst überwiegend Rock, Punk oder Metal hört.
Generell präsentierte sich der Freitag als ein komplett voller Festivaltag. Auf allen drei Bühnen lief nahezu ohne Verschnaufpause Programm. Zwischen Utopia Stage, Mandora Stage und Orbit Stage bewegten sich die Besuchermassen ständig hin und her. Wer versuchte, möglichst viele Bands mitzunehmen, sammelte an diesem Tag einige Kilometer.
Gerade die Mischung aus matschigen Wegen, spontanen Regenschauern und tausenden Menschen, die sich davon nicht beeindrucken lassen, erzeugte genau das Bild, das viele mit Rock am Ring verbinden.
Die Utopia Stage füllte sich allerdings mit Blick auf den Headliner des Abends ab dem Nachmittag deutlich.
Musikalisch setzte der Nachmittag bereits einige Ausrufezeichen. Während The Hives auf der Utopia Stage ihre gewohnt chaotische Rock’n’Roll-Show abzogen und das Publikum mit ihrer unerschöpflichen Energie und Songs wie Walk Idiot Walk oder Come on! anheizten, spielte sich zeitgleich auf der Mandora Stage ein ganz anderes Spektakel ab.
The Plot In You lieferten dort eine der intensivsten Performances des Tages ab und zerlegten die Bühne förmlich. Circle Pits, Crowd Surfer und eine durchgehend druckvolle Atmosphäre machten ihren Auftritt besonders und Sie bewiesen eindrucksvoll, warum sie inzwischen zu den spannendsten Vertretern des modernen Metalcore zählen.
Mit Einbruch der Dunkelheit verlagerte sich der Fokus endgültig auf die großen Namen – die Utopia Stage war hier bereits bis weit in den C-Bereich gefüllt. Architects eröffneten den Abend auf der Utopia Stage mit Ihrem Song Elegy und es folgte einer brutale Show, die eindrucksvoll zeigte, was für ein extrem guter Frontmann Sam Carter ist, er kombiniert aggressive Screams mit melodischem Gesang – immer wieder beeindruckend.
Danach übernahmen Papa Roach und verwandelten das Infield in einen großen Moshpit. Kaum eine Band schaffte es so mühelos, mehrere Generationen von Festivalbesuchern gleichzeitig abzuholen. Ihre Songs Blood Brother, …to be Loved und natürlich Last Resort als Finale liefen mit großer Sicherheit bereits seit Mittwoch auf den Zeltplätzen.
Besonders war, dass es ein fast Kinoreifes Intro gab inkl. Helikopter Aufnahmen – hier staunten die Zuschauer nicht schlecht, als plötzlich tatsächlich ein echter Helikopter über das Geländer des Nürburgrings flog. Zum Finale holten Sie noch Rob Damiani von der Band Don Broco auf die Bühne.
In der Umbaupause folgte die nächste Überraschung – mit einem großen Feuerwerk wurden Blink 182 als Headliner für Rock am Ring 2027 vorgestellt.
Der Höhepunkt des Tages folgte schließlich spät am Abend. Linkin Park übernahmen als Headliner die Utopia Stage und lieferten den Moment, auf den viele Besucher monatelang gewartet hatten. Die Band wurde letztes Jahr mit großem Feuerwerk angekündigt & hatten mit Sicherheit großen Anteil am schnellen Ausverkauf des Festivals.
Schon lange vor Showbeginn waren die Bereiche A und B voll und der C Bereich war ebenfalls unfassbar gefüllt – seit dem Comeback von Linkin Park mit Emily Armstrong war die Show am Ring gefordert worden.
Als die ersten Töne erklangen, wurde schnell deutlich, weshalb dieser Auftritt als einer der meist erwarteten Programmpunkte des gesamten Wochenendes galt. Tausende Stimmen sangen jede Zeile mit und verwandelten die Nacht über dem Nürburgring in einen gewaltigen Chor – schließlich war der letzte Rock am Ring Auftritt 12 Jahre her und ein Comeback nach dem Tod von Chester auch nicht garantiert.
Egal ob alte Songs wie Somewhere I Belong, One Step Closer oder neue Songs wie The Emptiness Machine es war einfach beeindruckend was vor der Bühne los war.
Im Vorfeld hatte vor allem die Planung rund um den Freitagabend für Diskussionen gesorgt. Erst wenige Tage vor Festivalbeginn war die Pause der Utopia Stage zur Mandora Stage angepasst worden. Hintergrund war die erwartete Besucherwanderung zu Limp Bizkit.Die ursprünglich vorgesehenen 15 Minuten zwischen Linkin Park und Limp Bizkit wirkten äußerst knapp bemessen.
Mit der Verlängerung auf 30 Minuten entspannte sich die Situation deutlich – auch wenn natürlich wie im Vorfeld erwartet ein großes Wandern zwischen den Bühnen entstand.
Hier zeigte die Band rund um Sänger Fred Durst, dass Sie ebenfalls ohne Probleme auch den Slot auf der Utopia Stage hätten ausfüllen können. Eine extrem starke Setlist und eine Crowed die nach Papa Roach und Linkin Park noch nicht genug hatte.
Doch für viele endete der Freitag damit noch nicht. Während sich ein Teil des Publikums bereits auf den Rückweg zu den Campingplätzen machte, zog es andere zur Orbit Stage. Dort sorgten The Butcher Sisters für den vielleicht wildesten Auftritt dieses Tages.
Bis tief in die Nacht hinein wurde gefeiert. Bis 3:00 Uhr zerlegten Stroppo und Alex die Bühne und machten damit beste Werbung für Ihre große Tour im kommenden Jahr.
Ein Finales TikTok Video am Ende ließ Stroppo sich natürlich nicht nehmen.
So endete ein erster Festivaltag, der vieles bot, was Rock am Ring seit Jahren ausmacht: wechselhaftes Wetter, volle Bühnen, überraschende Highlights und große Momente vor riesiger Kulisse. Der Freitag setzte die Messlatte für das restliche Wochenende jedenfalls bemerkenswert hoch.
Fotocredits: Lara Krämer