Nachdem bereits der erste Tag des OMR Festivals 2026 gezeigt hatte, warum Hamburg für zwei Tage jedes Jahr zum absoluten Zentrum der Medien-, Marketing- und Entertainmentwelt wird, legte der Mittwoch noch einmal ordentlich nach. Die Hallen waren erneut komplett gefüllt, überall bildeten sich lange Schlangen vor Stages, Masterclasses und Meet & Greets – und spätestens heute wurde klar: Das OMR ist längst viel mehr als nur eine „Marketingmesse“.
Natürlich gibt es sie, die Menschen, die von außen sagen: „Dort treffen sich doch einfach nur Leute mit Geld und Visitenkarten.“ Doch wer einmal wirklich vor Ort war, merkt schnell, dass das viel zu kurz gedacht ist. Denn das OMR lebt vor allem vom Austausch. Von Inspiration. Von Menschen, die Ideen haben. Von Menschen, die etwas aufbauen wollen. Und genau deshalb funktioniert dieses Festival so unglaublich gut.
Der zweite Tag begann für uns vergleichsweise früh auf der Blue Stage – und dort wartete direkt einer der wohl ungewöhnlichsten Speaker des gesamten Festivals: Opa Werner. Mit mittlerweile 88 Jahren gilt er inzwischen als ältester TikTok-Star Deutschlands. Was zunächst wie eine verrückte Internetgeschichte klingt, entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zu einem echten Social-Media-Phänomen. Nachdem eines seiner Videos im vergangenen Jahr viral gegangen war, explodierten seine Reichweiten regelrecht. Heute begeistert Werner auf TikTok und anderen Plattformen bereits weit über 500.000 Menschen. Dabei sprach er nicht einfach nur über Klickzahlen oder Reichweite, sondern vor allem darüber, was Erfolg in so einem Alter mit einem Menschen macht. Über Aufmerksamkeit. Über Einsamkeit im Alter. Aber auch darüber, dass Social Media eben nicht nur etwas für junge Menschen sein muss. Gerade Marken könnten laut Werner und seinem Umfeld viel daraus lernen: Authentizität schlägt Perfektion.
Und genau solche Geschichten machen das OMR so spannend. Zwischen internationalen CEOs, Weltstars und großen Konzernen sitzen plötzlich Menschen wie Werner auf einer Bühne – und fesseln das Publikum mindestens genauso sehr wie Hollywood-Stars oder Spitzenpolitiker.
Kurz darauf ging es für uns weiter in eine deutlich kleinere, fast schon intime Masterclass-Runde. Das Thema: „The Next Tom Brady – Finden NFL und DKB in Deutschland den neuen Football-Superstar?“
Mit dabei waren unter anderem Alexander Reimann von der NFL, Mona Stevens als eines der bekanntesten Gesichter des deutschen Flag Footballs, DKB-Stratege Norman Arnold sowie Sebastian Vollmer, den viele bis heute als einen der erfolgreichsten deutschen NFL-Spieler aller Zeiten kennen. Schließlich gewann Vollmer selbst bereits zweimal den Super Bowl.
Spannend war dabei vor allem, wie stark der Fokus auf gesellschaftlicher Entwicklung lag. Es ging weniger um den „nächsten Tom Brady“, sondern vielmehr darum, wie Football – insbesondere Flag Football – immer mehr Menschen zusammenbringt.
Gerade weil Flag Football deutlich kontaktärmer ist, entstehen neue Möglichkeiten: Mädchen und Jungen spielen gemeinsam, Schulen integrieren die Sportart in ihren Unterricht und immer mehr junge Menschen kommen überhaupt erstmals mit American Football in Berührung. Mittlerweile gibt es in Deutschland bereits mehrere hundert Schulen, die Flag Football aktiv anbieten – Tendenz stark steigend. Besonders interessant: Immer konkreter wird die Diskussion rund um die Olympischen Spiele 2028. Dort könnte Flag Football erstmals olympisch werden. Ein Schritt, der die gesamte Sportart noch einmal massiv verändern könnte.
Nach weiteren Talks, Networking-Sessions, Meet-ups, Produktpräsentationen und den obligatorischen Freigetränken in den Messehallen ging es am Nachmittag zurück zur großen Conference Stage. Dort wartete diesmal ein politischer Programmpunkt: Vizekanzler Lars Klingbeil.
Und genau solche Momente zeigen, wie breit das OMR inzwischen aufgestellt ist. Denn zwischen Creator-Talks, KI-Diskussionen und Sportgrößen stehen plötzlich politische Debatten auf dem Programm.
Klingbeil sprach vor allem über Social Media, digitale Verantwortung und den Umgang großer Plattformen mit Bots und Desinformation. Dabei verteufelte er soziale Netzwerke keineswegs grundsätzlich, machte aber klar, dass gerade Unternehmen solcher Plattformen stärker in die Verantwortung genommen werden müssten. Interessant war vor allem die Atmosphäre während des Talks. Trotz vieler kritischer Diskussionen rund um die aktuelle Politik bekam Klingbeil überraschend viel Zuspruch und Applaus aus dem Publikum. Vor Ort wirkte der Vizekanzler deutlich nahbarer und sympathischer, als viele vielleicht erwartet hätten.
Direkt im Anschluss wurde es erneut sportlich. Auf der Bühne stand diesmal Moritz Fürste, mehrfacher Olympiasieger im Hockey und inzwischen erfolgreicher Unternehmer. Mit seinem Projekt Hyrox verfolgt er ein Konzept, das klassische Laufevents neu denken soll.
Fürste erklärte offen, dass er nie verstanden habe, warum Menschen automatisch sagen würden, sie „machen Sport“, nur weil sie regelmäßig ins Fitnessstudio gehen. Genau daraus entstand die Idee hinter Hyrox: Bewegung, Herausforderungen, Community und echte Erlebnisse miteinander zu verbinden.
Die Events erinnern teilweise an Formate wie Mammutmarsch oder hybride Fitness-Challenges – allerdings mit einem deutlich stärkeren Fokus auf gemeinschaftliche Erlebnisse und wechselnde sportliche Belastungen. Mittlerweile finden weltweit bereits über 150 Veranstaltungen pro Jahr statt.
Doch dann wartete für viele Besucher noch das große Finale des diesjährigen OMR Festivals. Tom Brady betrat die Conference Stage. Sieben Super-Bowl-Titel. Einer der größten Sportler aller Zeiten. Und da stand er mitten in Hamburg auf einer Bühne und sprach über Sport, Markenbildung, Erfolg, Druck und die NFL als globale Marke. Natürlich ging es um seine Karriere. Um Siege. Um Niederlagen. Aber eben auch darum, wie Sport heute längst zu einem internationalen Entertainment-Produkt geworden ist. Brady sprach erstaunlich offen darüber, wie sich seine eigene Wahrnehmung über die Jahre verändert hat und welchen Einfluss die NFL inzwischen weltweit besitzt.
Es war einer dieser typischen OMR-Momente: Menschen aus völlig unterschiedlichen Branchen sitzen nebeneinander und hören gemeinsam einem der größten Athleten aller Zeiten zu!
Zum Abschluss machten wir noch einen kurzen Abstecher zur Blue Stage. Dort sprach Bill Kaulitz von Tokio Hotel über Markenwirkung, Außendarstellung und darüber, wie man sich und sein Produkt richtig präsentiert. Und genau darin ist Bill Kaulitz seit Jahren absoluter Profi. (Podcast, Netflixserie, Band, eigene Produkte und vieles mehr) Kaum jemand aus der deutschen Musiklandschaft versteht es so gut, Aufmerksamkeit, Wiedererkennungswert und Persönlichkeit miteinander zu verbinden.
Und am Ende bleibt vor allem eine Erkenntnis:
Das OMR ist nicht einfach nur ein Treffpunkt für Unternehmen oder Menschen mit Reichweite. Es ist ein Ort, an dem Ideen entstehen. An dem Menschen voneinander lernen. An dem Kontakte geknüpft werden, die vielleicht Jahre später wichtig werden. Hier treffen Welten aufeinander, die normalerweise nie miteinander reden würden: Politik, Sport, Musik, Medien, Start-ups, Creator und globale Konzerne. Genau deshalb funktioniert dieses Festival. Und genau deshalb sollte man das OMR mindestens einmal erlebt haben.
Fotocredit: Offizielle Grafik