Wenn Kool Savas die Bühne betritt, ist eines garantiert: Deutschrap in seiner pursten Form. Im Rahmen seiner aktuellen „50 Jahre Arena Tour“ machte der selbsternannte „King of Rap“ Halt in der Hansestadt und verwandele die Sporthalle in einen brodelnden Hexenkessel aus Beats, Punchlines und kompromissloser Live-Energie. Seit Jahrzehnten prägt Savas die Szene wie kaum ein anderer – als lyrischer Maßstab, als Live-Performer und als eine der einflussreichsten Stimmen im deutschen Hip-Hop. Nach einer in kürzester Zeit ausverkauften Jubiläumsshow in Berlin entschied sich Savas, diese besondere Phase seiner Karriere mit ausgewählten Arena-Terminen fortzusetzen. Nach Stuttgart und Köln wurde nun auch Hamburg von dem Hiphop-Urgestein auf seiner 30-jährigen Reise durch seine Diskografie auseinander genommen.
Die restlos ausverkaufte Sporthalle war von der ersten Sekunde an elektrisiert. Bereits die vorangegangenen Shows in Stuttgart und Köln hatten, insbesondere im Hinblick auf mögliche Featuregäste, hohe Erwartungen geschürt. Doch bevor Savas selbst das Zepter übernahm, gehörte die Bühne für die ersten 15 Minuten zunächst Yako Ok, der als Support für den King of Rap assistierte. Kompakt und knackig präsentierte er sein neues Mixtape „Und dann kam Yako„, welches in zwei Wochen erscheinen wird, auf welchem er zu den besten Kool Savas– Beats rappt. Der Einstieg ins Main Set erfolgte mit einem Knall: „Step an Mic“ fungierte, wie auf dem letzten Album „Lan Juks“ auch, als kraftvoller Opener, der zweifellos die Energie für den restlichen Abend setzte. Gleichzeitig schlug Savas damit eine Brücke zwischen seiner Vergangenheit und Gegenwart, welches immer wieder als zentraler Dreh- und Angelpunkt der Arena Tour aufgegriffen wurde. Schließlich wurde damit die Mammutaufgabe abgearbeitet, über 30 Jahre Karriere zu reflektieren, ohne dabei zu stagnieren.
Mit dieser Perspektive auf die Zeit formten Songs der letzten beiden Alben, „Aghori“ und „Lan Juks„, den Einstieg in die zweieinhalbstündige Liveshow. Mit der Setlist schaffte es der 51-jährige clever seine Geschichte in einem roten Faden einzufangen und durch den Abend leiten zu lassen. Somit konnte er auch immer wieder persönliche Einblicke geben, wie etwa die Geschichte seines Umzugs von Aachen nach Berlin mit elf Jahren, was dem Set eine zusätzliche Tiefe verlieh. Mit dem Track „Berlin“ und die darauffolgenden Performance von M.O.R. gaben Hamburg die Gelegenheit die Hauptstadt abzufeiern. Für den visuellen Kniff sorgte zudem das Bühnenbild bestehend aus mehreren Mauerelementen mit Graffiti. Wenn man dabei an die Berliner Mauer dachte, war die Storyline um die Rap-Heimat perfekt.
Dass die knapp 7000 Menschen richtig Bock auf den Abend hatten, war seit der ersten Sekunde nicht abzustreiten. Spätestens bei „Alle schieben Optik“ erreichte die Stimmung zum ersten Mal einen Höhepunkt. Die Crowd war voll da, rappte jede Zeile mit und ließ die Halle beben. Im weiteren Verlauf jagte dann ein Highlight das nächste. Mit „Limit“ holte er sich Unterstützung von Alex Prince. Tracks wie „Dicka Was“ und „Essah ist zurück“ machten deutlich, dass sowohl Savas‚ als auch die Energie vom Publikum ungebrochen blieb. Er verausgabte sich sichtlicht und fackelte Schlag auf Schlag ein Feuerwerk ab. Sogar die T-Shirtkanone feuerte aus den Vollen und schlug neben dem Hallendach auch auf der anderen Seite der Halle in die Crowd wie eine Rakete ein. Mit Raketentempo ging es für Savas durch die Setliste, der das konstant hohe Tempo ohne Pausen konsequent durchzog. Dadurch wirkte es allerdings teilweise etwas gehetzt und hektisch. Da hatte der DJ wohl manchmal den Finger etwas zu schnell auf dem Play-Button. Immerhin blieb ein spontaner Moment für einen kleinen Jungen, der kurzerhand über den ersten Wellenbrecher für ein Foto mit seinem Idol gehoben wurde. Da passte der darauffolgende Song „Was du nicht siehst“ mit seinem Sohn Steik wunderbar zu der vorherigen charmanten Geste.
Steik sollte nicht der letzte Featuregast sein, denn auch wie in den anderen beiden Städten, wartete Kool Savas mit einer prominenten Gästeliste auf. Neben den Berliner Originalen von M.O.R. sorgten unter anderem Dendemann, Gzuz und Jan Delay für nostalgische Vibes und eine exklusive Überraschung. Kaas, Vega, Takt32, Badmómzjay und Eko Fresh unterstützen Kool Savas mit ihren Featureparts und wurden lautstark von der Halle getragen. Songs, die Savas alleine performte,, wie etwa „Tribut“ oder „Mona Lisa„, standen der Ekstase in keinem Fall nach und schürten im Gegenteil eher noch größere Begeisterung seitens des Publikums. Nichtsdestotrotz versammelten die Remixe von „Immer wenn ich rhyme“ noch einmal viele weitere Künstlerinnen und Künstler auf der Bühne. Mit zwölf zusätzlichen Artists auf der Bühne kamen regelrechte Hiphop-Festivalvibes auf. Damit war die Stimmung perfekt und Hamburg City bereit alles zu geben.
Mit Badmómzjay und den Tracks „Airplanes„, „Deine Mutter„, „Nur die Nacht„, „AMG“ und „Aura„, die allesamt mehr Gesangsspuren lieferten, beendete Kool Savas den offiziellen Teil. Im Encore legte der Rapper schließlich noch einmal nach: Mit Eko Fresh, der die ganze Arenatour begleitet, setzte er noch einmal starke Schlussakzente, bevor er sich mit „Und dann kam Essah“ stark verabschiedete. Dazu versammelten sich noch einmal alle Gäste auf der Bühne und würdigten den Hiphoper und seine beispiellose Karriere. Damit wurde ein schlagkräftiges Finale geschaffen, das eindrucksvoll unterstrich, warum Kool Savas seit Jahrzehnten als King of Rap gehandelt wird. Am Ende blieb vor allem die spürbare Leidenschaft für Hiphop hängen, mit der jede einzelne Sekunde der Show gestaltet wurde. Durch das eingebrachte Herzblut und den Fakt, dass Savas die ganze Zeit am Bühnenrand nah zu seinen Fans agierte, wirkte alles wahnsinnig authentisch. Hinzu kam eine gewohnt hohe Qualität des Raps, die selbst durch die schwierige Akustik der Sporthalle nicht allzu sehr beeinträchtigt wurde. Wenngleich mehr als 15 Featuregäste ihre eigene Energie einbrachten, blieben andere große Stars wie Sido, Lakmann oder K.I.Z. am Samstagabend der Bühne fern, was manch einen Fan eher traurig stimmte. Dazu bestand insgesamt bei der fantastischen Show, die Kool Savas ablieferte, allerdings absolut kein Grund.
Fotocredit: Murat Aslan