Das Kölner E-Werk verwandelte sich am Herbstabend des 16.10.2026 in eine pulsierende Kathedrale moderner Härte, als die Metalcore-Giganten The Devil Wears Prada im Rahmen ihrer mit Spannung erwarteten „Flowers“-Tour Station machten. Der fast ausverkaufte Saal brodelte bereits weit vor Einlass vor spürbarer Vorfreude, als die Fans pünktlich ab 18 Uhr in die Halle strömten, um sich Merch zu sichern, erste Kaltgetränke zu genießen und die besten Plätze nah an der Bühne zu erobern. Begleitet von einem gigantischen Support-Paket versprach dieser Abend ein echtes Fest für alle Fans gitarrenlastiger Musik zu werden. Das Konzert sollte diese hohen Erwartungen nicht nur erfüllen, sondern auf spektakuläre Weise übertreffen.
Oversize: Shoegaze-Magie und Grungegaze-Revival aus Großbritannien
Pünktlich um 18:45 Uhr verdunkelte sich das E-Werk zum ersten Mal und die britische Formation Oversize betrat unter großem Jubel die Bühne. Im dichten Nebel entfaltete die Truppe rund um Frontmann Nick Nowak sofort eine immersive, mystische Klangwelt. Gleich mit dem ersten Track verwandelte die Band das E-Werk in eine Alternative-Metal-Hochburg, die das gebannt zuschauende Publikum umgehend zum Headbangen animierte. Es folgte das ansteckende „Are You With Me?“, das unter lila Lichtakzenten mit seiner eingängigen Art sofort gezündet hat und mit donnerndem Applaus belohnt wurde, nachdem sich die Band dankbar für das frühe Erscheinen der Fans zeigte. Bei „Fall Apart“ heizten harte Gitarrenriffs und ein treibendes Schlagzeug dem Saal weiter ein, ehe die Band mit „Something Clean“ den emotionalen Höhepunkt ihres Sets kreierte. Auf Aufforderung erstrahlte das E-Werk erstmals in einem funkelnden Lichtermeer aus Handytaschenlampen, während der Gitarrist phasenweise im Liegen spielte und passionierte Spielfreude versprühte. Das atmosphärische „Salt“ lud zum kompletten Fallenlassen in den verwaschenen Shoegaze- und Emo-Klangwelten ein, bevor der neueste Song „Separate“ mit treibendem Instrumental und markanten Vocals inklusive harter Shouts für Begeisterungsstürme sorgte. Zum Finale mit „Daretomove“ geriet das Publikum endgültig in Bewegung, als die ersten Crowdsurfer über die Menge schwebten. Nach einer halben Stunde verabschiedeten sich Oversize unter tosendem Jubel – eine Band, die man definitiv auf dem Schirm behalten muss.
156/Silence: Brachiale Naturgewalt aus Pittsburgh
Um 19:35 Uhr übernahm das US-Quartett 156/Silence das Kommando und schickte eine Welle schierer Härte durch das mittlerweile fast vollständig besetzte E-Werk. Eingeleitet von einem extrem spannungsgeladenen Intro starteten die US-Amerikaner mit dem kurzen, aber unfassbar wuchtigen „Control Burns“, was sofort den ersten Moshpit des Abends auslöste und Crowdsurfer in Richtung Bühne beförderte. Bei „No Arms“ sprang Frontmann Jack Murray über die gesamte Bühne und verwandelte den Saal in einen Hexenkessel aus harten Riffs, messerscharfen Shouts und treibenden Drums. Die Stimmung kochte bei „Swept From Under (Call of the Void)“ weiter über, wo mühelos zwischen gefühlvollem Gesang und brachialen Shouts gewechselt wurde. Mit „Collateral“ folgte eine heftige Breitseite aus aggressiven Riffs und hämmernden Drums, die das Publikum zu Two-Steps anregte und den Moshpit in einen rasanten Circlepit verwandelte. Während „Product Placement“ schwebten unzählige Crowdsurfer gen Bühne, wodurch die Security-Crew voll gefordert wurde, während die Band einen gewaltigen Breakdown ablieferte. Der größte Hit „Better Written Villain“ läutete eine gigantische Wall of Death ein, die die Halle komplett auf links drehte und die Grundfesten erzittern ließ. Mit dem furiosen „Character Development (Cold Start)“ bündelte die Gruppe noch einmal alle Kraftreserven: Harsche Growls brachten die Wände zum Beben, bevor sich 156/Silence nach diesem brachialen Abriss unter langanhaltendem Beifall verabschiedete.
In der anschließenden Umbaupause brach spontan Partystimmung aus, als das Publikum zu den eingespielten Playlist-Hits lautstark mitsang und sogar zu Avril Lavigne gepflegt gecrowdsurft wurde.
Novelists: Französische Eleganz trifft auf Djent-Gewalten
Pünktlich um 20:25 Uhr eroberten Novelists unter flackerndem Strobo-Licht und vor einem dicht gefüllten E-Werk die Bühne. Das Set begann extrem atmosphärisch mit „All For Nothing“, bei dem die charismatische Sängerin Camille Contreras zunächst alleine im Scheinwerferlicht stand und das Publikum mit atemberaubend schönen Vocals, mühelos getroffenen hohen Tönen und energetischen Shouts fesselte, gekrönt von einem packenden Gitarrensolo. Weiter ging es mit dem dramatischen „Prisoner“, bei dem die Band mit Dauergrinsen über die Bühne wirbelte und einen bebenden Breakdown ablieferte. Das ruhigere „In Heaven“ tauchte den Saal erneut in ein magisches Lichtermeer und überraschte gegen Ende mit einer mitreißenden Rock-Wendung. Mit der Gitarre in der Hand performte die Frontfrau anschließend das hymnische „Say My Name“ sowie das dramatische „Mourning The Drawn“, bei dem sie erneut mit unglaublicher Gesangsvielfalt und satten Screams glänzte. Das extrem harte „CRC“ sorgte mit messerscharfen Screams und einem riesigen Moshpit beim Breakdown für kochende Emotionen. Direkt bei der Ankündigung des neuen Tracks „Ravage“ brach Jubel aus, der fließend in Bewegung und Crowdsurfing überging, gefolgt vom mitreißenden „Coda“, bei dem das ganze E-Werk im Takt hüpfte. Den krönenden Abschluss bildete „Turn It Up (Keyboard Warriors Social Club)“, dessen harte Riffs und prägnante Shouts ein bestens aufgewärmtes Publikum hinterließen.
The Devil Wears Prada: Die Metalcore-Veteranen in absoluter Höchstform
Um 21:30 Uhr folgte schließlich der lang ersehnte Höhepunkt: Ein atmosphärisches Intro mit visuellen Effekten auf der kreisrunden Leinwand im hinteren Bühnenbereich baute eine greifbare Spannung auf, bevor The Devil Wears Prada unter frenetischem Jubel die Bühne betraten. Direkt beim furiosen Opener „Where The Flowers Never Grow“ explodierte die Stimmung: CO2-Kanonen schossen weiße Rauchsäulen in die Luft, ein riesiger Moshpit tat sich auf und pausenlos schwebten Crowdsurfer nach vorne, während der eingängige Song alle ansteckte und in einen massiven Breakdown mündete. Bei „So Low“ sorgten dichter Nebel und stimmige Visuals auf der Leinwand für optische Highlights, während Mike Hranica und Jeremy DePoyster um ihr Leben sangen und Mike wie ein Wirbelwind über die Bühne fegte, um die im Takt mitklatschende und mitsingende Menge anzuheizen. Der Klassiker „Danger: Wildman“ stürzte den Saal mit enormer Spielfreude in pures Chaos, direkt gefolgt von „Watchtower“, bei dem ein gewaltiger Circlepit aufging und Mike Hranicas leidenschaftliche, messerscharfe Shouts die Wände erzittern ließen.
Absolute Gänsehaut-Atmosphäre herrschte bei der Hymne „Salt“, die vom extrem textsicheren Publikum lauthals mitgesungen wurde, während wunderschöne Visuals vom Cover des Albums „Color Decay“ und endlose Crowdsurfer die Szene prägten. Nach Aufforderung der Band folgte bei „Broken“ eine schier endlose Welle an Crowdsurfern und ein extrem intensiver Moshpit. Mit „Everybody Knows“ feierte einer der größten Hits des neuen „Flowers“-Albums Premiere in Köln, bei dem Mike und Jeremy gemeinsam mit der Band zur Gitarre griffen und das Publikum so ohrenbetäubend laut mitsang, dass man meinen konnte, das Dach des E-Werks würde abheben. Der darauffolgende Klassiker „Outnumbered“ ließ Köln im mystischen grünen Licht erstrahlen, während Mike Hranica wie ein Tornado über die Bühne stürmte und die Co2-Kanonen erneut Rauchwolken in die Höhe schossen. Brachial ging es mit „Dogs Can Grow Beards All Over“ aus dem Jahr 2006 weiter: Schnelle Drums und ein gigantischer Breakdown stürzten die Halle ins Chaos, gekrönt von Keyboarder Jonathan Gering, der mitten im Song zur allgemeinen Belustigung Liegestütze ablieferte.
Nach einem langen Intro für den neuen Song „Ritual“ und dessen rasanten Circlepit-Two-Step-Einlagen folgte mit „When You’re Gone“ ein tief emotionaler Moment, den The Devil Wears Prada allen gewidmet hat, die wir vermissen – begleitet von kollektivem Headbanging und bester Laune. Passend dazu verkündete Jeremy DePoyster in einer sympathischen Ansage, dass dies die größte und lauteste Show der gesamten Tour war. Dieses Lob entlud sich unmittelbar bei „For You“, das in atmosphärisches pinkes Licht gehüllt und von Mike im Vollsprint über die Bühne zu einem der absoluten emotionalen und gesanglichen Live-Highlights avancierte. Der rein instrumentale Track „Kansas“ bewies danach das pure musikalische Können von The Devil Wears Prada, bevor „Dez Moines“ (2009) den Moshpit explodieren ließ. Den ultimativen emotionalen Höhepunkt markierte „Chemical“: Die Konzerthalle verwandelte sich in ein funkelndes Lichtermeer, Fans lagen sich in den Armen und sangen die Zeilen im großen Kreis gemeinsam lautstark mit. Den regulären Schlusspunkt setzte „Sacrifice“ mit einer riesigen Metalcore-Party und dem größten Moshpit des Abends, untermalt von den letzten Co2-Rauchsäulen.
Nach lautstarken Zugaberufen kehrte die Band zurück und feierte mit der leicht ironischen Zugabe „Play The Old Shit“ einen extrem harten Moshpit-Abriss, bei dem Jeremys Klargesang und Mikes Shouts perfekt harmonierten. Den endgültigen Schlusspunkt setzte nach rund 90 Minuten „Hey John, What’s Your Name Again?“, bei dem die Band letzte Kraftreserven bündelte und Mike Hranica mit weltklassigen Screams das E-Werk ein letztes Mal zum Beben brachte.
Fazit
Dieser Abend im Kölner E-Werk war ein rundum perfektes Live-Spektakel. Oversize faszinierten mit atmosphärischem Shoegaze-Flair, 156/Silence rissen die Halle mit kompromissloser Underground-Härte ab und Novelists glänzten durch technische Djent-Präzision. Den krönenden Höhepunkt lieferten The Devil Wears Prada, die mit brachialer Energie und emotionaler Tiefe eindrucksvoll unter Beweis stellten, warum sie die unangefochtenen Giganten des Genres sind. Ein mitreißender Konzertabend, der beim Verlassen der Halle ausnahmslos in strahlende Gesichter blicken ließ! Absolute Empfehlung!
Fotocredit: Offizielle Tourgrafik