Wenn ein Festival ausschließlich FLINTA-Acts bucht und dafür einen Rekordverkauf einfährt, ist das kein Zufall, sondern eine Ansage. Genau das gelang dem Golden Leaves Festival 2026 am Steinbrücker Teich in Darmstadt: Nie zuvor wurden so viele Tickets verkauft – und wer übers Wochenende dort war, verstand sofort, warum.

Schon beim ersten Rundgang über das Gelände wurde klar, wie viel Liebe in Details gesteckt wurde. Selbstgebastelte Deko-Elemente hingen in den Bäumen, verzierten die Wege und im Gras luden großzügige Sitz- und Liegeflächen zum Verweilen ein. Auffällig viele Familien mit Kindern jeden Alters mischten sich unters Publikum, kein Wunder, wenn die Kindertickets für Kinder bis 9 Jahre schon ab 7€ zu bekommen waren und Kinder von 9-13 ebenfalls einen rabattierten Preis bezahlten.
Drei Bühnen teilten sich das Programm: die kleine Lagerfeuer-Bühne, die parallel zur mittleren Merck Stage bespielt wurde, sowie die große dlf nova Mainstage, die eigenständig lief. An allen dreien sorgten bunte Licht- und Kunstinstallationen für zusätzliche Atmosphäre. Über dem gesamten Wochenende lag spürbar eine respektvolle, fast familiäre Stimmung, sowohl auf als auch vor den Bühnen.
Der Samstag begann mit einem kräftigen Regenschauer zur Eröffnung des Geländes, ehe sich die Sonne rechtzeitig zu den ersten Bands wieder zeigte. Das durchweg gefeierte FLINTA-Booking bekam direkt seinen ersten Auftritt: Emma Rose eröffnete auf Deutsch auf der Merck Stage, tuvaband auf Englisch auf der Lagefeuerbühne, beide mit Singer-Songwriter-Pop. Vor der kleinen Bühne entstand tatsächlich echte Lagerfeuer-Stimmung, das Publikum rückte zusammen, die Lichtinstallationen taten ihr Übriges. Auf der Mainstage übernahm kurz darauf Heidi Curtis mit ihrem witchy Indie-Pop mit Country-Einflüssen, das Publikum tanzte von der ersten Minute an. Paula Engels legte nach, elektronisch angehauchte Popmusik mit emotionaler Grundstimmung und so viel Energie, dass zum Ende sogar ein Moshpit entstand, während Ellur parallel mit Singer-Songwriter-Klängen die Lagerfeuer-Bühne bespielte.
Schon vor dem ersten Ton war die treue Fanbase von Nxdia an den Gothic-Looks in der ersten Reihe zu erkennen, das Set startete dann mit der wohl einzigen Heavy-Gitarre des ganzen Wochenendes. Beim ersten Song forderte they das Publikum auf, lautstark zu buhen, „cause it’s fun“, und zog das Set mit rotziger Punk-Attitüde und kraftvollen Songs konsequent durch. Ganz anders, aber nicht weniger fesselnd, präsentierte sich Uche Yara: Im Solo-Set baute sie sich ihre Song nach und nach auf, mit ihrer markanten tiefen Stimme, dazu elektronische Klangwelten und Einflüsse aus afrikanischen Kulturen mit Trommeln, Tanz und Outfit. Ihr Debütalbum „BODYSCANNER“ erscheint erst im September, weshalb sie exklusive, noch nie live gespielte Songs präsentierte, ein echtes Privileg fürs Publikum am Teich.

Der Nachmittag machte weiter Tempo: Luvcat servierte verträumten Folk-Pop wie aus einem alten Western, Mel D brachte mit melodischem, tanzbarem Gitarrenpop das Publikum endgültig in Bewegung, und Mine bewies mit ihrem Set, dass politische Botschaften und Apokalypse-Vibes in Text und Melodie auch beim Golden Leaves Festival Platz finden. Extra aus Toronto angereist, überzeugte Austra mit atmosphärischer elektronischer Musik, getragen von Schlagzeug und Bass und einer Stimme, die stark an Florence Welch erinnerte, unterstrichen von einer starken Lichtshow. Arxx zog das Publikum mit sympathischer Art und ihrem flotten Alternative-Rock sofort auf ihre Seite, während Noga Erez mit neuen Songs im Gepäck und ihrer typisch krassen Ausstrahlung die Menge in der kühlen Nacht noch einmal aufheizte. Den Schlusspunkt setzten HVOB, die zum letzten Tanz des Abends baten und einen rundum gelungenen ersten Festivaltag abschlossen.

Der Sonntag zeigte sich von Anfang an sonnig und spürbar entspannter, das Tempo ging etwas raus, die Bühnen gehörten den Singer-Songwriterinnen. Ão (gesprochen wie miau ohne m) eröffnete die Mainstage mit lateinamerikanisch geprägter Musik und zeremoniellen Tänzen unter einer weißen Fellmaske, die an einen Wolf erinnerte, während Girl in the Year Above mit Country-, Folk- und Rock’n’Roll-Einflüssen einen astreinen “american” Sound und eine beeindruckende Stimme am Mikrofon mitbrachten. Bei Dani Lia fehlte diesmal zwar die Unterstützung von Yola. Bei „Auf den Sack“ holte sie dafür Fans aus der ersten Reihe auf die Bühne, die den Song gemeinsam mit ihr sangen, ein Beweis für die junge, hingebungsvolle Fanbase. Soft Loft aus der Schweiz passte mit dreamy Pop perfekt in die Mittagssonne, ideal, um in der Wiese zu liegen und der Musik zu lauschen und vor sich hinträumen, ein Zustand, den Magda in Begleitung von Klavier und Cello geschickt weiterführte.

Am Nachmittag brachte Poliça tanzbare Wave-Musik mit Post-Elementen und düsteren Synthies auf die Bühne, Art School Girlfriend baute ihre Beats live auf und spielte nebenbei noch alle Instrumenten selbst und so entstand eine beachtliche Atmosphäre. Zu den Höhepunkten des Tages zählte zweifellos Kat Frankie Bodies: Gemeinsam mit sechs weiteren Frauen erzeugte Kat Frankie sämtliche Töne allein aus den eigenen Körpern, perfekt aufeinander abgestimmt erschufen sie so eine unglaublich dichte Atmosphäre, das Publikum hatten sie fest in ihren Bann gezogen. Holly Humberstone überzeugte mit kraftvoller Stimme, Gitarre, intimen Geschichten und einigen unveröffentlichten Songs, begleitet von einer auffällig dunklen Lichtshow, ehe Agnes Obel das Wochenende mit einem Mix aus DJ-Set und klassischer Musik ruhig ausklingen ließ. Für sie wurde die Bühne extra umgebaut, es gab auf einmal einen Video Backdrop und Lichtspielen passend zu ihren mal starken, mal angespannten Klangwelten.
Zwei Tage, drei Bühnen, ein durchweg von Frauen und queeren Acts geprägtes Line-up, und eine Atmosphäre, die genau das einlöste, was das liebevoll gestaltete Gelände am Steinbrücker Teich versprach: Das Golden Leaves Festival 2026 bewies, dass ein konsequentes FLINTA-Booking nicht nur ein Statement ist, sondern auch einfach verdammt gute Konzerte macht.
Text & Fotos: Laura Keimel & Telja Riechel