Man nehme eine Idee, viel Herzblut, eine Wiese im Park, viele Freunde und helfende Hände und eine Bühne. Die Geschichte vom Match Börner Open Air kurz in einem Satz zusammengefasst.
Die Geschichte begann 2020, sodass das Festival in diesem Jahr schon zum fünften mal stattfand und sich ca. 3.200 Leute im Norderstedter Stadtpark trafen um zu feiern und bei fast 30 Grad das Tanzbein zu schwingen.
Den Opener machte Tyna. Die Indie Punk Band aus Hamburg lässt auch Pop und NDW in die Songs einfließen. 2013 von der Sängerin Tina als drei Personen Band gegründet, spielt die heutige Besetzung (Gesang, Bass, Gitarre, Schlagzeug) seit 2022 zusammen. Die Songs sprechen Themen wie Sexismus, Rassismus und Gesundheit an – alles super wichtige Dinge! Für den Start des Festivals waren schon erstaunlich viele Leute vor der Bühne, so dass der Auftritt gebührend gefeiert wurde. Nebenbei erwähnt, Tina war eine von zwei Frontfrauen des gesamten Festivals.
Es fing an mit treibenden Drums und nach wenigen Takten kam der Rest der Band auf die Bühne und es ging gleich punkmäßig ab. Der Sänger von 100 Kilo Herz wandte sich sofort der Menge zu und es wurde sogleich los gegrölt und geklatscht. Es sollte aber nicht bei dem „astreinen“ Punk bleiben. Ab dem zweiten Song kamen Bläser dazu was den Rest des Konzertes einen leichten Skacharakter verlieh. Die Texte deutsch, die Ansagen meist mit politscher Aussage, ein würdiger Gig für den frühen Festivaltag.
Der Gig der Blackout Problems begann mit dem Satz: „Wir sind hier heute die Paradiesvögel, aber wir haben voll Bock auf euch.“ Die Aussage war nicht ganz von der Hand zu weisen, ist die Band doch eher im Alternative Segment zu Hause, jedoch dauerte es nur wenige Minuten bis der Funke übersprang. Bassist Marcus und Gitarrist Moritz nutzen die Größe der Bühne zu 100% aus und sprühten vor Energie. Mario, der Sänger, nutze nicht nur die Bühne, sondern auch fast das ganze Vorfeld und den Mixerturm und das in allen Dimensionen – sein es die Bühnentraversen oder in mitten eines Circle Pits auf einem Flightcase. Absolut nicht enttäuschend dieser Auftritt. Ich hatte mich schon im Vorwege auf die Blackout Problems gefreut und sie haben mal wieder nicht enttäuscht.
Als Headliner des ersten Tages standen ZSK aus Berlin auf der Bühne im Stadtpark Norderstedt. Also wieder Punk ohne Punkt und Komma. Coole Aktion von den Organisationen Dein Topf und Kein Bock auf Nazis – jeweils ein Vertreter dieser Vereine begab sich während eines Songs auf die Reise übers Publikum und zwar in einem Boot. Die Band forderte dazu auf Pfandbecher in dieses Boot zu werden und mit dem Becherpfand so die Arbeit der Vereine zu unterstützen. Alle haben mitgezogen und das Boot war an Ende richtig voll!
Die Haus und Hofband des MBOA Edelg!ft, seit Anbeginn, also zum fünften mal dabei, eröffneten am zweiten Tag das Festival. Von Pia, der Moderatorin, als „Local Hero“ angekündigt, denn die Band kommt aus Norderstedt/Langenhorn und hat sich sogar im Match, der Kneipe der Veranstalter, zusammengefunden. Die Band sang wieder auf Deutsch, wie fast alle der bisherigen Bands, und untermalte diese mit gradlinigem Rock – wobei auch die ein oder andere Ballade nicht fehlte. Als Opener steht die Band vor einer nicht so zahlreich erschienenen Menge, aber die Leute, die da waren, wurden von Anfang an mitgenommen und belohnte die Band mit gehörigem Applaus.
Als nächste Band im Programm überrascht mich Butterwegge mit Ska der schnelleren Gangart. Nachdem das Set mit einem Fun Punk Ska Song namens Bier & Pommes startete, wurde danach schnell die Antifa Stimmung der Band deutlich. Die Message ist eingepackt in tanzbare Musik und es war, trotz der Temperaturen, ständig Bewegung auf der Bühne. Das Infield hatte sich mittlerweile auch gefüllt und die Stimmung stieg stätig. Ein mitreisendes Set.
Die Richtung des Festivals ist klar: Punkrock mit deutschen Texten at its best!
Trotz mittlerweile 28 Grad wurde vor der Bühne gepogt was das Zeug hielt, was bedeutet die nächste Band im Programm, namens Elfmorgen riss die Leute mit. Bei ihrem Hit Oberlippenbart wurde dann auch nicht nur getanzt sondern auch lautstark mitgesungen, sogar noch nach Ende des Songs.. das sind für mich dann die besonderen Live Momente!
Rantanplan zelebrierte den Ska mit zwei Bläsern, wobei auch die Rockgitarre nicht zu kurz kommt. Das Infield war voll, trotz praller Sonne ließen es sich die Leute nicht nehmen dem Rhythmus zu folgen und zu tanzen was das Zeug hielt (Respekt). Auch seitens der Band war die Energie spürbar – das Set fügte sich nahtlos in den Nachmittag ein und passte perfekt.
Zuerst nur ein wenig, aber allmählich zeigte sich immer mehr Schatten vor der Bühne, so das auch das Pogen erträglicher wurde. Nun gab es keinen Ska zu hören und auch nicht mehr ganz so viel Punk, sondern volle Breitseite Rock: Adam Angst war an der Reihe. Die Texte blieben, wie bei ihren Vorgängern, weiterhin kritisch und neben den harten Gitarrenriffs kam auch manchmal ein Klavier zum Tragen. Die Ballade wurde dann ausschließlich vom Klavier begleitet – hach was war das für ein schöner, ruhiger und etwas emotionaler Moment.
Die Band, die dann auf dem Plan stand, supportet schon die Toten Hosen und die Beatsteaks und hat sich dem Pop-Punk verschrieben: Schmutzki. Die Anmoderation von Pia war hier eine besondere. Sie wollte das Publikum mal ein bisschen näher kennenlernen und sagte die Band aus dem Infield an. Sie startete einen Circle Pit und als dann die Band auf die Bühne kam, lief sie ein paar Runden mit – coole Nummer. Schmutzki textet auf deutsch und verarbeitet alltägliche Probleme oder Situationen in ihren Songs. Vor allem Sänger Beat berichtete dann auch ausführlich über die Entstehung oder Bedeutung der Lieder – das ist immer total interessant und macht Konzerte besonders. Ein Highlight für mich war ein Song, der in der Menge gespielt wurde. Beat am Gesang und sich selbst mit der Gitarre begleitend – einfach schön.
Royal Republic, der Headliner! Die Band aus Schweden, die es mittlerweile schon fast 20 Jahre gibt, haben sich dem Rock verschworen. Im Gegensatz zu den vorherigen Bands, war die professionelle Show ein wichtiger Aspekt des Auftritts, was Frontmann Adam auch perfekt zelebrierte. Energie pur von der ersten bis zur letzten Minute mit abgestimmter Lichtshow, die zur vorgerückten Stunde natürlich auch richtig zur Geltung kam. Als Zugabe wurde noch ein Trinklied in deutsch (!) zum Besten gegeben. Ein gelungener Abschluss des zweitägigen Festivals.
Tickets für das nächste Jahr sind bereits hier verfügbar. Der Stadtpark Norderstedt wird vom 09.-10.07.2027 wieder zum Zuhause für Punkrock Fans.
Text: Manfred Lippke
Fotos: Benjamin Ebrecht