Alex Henry Foster meldet sich mit einem Song zurück, der weniger wie eine Single wirkt und mehr wie ein offener Riss im Zeitgefühl. „Springtime“, Vorbote des kommenden Albums „The Fragile Beauty (Of New Morning Hopes)“, greift Gedanken des palästinensischen Dichters Mahmoud Darwish auf, der den Frühling als Kampfzone zwischen innerer Sehnsucht und kollektiver Wiedergeburt beschrieben hat. Foster übersetzt diesen Konflikt in eine Art spirituellen Schwellenzustand: der Moment, in dem man verzweifelt nach ersten Lebenszeichen sucht, obwohl der Tod sich wie eine Folie über alles gelegt hat – und in dem klar wird, dass Aufbruch nur möglich ist, wenn man bereit ist loszulassen und sich von genau diesem Kern verändern zu lassen.
Entstanden ist „Springtime“ in einer Phase, die Foster selbst als kathartisch beschreibt: tiefe emotionale Turbulenzen, das Gefühl, entweder in einen unkontrollierbaren Strom innerer Wandlung zu springen oder im eigenen Niedergang zu erstarren. Der Song richtet Darwishs Überzeugung neu aus: Hoffnung nicht als sanftes Trostpflaster, sondern als brutale Notwendigkeit, um zu der Vision zu werden, die man im Angesicht der Verzweiflung überhaupt noch haben kann. „Ich werde leben, auch wenn das Leben mich verrät, und ich werde träumen, auch wenn die Träume mich verlassen“ – dieser Satz steht wie ein unsichtbarer Untertitel über „Springtime“.
Dass Foster diese großen Themen in Musik gießen kann, hat er längst bewiesen. Der kanadische Musiker, Autor und Gegenkultur-Nerd, einst Frontmann der Juno-nominierten Post-Rock-/Noise-Band Your Favorite Enemies, wurde mit seinem Solo-Debüt „Windows in the Sky“ als „unvorhersehbarer DIY-Künstler“ gefeiert: ein verträumter Post-Rock-Ausbruch, der irgendwo zwischen Hammock, Mogwai und Explosions in the Sky sein eigenes Territorium absteckt. Die Live-Neuinterpretation „Standing Under Bright Lights“, aufgenommen mit elfköpfigem Ensemble beim Montreal Jazz Festival, hat ihn und seine Band The Long Shadows endgültig als „must see“-Livespektakel etabliert – improvisiert, unvorhersehbar, aber immer tief persönlich.
„Springtime“ wirkt nun wie der erste Eintrag in das nächste Kapitel: ein Song über die fragile Schönheit neuer Morgenhoffnungen, über Schatten, die unsere Träume überdecken, und über Menschen, die trotzdem weiter träumen – nicht aus Naivität, sondern aus Trotz. Wer diese Mischung aus Pathos, Post-Rock und radikaler Selbstbefragung nicht nur im Stream, sondern im Raum erleben will, bekommt im Herbst Gelegenheit dazu: Im November und Dezember ist Alex Henry Foster mit The Long Shadows in ausgewählten Clubs in Deutschland, der Schweiz, Polen, Tschechien, den Niederlanden und Frankreich unterwegs – und bringt „Springtime“ dahin, wo diese Musik am meisten hingehört: in Räume, in denen es kurz wirklich still werden darf, bevor etwas Neues einsetzt.
Alex Henry Foster & The Long Shadows – TOUR 2026
NOVEMBER
- 24. – Deutschland, Rüsselsheim – Das Rind
- 26. – Deutschland, München – Kranhalle
- 28. – Schweiz, Aarau – Kiff
DEZEMBER
- 1. – Deutschland, Hamburg – Nochtspeicher
- 3. – Deutschland, Berlin – Mikropol
- 5. – Polen, Posen – Blue Note
- 6. – Polen, Warschau – Hybrydy
- 7. – Tschechien, Prag – Café V Iese
- 8. – Deutschland, Düsseldorf – Ratinger Hof
- 9. – Niederlande, Nimwegen – Merleyn
- 11. – Niederlande, Zoetermeer – Boerderij
- 12. – Frankreich, Paris – Nouveau Casino
Fotocredit: Stéphanie Bujold