Mit „Geschwedet“ wagen Rantanplan einen Schritt, der in einer über drei Jahrzehnte währenden Bandgeschichte längst überfällig wirkt – und gleichzeitig überraschend radikal daherkommt.
Nach zahllosen Studioalben, Szene-Klassikern und einer festen Verankerung im deutschsprachigen Ska-Punk-Kosmos veröffentlicht die Hamburger Formation nun erstmals ein reines Coveralbum. Doch wer hier eine bloße Hommage oder nostalgisches Nachspielen erwartet, wird schnell eines Besseren belehrt.
„Geschwedet“ ist kein klassisches Tribute-Werk, sondern eine stilistische Generalüberholung fremder Songs im unverkennbaren Rantanplan-Gewand. Inspiriert vom Prinzip des „Sweding“ – dem liebevollen, low-budget Neuinterpretieren bekannter Werke – nehmen sich Rantanplan 15 Songs aus acht Jahrzehnten Musikgeschichte vor und drehen sie durch ihren eigenen Wolf. Das Ergebnis ist eine Platte, die sich gleichermaßen respektvoll wie respektlos anfühlt: respektvoll gegenüber den Originalen, respektlos gegenüber Genregrenzen.
Denn stilistisch kennt dieses Album kaum Barrieren. Hier treffen politische Folk-Wurzeln auf Pop-Phänomene der Gegenwart, Reggae-Klassiker auf NDW-Ikonen, Indie-Hymnen auf elektronische Club-Ästhetik. Ska-Punk bildet dabei zwar das Fundament, doch Rantanplan verweigern sich der Monokultur. Statt stumpf Offbeats unter bekannte Melodien zu legen, werden die Songs neu gedacht, rhythmisch verschoben, harmonisch erweitert oder mit einer ganz eigenen Attitüde aufgeladen. Das Album macht deutlich, wie weit sich das Genre dehnen lässt, ohne seine Identität zu verlieren.
Produziert im Schalltona Studio in Hamburg-Altona unter der Leitung von Jurik Maretzky, klingt „Geschwedet“ roh genug, um den DIY-Charakter zu bewahren, und gleichzeitig präzise genug, um als geschlossenes Werk zu funktionieren. Die Arrangements wirken durchdacht, die Bläsersätze sitzen, und der typische Rantanplan-Groove sorgt dafür, dass selbst unerwartete Songauswahlen organisch in das Klangbild integriert werden.
Besonders bemerkenswert ist die stilistische Spannweite der Vorlagen. Zwischen gesellschaftskritischem Liedgut, Pop-Mainstream, Reggae, elektronischer Tanzmusik und deutschsprachiger Songwriter-Tradition spannt sich ein Bogen, der verdeutlicht, wie breit das musikalische Bezugssystem der Band inzwischen ist. Genau darin liegt die Stärke von „Geschwedet“: Es zeigt, dass Rantanplan keine Angst vor großen Namen oder vermeintlich unantastbaren Klassikern haben. Stattdessen wird alles durch den eigenen Filter geschickt – bis am Ende etwas entsteht, das sich eindeutig nach ihnen anhört.
Nach über 30 Jahren Bandgeschichte wirkt dieses Coveralbum nicht wie ein kreativer Lückenfüller, sondern wie eine selbstbewusste Standortbestimmung. „Geschwedet“ beweist, dass Rantanplan weiterhin bereit sind, Risiken einzugehen und ihre Diskografie um ein Kapitel zu erweitern, das gleichermaßen verspielt wie konzeptionell schlüssig ist. Weniger hätte man von einem solchen Projekt kaum erwarten dürfen – mehr aber auch nicht.
Setlist:
1. Woody Guthrie – All you Fascists bound2lose
2. Nina Chuba – Wildberry Lillet (fokustrack und video)
3. Funny van Dannen – alles verkauft
4. Udo Lindenberg – durch die schweren zeiten
5. Element of Crime – Schwere See
6. Jan Delay – St.Pauli
7. Bob Marley- Turn your lights down low
8. James Last – Biscaya
9. John Holt – police in helicopter
10. Joachim Witt – Goldener Reiter
11. Die hoechste Eisenbahn- Raus aufs Land
12. Mgmt – Kids
13. Daft Punk- Robot Rock
14. Falco – Vienna Calling
15. Urlaub in Italien- Erobique
Rantanplan auf Tour
06.03.2026 (GER) Köln, Carlswerk w/ WIZO
07.03.2026 (GER) Oberhausen, Turbinenhalle w/ WIZO
08.03. (GER) Oberhausen, Turbinenhalle w/ WIZO
10.03.2026 (GER) Osnabrück, Rosenhof w/ WIZO
11.03.2026 (GER) Wilhelmshaven, Pumpwerk w/ WIZO
12.03.2026 (GER) Hamburg – Große Freiheit w/Wizo
13.03.2026 (GER) Stuttgart, LKA Longhorn w/SWISS
14.03.2026 (GER) München, Backstage w/SWISS
20.03.2026 (GER) Wiesbaden, Schlachthof w/SWISS
21.03.2026 (GER) Leipzig, Felsenkeller w/SWISS
27.03.2026 (GER) Berlin, Huxleys Neue Welt w/SWISS
28.03.2026 (GER) Köln, Palladium w/SWISS
08 05. Nürnberg (GER) – Punkrockalarm
23.05.2026 (GER) Themar, Kulturgarten Open Air
Fotocredit: Albumcover / Artwork