Queens of the Stone Age haben über die Jahre nichts von ihrer Strahlkraft verloren. Es mag an ihrem Sound liegen, nicht weniger aber sicher an ihrer Haltung: Sie sind provokativ im besten Sinne des Wortes, loten mit ihrer so bissigen wie einnehmenden Musik das Dunkle, das Surreale, Sexuelle und Absurde aus. So auch auf ihrem neunten Album „Perfecth“, das am 30. Oktober bei Matador Records erscheint.
Mit der Ankündigung erscheint die Single „Insignificant Other“, das vielleicht zentrale Stück des Albums. Die Aufnahme ist der zweite von insgesamt nur zwei Studiotakes und zeigt die fünfköpfige Band in einem absolut offenen und spontanen Moment, in dem sie sich gegenseitig Raum gibt und intuitiv aufeinander reagiert. „Es ist ein Lied über Distanz“, so Joshua Homme. „Darüber, wie jemand deine ganze Welt sein kann, nur um dann einfach zu verschwinden. Und über das seltsame Schwindelgefühl das daraufhin zurückbleibt.“
Zum Song gibt es ein von Chapman Baehler gedrehtes Video, in dem Big Chongus das „Perfecth“ verkörpert. Gemeinsam mit Ruby Homme, Max Homme, Pumpkin Van Leeuwen, Isabella Puppolini (Izzy) Van Leeuwen und Reesa Shuman begibt er sich auf die Suche nach dem perfekten Zuhause. Kürzlich ebenfalls als Video erschienen ist der „Five Finger Filet“-Teaser, mit dem die Band das Datum bekannt gab, an dem das Album definitiv nicht erscheinen würde.
Kintsugi ist die japanische Kunst, zerbrochene Keramik mit Gold zu reparieren. Sie beruht auf der Vorstellung, dass etwas durch die Reparatur nicht weniger attraktiv, sondern sogar schöner wird. In genau diesem Geist entstand „Perfecth“. Es ist ein Album, das nur jetzt so hätte entstehen können. Homme, Troy Van Leeuwen, Michael Shuman, Dean Fertita und Jon Theodore haben sich als Kollektiv weiterentwickelt und eine gemeinsame Klarheit erreicht, die lang und hart erarbeitet werden musste. Die neun Songs erzählen von unterschiedlichen Formen der Liebe: von Familie, von Freunden und von Menschen, die wichtig sind – und solchen, die es vielleicht nicht mehr sind. Von Liebe, die einen beinahe zerstört, und solcher, die einen wieder zusammensetzt.
Aufgenommen wurde „Perfecth“ zwischen New Orleans und Los Angeles. Die Musik wirkt bisweilen düster und bedrohlich, oft aber auch sanft und eigenwillig. „Jeder Song klingt, als käme er aus einer anderen Welt“, sagt Homme. „Und das war die Absicht. Weil das Album all diese Gefühle miteinander verbinden will, die sich um Liebe, Verlangen, Dummheiten und jene Art von Weisheit drehen, die irgendwann aus all dem wie ein Geschenk entsteht.“
Der Titel „Perfecth“ entstand, weil das Wort „perfect“ noch nie ein ehrliches war. Perfektion existiert nicht, so Homme. So machte er „perfecth“ daraus – eine Schreibweise, die besser zu diesem Begriff passt, der sich nie ganz richtig angefühlt habe. „Nichts auf dieser Welt ist perfect, aber alles scheint irgendwie perfecth zu sein“, erzählt er.
Während Fans auf das neue Album warten, läuft eine weiterhin geöffnete Complaint Hotline der Band, über die Beschwerden, Frust und sonstige Unmutsbekundungen losgeworden werden können. Mit etwas Glück meldet sich am anderen Ende der Leitung sogar jemand persönlich. Zuvor war die Single „Easy Street“ erschienen, die bereits während der Catacombs-Tour live vorgestellt wurde. Es war die erste neue Musik der Band seit „In Times New Roman…“ (2023). Zudem war Joshua Homme zuletzt auf Songs von Shania Twain („Faded Blue Jeans“) und Mastodon („Snakes for Dinner“) zu hören.
„Perfecth“ wurde von Joshua Homme und Michael Shuman produziert. Das Album erscheint auf CD, auf schwarzem Vinyl, als Clear-Vinyl-Version – und als streng limitierte Deluxe Edition in den Webstores von Matador und dem bandeigenen Shop.
Fotocredit: Andreas Neumann