POM haben sich seit ihrer Gründung in Amsterdam zu einer der vielversprechendsten Indie-Bands der niederländischen Szene entwickelt. Die female-fronted Band um Sängerin Liza Kim van As machte sich schnell einen Namen mit ihrer pulsierenden Energie und Leidenschaft. Support-Shows für White Lies, Orla Garland und Surf Curse folgten, 2023 veröffentlichten sie ihr Debütalbum „We Were Girls Together“ und festigten ihren Ruf als Band, die Garage, Pop und Punk mit unberechenbarer Dringlichkeit verbindet. Nun, mit ihrem zweiten Album „Enlightened, baby“, setzen POM diese Entwicklung in gewohnter Brit-Pop/Indie-Rock-Manier fort.
POM machen eigentlich genau die Musik, die meinen Geschmack trifft – und dennoch haben sich unsere Wege bisher nie gekreuzt. Weder auf Festivals, Konzerten, noch während meiner Rezensionskarriere sind mir die Niederländer untergekommen. Umso begeisterter war ich mit jeder weiteren Vorab-Veröffentlichung, die POM ins Rennen geschickt haben. Die Band erinnert mich stark an Wet Leg, ist aber noch eine Spur eingängiger – und genau diese Mischung macht „Enlightened, baby“ zu einem Album, das sofort packt und nicht mehr loslässt.
Das zweite Album der Amsterdamer Band ist kein geradliniges Statement, sondern ein flackerndes Gefühlsprotokoll zwischen Euphorie und Überforderung. Nach ihrem gefeierten Debüt „We Were Girls Together“ und der EP „AAAAH!“ treiben POM ihren charakteristischen Fuzz-Pop weiter auf die Spitze. Was zunächst wie ein überdrehtes Pop-Album klingt, trägt eine andere Geschichte in sich. Entstanden im Schatten eines persönlichen Verlusts, verwandelt „Enlightened, baby“ Trauer nicht in Schwere, sondern in Bewegung. Catchy Melodien, treibende Rhythmen und hymnische Refrains wirken wie ein Heilmittel.
Das verwunderliche ist, dass POM sich klassischen Songstrukturen erwehren und dennoch verdammt catchy und eingängig klingen. Neben verzerrten Gitarren und roher Energie treten Drum Machines, Synths und vielschichtige Vocal-Arrangements. Die Songs wirken größer, offener und gleichzeitig intimer. Bestes Beispiel „Lovers“, welches gar noch von einem Interlude eingeleitet wird, ebenso wie der Titeltrack des Albums. Ausfälle sucht man auf dem Longplayer vergebens. Ein durchgängig hohes Niveau, wobei sich fast jeder Song als Single anbietet. „I WANT IT!“, „Rover“ und „Lovers“ machten hier das Rennen und das ist bei aller Qualität durchaus nachvollziehbar.
Produziert wurde das ganze Album von Gitarrist Luc Siegers, was zu einem organisch gewachsenen Endergebnis führte. Skizzen wurden erweitert, Stimmen ergänzt, Ideen verworfen und neu gedacht. Freund:innen der Band tauchen als Chöre und Stimmen immer wieder auf und verleihen dem Album eine kollektive Dimension – als würde man gemeinsam durch etwas hindurchgehen, das alleine kaum greifbar wäre. Zwischen Garage, Pop und Punk bleibt dabei immer Raum für Brüche, für Übertreibung, für Humor.
POM liefern mit „Enlightened, baby“ ein Werk, das berührt, bewegt und gleichzeitig zum Tanzen einlädt. Trotz jeder Menge Eingängigkeit beschleicht einen nie das Gefühl, dass die Band einfach nach Schema F ihre Songs runterschreibt. Somit dürfte Album Nummer zwei ein weiterer Zwischenschritt im Weg von POM auf die wirklich großen Festivalbühnen Europas sein.
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