Paul Holland spielet zunächst lange Zeit als Straßenmusiker, bevor er mit seiner EP „Everything“ – ein klares, DIY‑gefärbtes Versprechen abgab. Nun folgt das Debüt „SUNFLOWER“, welches seinen Sound in ein deutlich umfangreicheres, aber keineswegs aufblasendes Album übersetzt. da lohnt es sich auf jeden Fall ein Ohr zu riskieren.
„SUNFLOWER“ ist ein Album, das direkt mit dem Auftakt beginnt, ohne vorher lange auf den Bus zu warten: Der beschwingte Opener „Clouds of Haze“ wirkt wie ein gutferner Beweis dafür, dass dieser Sound irgendwo zwischen Kings of Leon (ohne Stadionbombast) und The Weakerthans laufen darf – rockig, aber bodenständig, poppig, aber nicht trivial.
Holland baut da bereits eine Atmosphäre, die sich um Zirkel bewegt: Texte über eine On/Off-Beziehung, ein beatiges, kreisendes Motiv, das diese innere Zerrissenheit beinahe schon grafisch hörbar macht. Das hört man durch das ganze Album: Warme 70s‑ und Westcoast‑Vibes, verträumter Indie‑Folk, weiche Southern‑Rock‑Gitarren, manchmal ein Hauch von Eagle‑ähnlicher, sonnengetragener Gelassenheit, mal ein kleines Stück französisches Chanson.
Das macht „SUNFLOWER“ zu einem Album, das gleichzeitig gediegen und frisch wirkt. Paul Holland nimmt sich dabei immer wieder zurück – gerade in Stücken wie „Marie“, „June“ und „Take Me As You Think I’ll Be“– und schafft eine kleine Lagerfeuerromantik: Songs, die näher rücken, ohne aufdringlich zu werden. Anders funktioniert etwa „Love Gone Wild“: Da tritt eine Gitarrenlinie auf, die sich nahe an einem klassischen Foo‑Fighters‑Riff aufbaut, ohne sich allerdings in puren Ausbruch zu stürzen. Stattdessen späht der Song in Richtung Melodie, in Richtung Pop, ohne den Rockfaktor zu vernachlässigen. Das ist typisch für das Album: Holland lässt sich nicht vom lautesten Moment leiten, sondern von der Textur, die am besten zur Geschichte passt.
Zwischen dem ruhigen Titeltrack „Sunflower“, in dem eine Liebesmetapher zwischen Hoffnung und Traurigkeit lebt, und dem leichten, westcoast‑optimistischen „Feels Right“ bewegt sich Paul Holland durch ein komplettes Spektrum zwischen Melancholie und Zuversicht. Besonders eindrücklich wirkt dabei „Turning Tides“, der musikalisch wie lyrisch eine Reise zwischen Reflexion und Aufbruch gestaltet – inklusive einer Bridge, die mit einem Tonartwechsel eine deutliche klangliche Wende setzt, bevor der Song langsam wieder „nach Hause“ findet.
Am Ende bleibt ein Debüt, das weniger wie ein Versuch klingt, zu gefallen, als wie ein ehrliches Gesamtbild. Paul Holland schreibt über Nähe, Distanz, Sehnsucht und das Zerbrechen wie auch das Wiederfinden von Beziehungen – aber immer mit einem Augenzwinkern, das seine Songs von billiger Emotion fernhält.
Wer Paul Holland in diesem Jahr live sehen möchte, hat unter anderem auf diesen Headlineshows die Gelegenheit dazu:
LIVE (Headline-Shows)
21.05.2026 – München – Kap37
23.05.2026 – Berlin – Kallasch
26.05.2026 – Hamburg – Hafenbahnhof
29.05.2026 – Köln – Die Wohngemeinschaft
30.05.2026 – Ulm – Gold
04.06.2026 – Frankfurt – Living-Hotels
02.07.2026 – Rösrath – Schloss Eulenbroich
12.07.2026 – Fürstenfeldbruck – Fürstenfelder Picknick
Fotocredit: El Leykauf