Nach über zwei Jahrzehnten Bandgeschichte liefern The Flatliners mit ihrem neuen Album „Cold World“ ein Werk ab, das weniger auf Neuerfindung setzt, sondern vielmehr ihre musikalische Identität weiter verdichtet. Statt Trends hinterherzulaufen oder sich an aktuellen Strömungen zu orientieren, setzen die Kanadier*innen auf Beständigkeit – und genau darin liegt sowohl die größte Stärke als auch die größte Herausforderung dieses Albums.
Im Vergleich zu früheren Veröffentlichungen wie „Dead Language“ (2013) oder „Inviting Light“ (2016) wirkt „Cold World“ deutlich rauer und weniger zugänglich. Diese Entwicklung wirkt konsequent, nimmt dem Sound jedoch stellenweise die Eingängigkeit, die frühere Releases ausgezeichnet hat. Die Energie ist zwar weiterhin präsent, doch sie äußert sich heute weniger in unmittelbarer Aggression, sondern eher in einer kontrollierten Atmosphere. Das sorgt für ein sauberes Klangbild, kann aber auch dazu führen, dass sich einzelne Momente weniger klar voneinander abheben.
Inhaltlich transportiert „Cold World“ eine spürbare Schwere. Die Themen wirken reflektierter, ernster und näher an einer Realität, die von Unsicherheit und Entfremdung geprägt ist. Dabei gelingt es The Flatliners, diese Stimmung authentisch zu vermitteln, ohne ins Pathetische abzurutschen. Vielmehr entsteht ein Gesamtbild, das die Hörer*innen mitnimmt, ohne ihnen einfache Antworten zu liefern.
Dennoch bleibt ein kleiner Kritikpunkt: Die klare Ausrichtung auf Atmosphäre und Wucht führt dazu, dass dem Album stellenweise die Dynamik fehlt, die frühere Werke abwechslungsreicher gemacht hat. Wo „Inviting Light“ noch mit Kontrasten spielte, setzt „Cold World“ stärker auf Beständigkeit im ganzen – was als Stärke gelesen werden kann. Dies obliet jedem selbst wie er dies deutet.
Am Ende steht ein Album, das weniger auf unmittelbare Wirkung abzielt, sondern sich eher langsam entfaltet. The Flatliners liefern mit „Cold World“ kein leicht konsumierbares Werk, sondern ein bewusst kantiges Statement. Eine Platte, die zeigt, dass Beständigkeit im heutigen Musikgeschehen fast schon ein radikaler Akt ist – auch wenn sie dabei nicht ganz die emotionale Durchschlagskraft früherer Highlights erreicht.
Live 2026:
19th June @ Bahnhof Pauli (Hamburg, DE)
20th June @ Hole 44 (Berlin, DE)
21st June @ Farewell Youth Fest (Dresden, DE) # – Präsentiert vom von uns
23rd June @ Arena (Vienna, AT)
24th June @ Strom (Munich, DE)
25th June @ Gebäude 9 (Cologne, DE)
26th June @ Jera On Air (Ysselsteyn, NL) #
27th June @ Vainstream (Münster, DE) #
28th June @ Mighty Sounds Festival (Tábor, CZ) #
30th June @ Kollektivet Livet (Stockholm, SE)
#Festivalshows
Fotocredit: