Nach einem bereits intensiven Auftakt am Vortag ging das Paaspop Festival 2026 am Samstag in die zweite Runde und knüpfte nahtlos an die bereits gebrachte Energie des Openers an. In Schijndel wurde schnell klar gemacht, dass das Festival das Niveau vom Vortag übertreffen wollte. Auch am Samstag setzte das Osterfestival auf die bewährte Mischung aus internationalen Acts und lokalen Größen, die den Tag musikalisch in alle Richtungen öffneten und dabei äußerste Vielfalt versprachen. Mit diesem Bewusstsein ging es mit voller Fahrt voraus ins bunte Festivalgeschehen.
Bereits am Mittag stellte sich das Gelände merklich voller dar; der Samstag war offiziell ausverkauft. Die Festivalanhänger strömten über das Gelände und ließen sich von guter Laune und dem Hunger auf Livemusik durch die bunte Festivallandschaft, gespickt mit 16 Bühnen, treiben. Einen Volltreffer konnte man dabei schon am Nachmittag mit Jools landen. Die Briten lieferten für unsere Begriffe den besten Auftritt des Paaspop Festivals bisher ab. Die Band, die im Line-Up als Must-See markiert wurde, übertraf die hohen Erwartungen mühelos. Energie in seiner reinsten Form dominierte den Auftakt des einstündigen Sets. Sänger Mitch Gordon schien gar nicht zu wissen wohin mit seiner Energie und nahm den gesamten Bühnenraum an. Dazu brillierte seine Gesangspartnerin Kate Price. Die beiden erzeugten eine spannende Symbiose, die sich stimmlich harmonisch ergänzte und aufeinander aufbaute. Die beiden gingen ans Äußerste, sodass sich schon manch ein Mikrofonkabel verhedderte und Lederoberteil löste. Auch die drei Musiker standen den Anstrengungen in nichts nach und trugen mit ihren Instrumenten zu einer unbeschreiblichen Atmosphäre bei, die so heavy und nach vorne ging wie kaum eine andere Band an diesem Wochenende. Jools waren zweifellos gekommen, um die Bühne abzureißen, und zeitweise war man sich sicher, dass sie damit gewiss gleich Erfolg hätten und nur noch einen Schutthaufen aus Leidenschaft, Staub und Musik zurücklassen. Zu der uneingeschränkten Energie entluden sich die Emotionen, etwa in Form der weiblichen Wut zu „97%“ oder Trauer über den Verlust des eigenen Vaters. Alles war echt, ungefiltert und hat direkt ins Herz getroffen. Jedes einzelne Mitglied der Band hat das Herz und die Leidenschaft vor dem Publikum ausgebreitet und dafür maximale Anerkennung verdient! So eine wahnsinnige Performance haben wir lange nicht gesehen.
Nach so einem krassen Set ging es hinaus in die Sonne zum Ausspannen, aber weit gefehlt. Das Paaspop lud eine Vielzahl von Walking Acts ein, die auch abseits der Zelte gute Stimmung und Erstaunen garantierten. Samstag wurde die Percussion-Gruppe Tempestade losgelassen, die im post-apokalyptischen Look zackige Samba-Rhythmen servierte und damit die Zuschauenden zum Tanzen brachten. Eine große Menschentraube sammelte sich um die mehr als zwanzigköpfige Crew, die gemeinsam trommelten und die Rasseln schwangen. Still stehen bleiben war keine Option und alle ließen sich von den guten Vibes anstecken. Apropos gute Vibes, das gesamte Festival ging ausgesprochen harmonisch zu. Im allgemeinen Geschehen herrschte Freundlichkeit und man wurde nicht Zeuge von auch nur einer Auseinandersetzung, was insgesamt ein sehr sicheres und unbeschwertes Festivalgefühl kreierte, obwohl der Samstag insgesamt dichter und intensiver wirkte. Die nächste Gruppe Sprints profitierte direkt von diesem Ansturm und konnte ein deutlich vergrößertes Publikum vorfinden als Jools zuvor auf der gleichen Bühne. Die markante Stimme der Sängerin Karla Chubb trieb das Set konsequent nach vorne – inklusive aufbrechender Mitte und spürbar wachsender Dynamik im Shelter.
Eine ganz andere Energie lief im Warehouse ab. Hier geriet man in die heiße Schussbahn von Freddy Moreira x Poke. Was dort passierte, war weniger Konzert als viel mehr kollektive Eskalation: Uptempo zwischen Urban und Carribean Sound, CO₂-Kanonen und Flammen. Dadurch wurde es im doppelten Sinne heiß, da sich das Zelt durch die Komplettbelegung brutal schnell aufheizte. So ergaben die knappen Outfits mancher Menschen Sinn, da man so leicht dem schweißtreibenden Trubel frönen konnte. Es gab kein Halten mehr und vor allem Poke tobte über die Bühne und animierte die Zuschauenden kontinuierlich. Dazu noch die kunstvoll eingesetzten Effekte und die Party war perfekt. Alle waren trotz Hitze vollkommen bei der Sache, was einmal mehr zeigte, wie sehr das niederländische Publikum jedes Set mittrug und welchen Stellenwert diese Acts hier hatten. Neben der Electrobühne wurde dem Hip-Hop ein hoher Stellenwert zugeschrieben, was sich in der Auswahl der Künstler deutlich niederschlug. Acts wie De Jeugd van Tegenwoordig oder Idaly sorgten für volle Zelte, während der Überraschungsgast Ronnie Flex zusätzlich für Begeisterung sorgte.
Umso erstaunlicher, dass das Zelt Phoenix um 21:15 Uhr dem in nichts nachstand und eine beachtliche Crowd sich auf Pendulum freute. Diese sorgten für ein weiteres Highlight aus dem Bereich Drum’n’Bass an diesem fantastischen Festivaltag. Obwohl die Show von Anfang an in die Vollen ging, schafften sie es sich in ihrem Liveset stetig zu steigern und dieses einzigartige Gefühl des Genres live zu transformieren. Begleitet wurde das Spektakel von einer massiven Licht- und Lasershow, während die Halle zunehmend eskalierte. Spätestens mit Einsetzen der Flammenwerfer und wilden Tanzkreisen war klar, dass hier gerade eine hohe Festivalqualität zelebriert wurde. Diese war nicht nur auf den einzelnen Bühnen exzellent, sondern durchgängig hoch. Sei es ein funktionierendes Verkehrs- und Parkkonzept, ausreichende und gepflegte Toilettenanlagen und eine rundum gelungene Organisation sprechen dafür, warum das Paaspop Festival seit Jahren zu einer festen Größen im europäischen Festival-Kalender zählt. Hinzu kommen die hochkarätigen Gäste aus aller Welt, so auch aus Deutschland.
Wir hatten die Ehre einen der Hauptact des Abends, Scooter, zu stellen, den, wie sich herausstellte, gar nicht alle Niederländer und Niederländerinnen kennen. Demtentsprechend bekam man vor der Hauptbühne zum Start des Headliner-Slots noch gute Plätze. Diejenigen, die da waren, feierten ihre Helden umso intensiver. Mit der Live-Premiere von „Rave from Outer Space“, der zuletzt erschienenen Single mit W&W, traf das Trio den Zeitgeist der Techno- und Raveszene. Allgemein spielte Scooter zunächst eher neuere Tracks der vergangenen Jahre an, bevor sie etwa mit „Maria (I like it loud)“ zu manchem Klassiker übergingen. Damit passte das Set gut ins Bild und schien an den niederländischen Geschmack adäquat angepasst worden zu sein. Leider konnte der Sound auf der Mainstage, wie bereits bei den vorher spielenden Hiphop-Formation De Jeugd van Tegenwoordig, nicht mit der Qualität des Vortages mithalten. Dies hat der Stimmung allerdings keinen allzu großen Abbruch getan und man feierte ausgelassen. Dass es dazu nicht immer das größte Zelt Europas brauchte, bewies die von Stelz gehostete Dachterasse. Auch auf dieser kleinsten Bühne wurde gefeiert, was das Zeug hielt, sodass die festgezurrten Lautsprecher wackelten. Somit bestätigte der Samstag das konstant hohe Niveau und sorgte für mannigfaltige Highlights auf und abseits der Bühnen.
Fotocredit: Kevin Randy Emmers