Es gibt diese Momente im Leben, in denen man alte Fotos anschaut und denkt: „Ach guck mal, was wir da für Frisuren hatten.“ Und dann gibt es Momente, in denen man beschließt, genau diese Frisur einfach nochmal zu tragen. Willkommen bei „FILLIN_THE_BLANK“.
Vorweg: Die H-Blockx haben sich ihren Platz in der deutschen Rockgeschichte verdient. „Time To Move“ war – im damaligen Kontext – ein Brett. Crossover, Funk, Hip-Hop-Elemente, dieser unbändige Drive. Und ja: Da gab es in den 90ern deutlich peinlichere Vertreter des Genres. Man erinnere sich nur an diverse kurzlebige Rap-Rock-Experimente, die heute zu Recht in Vergessenheit geraten sind. Die H-Blockx waren nie die schlechtesten im Raum.
Die Pressemitteilung spricht davon, man knüpfe an das Debüt an. Und ja, das tut man. Nur leider ohne die jugendliche Unbekümmertheit, die das damals getragen hat. Stattdessen wirkt vieles wie die vertonte Midlife-Crisis einer Band, die sich fragt, ob man mit über 50 nicht nochmal beweisen sollte, wie sehr man es krachen lassen kann.
„Corns_about_2_pop“ – allein der Titel ist ein Statement – funktioniert live vermutlich hervorragend. Auf Platte allerdings verliert sich der Song in ausgedehnten Gitarren-Posen und hat den Charme einer Stadtfest-Coverband. Dabei ist das Problem gar nicht die Energie. Die ist da. Man hört, dass die Band Spaß hatte. Aber Spaß allein macht noch kein gutes Album. Die Beats klingen verstaubt, die Texte wirken unausgereift. Wer kennt es nicht? Was auf dem Papier an Genialität nicht zu überbieten war, erleidet seinen Realitätsschock. Und doch – fair bleibt fair – es gibt Momente, in denen man merkt, dass die H-Blockx immer noch wissen, wie man eine Stadion-Hook schreibt. „Last Summer“ etwa hat das Potenzial, im Sommer auf Festivals zu funktionieren. „Me And My Horse“ besitzt zumindest eine gewisse Dynamik, die an frühere Stärken erinnert. Und auch die jüngste Vorab-VÖ „Desperado“ hat seine Momente.
Das eigentliche Dilemma liegt woanders: Anfang der 2000er wirkten die H-Blockx erwachsener, reflektierter, musikalisch offener. Jetzt, mit über 20 Jahren zusätzlicher Lebenserfahrung, klingen sie erstaunlich jugendlich – allerdings nicht im positiven Sinne, sondern eher wie jemand, der krampfhaft beweisen möchte, dass er noch dazugehört.
„FILLIN_THE_BLANK“ ist kein Totalausfall. Aber es ist auch kein überzeugendes Comeback. Es ist ein Album, das sehr laut ruft: „Wir sind noch da!“ – ohne wirklich zu erklären, warum genau das im Jahr 2026 relevant sein sollte.
Fotocredit: Danny Kötter