De Staat gehören seit Jahren zu jenen Bands, die sich nur schwer in ein festes musikalisches Raster pressen lassen. Auf ihrem siebten Studioalbum „DE STAAT“ macht die niederländische Formation daraus einmal mehr eine Stärke. Statt sich auf bereits etablierten Erfolgsformeln auszuruhen, wirkt die Platte wie das Ergebnis einer Band, die ihren eigenen Begriff von Rockmusik konsequent weiterentwickelt und dabei keinerlei Interesse daran zeigt, besonders bequem oder vorhersehbar zu klingen.
Musikalisch präsentiert sich das Album kompakt, kantig und ausgesprochen selbstbewusst. Rock bildet weiterhin das Fundament, wird jedoch permanent aufgebrochen und erweitert. Elektronische Strukturen, repetitive Rhythmen, industrielle Anklänge und ungewöhnliche Arrangements greifen ineinander und erzeugen eine Atmosphäre, die gleichermaßen kontrolliert wie unruhig & zerstörerisch wirkt. Gerade diese Gegensätze verleihen dem Album seinen Charakter. De Staat schaffen es, enorme Energie aufzubauen, ohne ausschließlich auf Lautstärke oder offensichtliche Härte und unerwartetes angewiesen zu sein.
Dabei besitzt das Werk eine bemerkenswerte Geschlossenheit. Trotz der stilistischen Beweglichkeit entsteht nicht der Eindruck einer Sammlung unterschiedlichster Ideen. Vielmehr folgt das Album einer klare Linie. Produktion und Songwriting wirken präzise aufeinander abgestimmt, während genügend Ecken und Kanten erhalten bleiben, um der Musik ihre Eigenständigkeit zu bewahren. Besonders die rhythmische Komponente spielt dabei eine zentrale Rolle und verleiht vielen Momenten eine beinahe körperliche und angstmachende Intensität.
Inhaltlich trägt das Album eine spürbare Schwere. Die Band richtet ihren Blick auf gesellschaftliche Entwicklungen, in denen Macht, Wahrheit und öffentliche Wahrnehmung zunehmend miteinander kollidieren. Manipulation, politische Einflussnahme, Desinformation und die Frage danach, wem Menschen Glauben schenken, bilden einen thematischen Unterbau, der sich durch die Platte zieht. Dabei liefert die Band keine einfachen Antworten oder plakativen Botschaften. Vielmehr entsteht ein beklemmendes Gesamtbild einer Gegenwart, in der Gewissheiten immer leichter ins Wanken geraten.
Auch nach einer längeren Veröffentlichungspause vermittelt De Staat keineswegs den Eindruck, den Anschluss neu suchen zu müssen. Vielmehr klingt das neue Album wie das Werk einer Formation, die sehr genau weiß, wo sie steht, sich daraus aber keinerlei kreative Grenzen ableiten lässt. Die Experimentierfreude früherer Veröffentlichungen bleibt erhalten, erscheint hier jedoch fokussierter und stärker an eine übergeordnete Stimmung gebunden.
Das Album ist damit ein Album, das weniger durch einzelne herausstechende Momente als durch seine Gesamtwirkung überzeugt. Düster, nervös, kraftvoll und eigenwillig übersetzen De Staat das Gefühl einer zunehmend schwer durchschaubaren Gegenwart in ihre ganz eigene musikalische Sprache. Das Ergebnis fordert Aufmerksamkeit, belohnt diese aber mit einer Platte, die konsequent wirkt und genügend Tiefe besitzt, um auch nach mehreren Durchläufen neue Facetten offenzulegen.
Anspieltipp: Gleich der Openertrack „The KIng“
Fotocredit: Albumcover / Artwork