„Hallo. Ich hab da so eine Idee.“ Da ist er wieder. Einfach so, ohne großes Brimborium. Mit 13 Songs, allesamt selbst aufgenommen und gesungen, mal mit größerem, mal mit dem ganz kleinen Besteckkasten, zu Hause und unterwegs. In klassischer DIY-Manier. Songs, die sich meist um die Freuden und Ärgernisse des Lebens drehen und in denen sogar das Rücklicht wieder wichtig ist.
Wer Farin Urlaubs Œuvre nur ein bisschen kennt, weiß, dass es vor allem zwei musikalische Konstanten gibt: Unberechenbar- und Wiedererkennbarkeit. Hals über Kopf stürzt sich der bekennende Weltmusik-Hörer in Stile, die er schon immer mal ausprobieren wollte und schafft es mühelos, dass sogar eine Cumbia-Verbeugung nach zwei Takten, noch bevor die Stimme alles klar macht, klingt wie ein typisches Farin Urlaub-Stück. Ohne, dass man gleich festmachen kann, woran das eigentlich liegt – außer vielleicht an der ganz vorn ausgestellten Unbekümmertheit, der man das breite Lächeln förmlich anhören kann und bei der absolute thematische Freiheit herrscht.
„Ich hab da so eine Idee“ ist eben nicht einfach so daher gesungen, sondern grundlegendes Wirkungsprinzip. Da passt ein Morricone-Pastiche zum Traktorenduell. Oder ein Paul Weller-Gedächtnis-Intro zu „Sonnenschein im Februar“, das auf diesem Album vielleicht am direktesten Farin Urlaub ist, mit seinem stabilen Gitarre-Schlagzeug-Bass-Gerüst, der hymnischen Anmutung und dem unkaputtbaren Optimismus, selbst angesichts des Unvermeidlichen.
Das Ergebnis ist ein Album, das sich strikt weigert, ausrechenbar zu sein. Es gibt auf „Ein Lächeln im Gesicht“ den zeitlosen Alternative-Rock-Krach, die expliziten NDW-Verweise, Ausflüge in unendliche Weiten, teils ausartende (Überraschung!) Beziehungsprobleme, den klassischen Bildungsauftrag ebenso wie pubertäre Quietsch-Orgel und Handclaps zum Sex, ganz nebenbei ordentlich Religionsbashing und vor allem jede Menge Spaß am Ausprobieren, am Musizieren, am Leben. „Wir sterben alle irgendwann“ – aber noch nicht heute.
Außer vielleicht das Klavier.
„Ein Lächeln im Gesicht“ von Farin Urlaub ist erschienen auf roter Vinyl, roter Kassette (jaaa, auch als Kassette! Ultramodern und der Zukunft zugewandt), roter CD sowie als Download und Stream.
Fotocredit: Dennis Dirksen (zur Verfügung gestellt von HEAR THE MUSIC für Wagmueller PR)