Late Again schaltet den Beobachtermodus ein: Mit „Crazy and Stupid“ veröffentlicht das Projekt des brasilianischen Multimedia-Künstlers Rafael Melo die neue Vorab-Single seiner kommenden EP „I Dreamt I Was Awake“, die am 4. September erscheint. Nach der verträumt-euphorischen New-York-Ode „If You Have A Bridge (I’m Buying)“ zeigt sich Late Again diesmal von einer noch spielerischeren, zugleich subtil gesellschaftskritischen Seite – irgendwo zwischen Sommerleichtigkeit und Stirnrunzeln über den Zustand der Welt.
„Everybody is crazy, or stupid, or crazy and stupid“ – aus diesem scheinbar beiläufigen Satz entwickelt sich eine ironisch warm schimmernde Ballade, die sich selbst nie zu ernst nimmt. „Crazy and Stupid“ erzählt von merkwürdigen, widersprüchlichen, manchmal schlicht unbegreiflichen Verhaltensweisen und verpackt sie in sanfte Sommerenergie, lässige Melodik und einen Refrain, der sich sofort festsetzt. Zwischen Dream-Pop, alternativen Beats, nostalgischer Melodik und subtilem Witz entsteht ein Song, in dem neben der Verzweiflung über die Welt auch Komik, Wärme und eine gewisse Zärtlichkeit Platz haben – begleitet von einem skurrilen Figurenensemble aus Fred, Brad, Jed und Greg.
Die EP „I Dreamt I Was Awake“ umfasst sechs Songs und kreist um die Distanz zwischen dem Leben, das man sich ausmalt, und dem, das man tatsächlich führt – sowie um die oft absurden Strategien, mit denen Menschen versuchen, mit dieser Lücke Frieden zu schließen. Es ist bereits die vierte Studio-EP von Late Again und zugleich der deutlichste künstlerische Entwicklungsschritt: eine Linie wird sichtbar, die sich durch das bisherige Werk zieht, während der beobachtende, zwischen Zärtlichkeit und Ironie changierende Schreibstil noch klarer herausgearbeitet wird. Dass Rafael Melo dabei Einflüsse von Gorillaz, Caetano Veloso, Tame Impala oder Ryuichi Sakamoto mit einer Klangwelt verbindet, die irgendwo zwischen Mac DeMarco, Still Woozy, The Marías und Men I Trust verläuft, passt zu einer Karriere, in der Musik, Film und Videospiel bereits länger zusammengedacht werden – und in der Late Again als multimediales Projekt Geschichten über mehrere kreative Ebenen hinweg erzählt.
Fotocredit: Henrique Barreto