Mit „30€“ veröffentlicht Antje Schomaker ihre zweite Single von ihrem dritten Album „Liebes Tagebuch,“ – eine minimalistische Ballade, die ein versehrendes Kapitel ihres Lebens schließt. 30€, so viel hätte das Ticket für Antje Schomakers Abiball gekostet. 30€, die ihrem Vater zu viel Geld waren.
Er war nicht dabei, wie bei so vielen wichtigen Momenten im Leben seiner Tochter. Für Antje damals nicht die erste Enttäuschung, aber eine, die sie noch einmal mit voller Wucht traf. Jetzt, als erwachsene Frau, schließt sie mit der minimalistisch instrumentierten Ballade „30€“ ab – mit diesem Erlebnis, aber vor allem mit diesem Menschen. „Du bist für mich kein Vater, du bist nur ein Mann, der mich nie lieben konnte und es immer noch nicht kann“, singt sie im Chorus, die Stimme weich, aber klar. Wo vor allem von FLINTA-Artists allzu oft das Verzeihen besungen wird, bricht Antje mit dieser Rollenerwartung. „30€“ ist ein unversehnlicher Abschluss auf die beste Art, selbstbestimmt, abgegrenzt und unabhängig. Antje schrieb diesen Song für mich und für alle, die auch auf ein „Ich bin stolz auf dich“ oder wenigstens eine Entschuldigung ihrer Väter gewartet haben. Und es stimmt: Die erhoffte Closure kann man sich nur selbst geben, das Warten darauf bleibt fast immer vergebens. Aber was auf jeden Fall dabei hilft, sind Songs mit Texten wie dieser.
Antje Schomakers lange erwartetes drittes Album “Liebes Tagebuch,” wird seinem Titel gerecht: Es erzählt Momente, Begegnungen und Phasen nach, die so ehrlich, rau und schön eigentlich nur in den geheimen Tagebüchern dieser Welt stehen. Antje Schomaker gewährt uns auf diesem Album Einblick in ihres, das Tagebuch ihrer Jugend war tatsächlich auch Inspiration für viele der Texte. Es geht um Befreiung und Beklemmung, um Wut und ihre Ergebnisse und das Ende des Aushaltens. Und es geht um eine neue Ruhe, Wärme und Positivität, die aus den Arrangements und der Stimme der Hamburger Singer-Songwriterin spricht. Antje Schomaker hat mit diesem Album einen Raum und einen Sound erschaffen, um glasklar, verletzlich und selbstbestimmt über die Dinge zu berichten, die in ihrem Leben und im Leben vieler FLINTA* prägende Einflüsse waren – und gerade deswegen auch von Männern gehört werden sollte. Entstanden ist ein Album voller Wahrheit und Leben, scharf beobachtet und brillant musikalisch erzählt.
Fotocredit: @jeanettesophie