Modeselektor beweisen mit „Classics Vol. 1 (We tried hard and failed again, enjoy!)“ eindrucksvoll, dass Rückschau nicht zwangsläufig Nostalgie bedeuten muss. Statt sich in der eigenen Vergangenheit zu verlieren oder frühere Erfolge schlicht zu reproduzieren, gelingt dem Duo hier ein bemerkenswert reflektiertes Werk, das vielmehr wie eine selbstkritische Standortbestimmung wirkt als wie eine klassische Retrospektive. Gerade in einer Szene, in der Reissues und Jubiläumseditionen häufig zum Selbstzweck verkommen, ist diese Herangehensweise erfrischend konsequent.
Im Vergleich zu früheren Veröffentlichungen wie „Hello Mom!“ oder „Happy Birthday!“, die stark von roher Energie, ironischer Überzeichnung und experimenteller Unmittelbarkeit lebten, wirkt „Classics Vol. 1 (We tried hard and failed again, enjoy!)“ deutlich abgeklärter. Die Grundhaltung ist nach wie vor verspielt und unberechenbar, doch der Zugang hat sich verändert: weniger Provokation um der Provokation willen, mehr bewusste Auseinandersetzung mit dem eigenen künstlerischen Erbe. Wo frühere Werke oft wie spontane Explosionen wirkten, fühlt sich dieses Album eher wie ein sorgfältig kuratierter Dialog mit der eigenen Geschichte an.
Besonders positiv fällt auf, dass es sich hier eben nicht um eine Neuauflage oder ein Recycling alter Ideen handelt. Statt bekannte Muster aufzuwärmen, entwickeln Modeselektor etwas Eigenständiges, das zwar aus der Vergangenheit gespeist wird, diese aber nicht kopiert. Genau darin liegt die große Stärke des Albums: Es respektiert die eigene Geschichte, ohne von ihr abhängig zu sein. Als Hörer*in hat man nicht das Gefühl, eine „Best-of“-Platte zu hören, sondern ein Werk, das bewusst mit Erinnerungen arbeitet, um daraus neue Strukturen zu formen.
Es fehlt die offensichtliche Hit-Ausrichtung, die frühere Alben teilweise prägte, doch genau das macht den Reiz aus. Dieses Album verlangt Aufmerksamkeit, belohnt sie jedoch mit einer Tiefe, die man von Modeselektor in dieser Form nicht immer gewohnt war.
Persönlich empfinde ich es als große Erleichterung, dass hier keine bloße Rekonstruktion alter Tracks entstanden ist, sondern ein neues Werk, das Modeselektor gerecht wird und zeigt, wie sicher die beiden in ihrem künstlerischen Selbstverständnis sind. „Classics Vol. 1 (We tried hard and failed again, enjoy!)“ ist kein nostalgischer Blick zurück, sondern ein selbstbewusster Schritt nach vorne – ein Album, das beweist, dass Erfahrung nicht Stillstand bedeutet, sondern die Grundlage für Weiterentwicklung sein kann.
Fotocredit: Albumcover / Artwork