30 Jahre Kapelle Petra. Drei Jahrzehnte zwischen Studenten-Kneipentour, Perücken-Phase, Zaubertricks und Westfalenhallen-Vision. Wer die Band aus Hamm/Westfalen kennt, weiß: Hier wurde nie aus Kalkül gehandelt. „Hauptsache machen“ war lange das Credo. Und aus diesem dilettantisch-anarchischen Anfang ist über neun Studioalben hinweg eine der eigenständigsten deutschsprachigen Indie-Rock-Bands gewachsen.
Und jetzt bekommen wir 16 handverlesene Songs aus dem bisherigen Schaffen, dazu zwei brandneue Perlen („Nr.1 Hit“, „Endlich Zuhause“). Die beiden neuen Tracks bilden die gedankliche Klammer um die bereits bestens bekannten Gassenhauer. In Zeiten von Streaming-Diensten und Playlisten muss man sich jedoch die Frage nach dem Sinn hinter einem Best Of Album stellen. Der Grundliegt mit einer dreißigjährigen Bandgeschichte natürlich auf der Hand. Und das beeindruckendste an dieser Werkschau ist, wie man noch einmal gedanklich nachzeichnen kann, wie sehr sich die Band entwickelt hat. Von den frühen, charmant rumpelnden Nummern bis hin zum Chart-Erfolg „HAMM“, der es bis auf Platz 6 schaffte. Die Kapelle klingt heute professioneller, als sie es vermutlich selbst nie erwartet hatte.
Über drei Jahrzehnte hat sich dennoch ein roter Faden aus Witz, Melancholie und Alltagsbeobachtung herausgebildet. Man merkt „Lübbe“ genau dieses Gemeinschaftsgefühl an, welches sich auch auf jedem Kapelle Konzert spüren lässt und was jeden Gig irgendwie zum Familienfest werden lässt. Keine ironische Distanz, kein Coolness-Wettbewerb. Sondern ehrliches Mitsingen. Sebastian Pufpaff hat es einmal treffend formuliert: Kapelle hören ist wie auf Reisen gehen – eine Reise zurück zu uns selbst. Und genau das transportiert dieses Album.
Musikalisch spannt „Lübbe“ den Bogen vom Indie-Rock mit Punk-Attitüde bis zu hymnischen Momenten, die man so vielleicht eher bei den Sportfreunden oder Madsen verorten würde – nicht zufällig stehen sie gemeinsam beim kAPEllE30 SOMMA auf der Bühne. Doch während andere Bands ihr Jubiläum mit Pathos aufblasen, bleibt Kapelle Petra erstaunlich bodenständig. „Lübbe“ bedeutet eben: Mit tollen Menschen die beste Zeit haben.
Und vielleicht ist das die größte Leistung dieser Band. Nach über 1000 Konzerten, TV-Auftritten, Millionen Klicks und Chartplatzierungen wirken Opa, Der Tägliche Siepe und Ficken Schmidt immer noch wie die Typen von nebenan, die zufällig gelernt haben, wie man aus Alltagsbeobachtungen Hymnen baut.
Auf die „Lübbe“. Auf das Leben. Auf die Hammonie.
Kapelle Petra Live 2026:
12.03.2026 – Muffathalle, München
13.03.2026 – Batschkapp, Frankfurt
14.03.2026 – Im Wizemann (Halle), Stuttgart
26.03.2026 – Carlswerk Victoria, Köln
27.03.2026 – Skaters Palace, Münster
28.03.2026 – Columbia Theater, Berlin
25.07.2026 – kAPEll30 SOMMA, Hamm
27.11.2026 – Täubchenthal,Leipzig
28.11.2026 – Botschaft, Osnabrück
04.12.2026 – Z-Bau, Nürnberg
05.12.2026 – Schlachthof, Wiesbaden
11.12.2026 – Gruenspan, Hamburg
19.12.2026 – Wesfalenhalle 2, Dortmund
Fotocredit: Marcel Strecker