13 Stopps umfasst die „Game Over“-Clubtour 2026 von Beauty & The Beats – heute steht der dritte Termin an, und zwar im restlos ausverkauften Volksbad in Flensburg. Schon im Vorfeld ist klar: Das hier wird kein klassischer DJ-Abend, sondern ein dreistündiges Genre-Feuerwerk.
Doch wer oder was ist Beauty & The Beats eigentlich? Hinter dem Namen steckt ein DJ- und Performance-Konzept von Jannek, der sich nicht auf ein einzelnes Genre festlegen lässt. Stattdessen werden die prägenden Musikstile der letzten sechs Jahrzehnte miteinander verschmolzen – von Rock, Indie und Pop über EDM, Techno, Hardstyle und Drum and Bass bis hin zu elektronischen Spielarten, die einst Underground waren und heute Festivals dominieren.
Das Bühnenkonzept unterstreicht diesen Anspruch: Das DJ-Pult steht mitten im Raum – 360 Grad, Boilerroom-Style. Ein Hype, der einst aus dem UK-Underground in die Welt schwappte und das Cluberlebnis nachhaltig veränderte. Statt Front-Stage-Distanz entsteht unmittelbare Nähe. Die Crowd umringt den Act, ist nicht nur Zuschauer*in, sondern Teil des Geschehens. Diese räumliche Auflösung der klassischen Bühnenhierarchie verstärkt das Gemeinschaftsgefühl – man ist mittendrin statt nur dabei.
Musikalisch bleibt an diesem Abend kein Genre unangetastet. Beauty & The Beats versteht es, Pop-Hymnen, Rock-Classics, Indie-Perlen und elektronische Abrissbirnen nahtlos ineinander zu verweben. Parts von The Prodigy werden mühelos in das Set integriert, genauso finden Drum-and-Bass-Eskalationen oder Hardstyle-Drops ihren Platz. Einflüsse und Energielevel, wie man sie von Größen wie Skrillex oder Chase & Status kennt, bilden immer wieder die Höhepunkte des Abends.
Auffällig ist dabei der Altersdurchschnitt des Publikums: von 18 bis 40 plus ist alles vertreten. Während die jüngere Generation die aktuellen Hits besonders intensiv feiert, reagieren andere euphorischer auf Drum-and-Bass-Episoden im Stil von Chase & Status. Dieses Spannungsfeld zwischen Nostalgie und Gegenwart macht jedoch gerade den Reiz des Konzepts aus. Drei Stunden Set bedeuten hier nicht Beliebigkeit, sondern dramaturgische Kurve – auch wenn man sich persönlich an der einen oder anderen Stelle vielleicht noch längere Ausflüge in bestimmte elektronische Sphären gewünscht hätte.
Ein persönliches Highlight des Abends: das Mash-up aus M83 und Fred again... Atmosphärische Weite trifft auf moderne Club-Emotion – leider viel zu kurz, gerade gegen Ende des Sets hätte dieser Moment noch mehr Raum verdient.
Doch neben all der musikalischen Bandbreite rückt ein anderes Thema an diesem Abend besonders in den Fokus: die „No Phone Shows“-Policy. Bereits im Vorfeld wurde klar kommuniziert, dass Handykameras beim Einlass abgeklebt werden und der Abend bewusst smartphonefrei erlebt werden soll. Ein Ansatz, der immer mehr Künstler*innen verfolgen – längst nicht mehr nur in der elektronischen Szene.
Der Gedanke dahinter ist nachvollziehbar: Konzerte verkommen zunehmend zu Content-Produktion. Statt Musik zu fühlen, wird gefilmt. Statt zu tanzen, wird gestreamt. Der Moment wird nicht erlebt, sondern archiviert – und oft nur als Beweis für die eigene Teilnahme genutzt. Die No-Phone-Policy will genau das durchbrechen: drei Stunden im Hier und Jetzt, ohne Display zwischen Künstler*in und Publikum.
Leider hielten sich nicht alle Besucher*innen daran. Vereinzelt blitzten doch Smartphones auf – ein Widerspruch zu dem Gemeinschaftsgedanken, den das Konzept eigentlich stärken will. Gerade bei einem 360-Grad-Setup, das maximale Nähe erzeugt, wirkt jedes Display wie eine Barriere. Man merkt: Der kulturelle Wandel hin zu mehr digitaler Abstinenz bei Live-Events ist noch im Prozess.
Trotzdem funktioniert das Konzept. Die Energie im Raum ist spürbar dichter, unmittelbarer. Weniger Scrollen, mehr Schweiß. Weniger Story, mehr Storytelling durch Sound.
Am Ende bleiben fast drei Stunden pure Eskalation. Beauty & The Beats beweisst eindrucksvoll, wie man die Genres der letzten 60 Jahre so kombiniert, dass jede Generation ihren Moment findet – und wie wichtig es ist, Musik wieder ins Zentrum zu rücken. Nicht durch den Bildschirm betrachtet, sondern direkt im Körper gespürt.
Wir vom Frontstage Magazine präsentieren euch die Tour in Deutschland in Zusammenarbeit mit Oha! Music die Tour.
Beauty & The Beats
05.03.2026 – Lux, Hannover
06.03.2026 – Bahnhof Pauli, Hamburg
07.03.2026 – Lila Eule, Bremen
13.03.2026 – Schon Schön, Mainz
14.03.2026 – Veedel Club, Köln
05.04.2026 – Zwischenbau, Rostock (verlegt)
11.04.2026 – SNRS Club, Dortmund
16.04.2026 – Moritzbastei, Leipzig
17.04.2026 – Club Paula, Dresden
18.04.2026 – Engelsburg, Erfurt
Tickets dazu, bekommt ihr noch hier.
Fotocredit: Aktuelle Tourgrafik