Es gibt Abende, da passt eigentlich alles nicht zusammen – und genau deshalb werden sie gut. PABST im Mephisto Hannover ist so ein Fall. Ein intimer Club mit rund 250er-Kapazität, ein Donnerstag, Dauerregen, Schnee und Frost im Wechsel, Verkehrschaos im Großraum Hannover (seit Monaten gefühlt Dauerzustand) – und eine Band, die zuletzt als Support von Billy Talent bewiesen hat, dass sie auch vor deutlich größeren Kulissen nicht zusammenzuckt. Dass dieses Konzert im Mephisto stattfindet, wirkt im ersten Moment fast wie Understatement. Dass der Laden am Ende nur halb gefüllt ist, eher wie ein kollektiver Fehler.
Doch wer sich an diesem Abend auf den Weg gemacht hat den äußeren Umständen zu trotzen, der bekommt eine wunderbare Rockshow der Köche PABST und SWAIN serviert und wird sein Erscheinen letztendlich nicht bereut haben.
Gleich zu Beginn des Abends durften SWAIN eine gute halbe Stunde lang vorlegen – und das taten sie genau so, wie man es sich von einem passenden Support wünscht: unaufgeregt, freundlich und ohne jeglichen Drang, sich aufzudrängen. SWAIN wirken wie eine Band, die nichts beweisen muss und gerade deshalb überzeugt.
Nach sechs Jahren Funkstille und dem aktuellen Album „Infinite Child“ klingt das Material gereift, aber keineswegs gezähmt. Gerade im Kontext des Abends erweist sich SWAIN als kluge Wahl: musikalisch nah genug an PABST, um organisch zu wirken, aber eigenständig genug, um nicht im Schatten zu stehen.
Und als pünktlich um 21 Uhr dann PABST die Bühne betreten, erweist sich das Mephisto wie so häufig als perfekte Spielwiese: niedrig, eng, direkt, keine Barriere zwischen Band und Publikum. PABST brauchen ohnehin keine Distanz. Erik, Tilman und Tore wirken vom ersten Ton an so, als hätten sie den Raum bereits beim Soundcheck adoptiert. Kein großes Aufwärmen, kein überflüssiges Gerede – stattdessen sofort Zug nach vorne. Genau so, wie man es von den Hardest Working Men im Indierock-Business erwartet.
Der Fokus liegt klar auf dem aktuellen Album „This Is Normal Now“, das live noch einmal eine andere Dringlichkeit entfaltet. „I Felt All There Is To Feel“ wird als Opener auserkoren. Ab da gibt es kein Zurück mehr. „Limbo No. 5“ funktioniert auch im Club exakt so, wie es gedacht ist: kurzer Moment der Ruhe, dann dieser abrupte Gitarrenabriss, der den Raum schlagartig verdichtet. Mit fortdauernder Spieldauer werden aus mit verschränkten Armen an der Wand lehnender Menschen immer mehr Pogo-Tänzer. Auch die Band zeigt keine Berührungsängste und wagt sich immer wieder samt Instrumentarium in die rockende Menge. Und natürlich fehlen auch PABST-Evergreens wie „Mercy Stroke“ oder „Iboprofen“ nicht im Set. Als obligatorischen Fetenrausschmeißer gibt es das wundervolle „Kiss Me“ – Cover, welches PABST inzwischen zu ihrem ganz eigenen Song gemacht haben.
Dass der Laden nicht ausverkauft ist, wird im Laufe des Abends zunehmend nebensächlich. Wer da ist, ist da. Hat sichtbar eine gute Zeit und atmet ehrliche Clubenergie. Nach gut 75 Minuten ist Schluss. Kein überzogenes Finale, kein Pathos. Die Band verabschiedet sich so, wie sie gespielt hat: konzentriert, schweißgebadet, zufrieden. Hannover ebenfalls.
Fotocredit: Emilia Spitale