Mit „Euphoria“ schlägt SCHILLER ein neues Kapitel in seiner musikalischen Reise auf. Das Album steht für Offenheit, emotionale Klarheit und einen bewussten Verzicht auf Ironie oder Distanz. Statt sich hinter Konzepten oder Inszenierungen zu verstecken, geht es diesmal um Präsenz, Gefühl und die Kraft des Moments – getragen von fließenden elektronischen Klanglandschaften und einer Atmosphäre, die Raum lässt. Inspiriert vom Lebensgefühl der 90er-Jahre und tief geprägt von persönlichen Eindrücken aus der Ukraine, vereint „Euphoria“ Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit auf besondere Weise. Im Gespräch mit uns dem Frontstage Magazine spricht SCHILLER über den emotionalen Kern von „Euphoria“, über kreative Gegensätze zwischen Optimismus und Verletzlichkeit sowie darüber, warum es für ihn wichtiger denn je ist, Musik ohne Schutzschicht und mit maximaler Ehrlichkeit zu machen.
Frontstage Magazine: „Euphoria“ dreht sich um ein freies, ungebremstes Gefühl. Wie würdest du diesen emotionalen Zustand persönlich beschreiben – und wie hast du versucht, ihn musikalisch einzufangen?
SCHILLER: Euphoria ist für mich ein Zustand völliger Präsenz. Ein Moment, in dem man nicht zweifelt, nicht bewertet, sondern einfach ist. Dieses Gefühl von innerer Weite und Klarheit wollte ich musikalisch übersetzen. Ich habe bewusst mit offenen Strukturen gearbeitet, mit langen Spannungsbögen und Sounds, die Raum lassen. Die Musik sollte nicht führen oder kontrollieren, sondern tragen und begleiten.
Frontstage Magazine: Du beziehst dich sowohl auf das Lebensgefühl der 90er als auch auf deine Eindrücke aus der Ukraine. Inwiefern haben diese Erfahrungen deinen kreativen Prozess beeinflusst?
SCHILLER: Die 90er standen für mich für Aufbruch, Neugier und einen sehr unmittelbaren Zugang zur elektronischen Musik. Diese Offenheit und dieser Optimismus haben mich nachhaltig geprägt. Die Eindrücke aus der Ukraine waren dagegen sehr intensiv und emotional. Sie haben mir noch einmal deutlich gemacht, wie fragil Freiheit und Normalität sind. Diese Gegensätze – Leichtigkeit und Tiefe – haben den kreativen Prozess von „Euphoria“ stark beeinflusst.
Frontstage Magazine: Mit Frida Gold hast du die Single „Sieben Nächte“ geschaffen. Was war dir in dieser Zusammenarbeit besonders wichtig, damit der Song die Stimmung des Albums widerspiegelt?
SCHILLER: Mir war wichtig, dass der Song ehrlich und ungeschützt ist. Frida Gold haben eine sehr klare emotionale Haltung, und genau das passte zu „Euphoria“. „Sieben Nächte“ sollte Nähe zulassen, Verletzlichkeit zeigen und trotzdem Zuversicht vermitteln. Wir haben sehr intuitiv gearbeitet und viel Wert darauf gelegt, dass Gefühl und Atmosphäre im Vordergrund stehen.
Frontstage Magazine: Die kommende Arena-Tour findet in Surround-Sound statt. Was können die Besucher*innen erwarten – und was unterscheidet die Show von bisherigen SCHILLER-Live-Erlebnissen?
SCHILLER: Die Surround-Sound-Technik ermöglicht ein sehr räumliches Hörerlebnis. Der Klang bewegt sich durch die Arena und um das Publikum herum. Dadurch entsteht eine starke Immersion, die man so von klassischen Konzerten nicht kennt. Die Show wird insgesamt filmischer, dichter und emotionaler. Es geht weniger um eine Abfolge von Songs, sondern um eine zusammenhängende musikalische Reise.
Frontstage Magazine: Du sagst, „Euphoria“ sei ein Album ohne Ironie oder Distanz, ganz direkt und ehrlich. Fällt es dir leicht, so offen zu arbeiten, oder ist das eine besondere Herausforderung?
SCHILLER: Diese Offenheit ist definitiv eine Herausforderung. Sich ohne Distanz auszudrücken bedeutet, sich angreifbar zu machen. Gleichzeitig empfinde ich es als sehr befreiend. Ich habe versucht, nichts zu relativieren oder zu verstecken, sondern den Gefühlen zu vertrauen. Genau daraus entsteht für mich Authentizität – und letztlich auch die Verbindung zu den Menschen, die diese Musik hören.
Fotocredit: Annemone Taake