Mit „How Did I Get Here?“ legt LOUIS TOMLINSON sein drittes Studioalbum vor und wirkt dabei so fokussiert wie selten zuvor. Während sein Debüt „Walls“ noch stark von dem Bedürfnis geprägt war, sich als Solokünstler*in zu positionieren und von der Vergangenheit zu lösen, und „Faith In The Future“ vor allem auf große Refrains und Stadionmomenten setzte, fühlt sich das neue Album deutlich persönlicher und zugleich reflektierter an. Es ist weniger auf Wirkung nach außen ausgelegt, sondern stärker nach innen gerichtet.
„How Did I Get Here?“ lebt von einer spürbaren inneren Unruhe. LOUIS TOMLINSON präsentiert sich hier nicht als Popstar, der auf Nummer sicher geht, sondern als Künstlerin, derdie bereit ist, Zweifel, Brüche und Selbstbefragung offenzulegen. Im Vergleich zu den Vorgängern wirkt das Album weniger glatt produziert und emotional offener. Wo „Walls“ oft noch zwischen Nostalgie und Anpassung schwankte und „Faith In The Future“ bewusst auf Euphorie und Live-Tauglichkeit setzte, erlaubt sich das neue Werk mehr Zwischentöne und Unsicherheit.
Gerade dieser Verzicht auf permanente Überhöhung macht „How Did I Get Here?“ zu einem der glaubwürdigsten Alben im bisherigen Schaffen von LOUIS TOMLINSON. Die Texte kreisen um Identität, persönliche Entwicklung und das Gefühl, sich selbst immer wieder neu einordnen zu müssen. Statt großer Gesten dominieren hier leise Selbstbeobachtung und ein fast dokumentarischer Blick auf das eigene Innenleben. Das Album wirkt dadurch reifer, aber auch verletzlicher als seine Vorgänger.
Musikalisch bleibt LOUIS TOMLINSON seiner Grundästhetik treu, entwickelt sie jedoch subtil weiter. Die Produktion ist zurückhaltender, weniger auf maximale Radiotauglichkeit getrimmt und lässt mehr Raum für Atmosphäre. Im Vergleich zu „Faith In The Future“ fehlt stellenweise die große hymnische Wucht, was jedoch kein Nachteil ist. Stattdessen entsteht ein dichter, zusammenhängender Albumfluss, der weniger auf einzelne Highlights zielt, sondern als Gesamtwerk funktioniert.
„How Did I Get Here?“ ist nun das erste Album, auf dem LOUIS TOMLINSON wirklich bei sich selbst ankommt. Nicht perfekt, nicht durchgehend spektakulär, aber konsequent ehrlich. Gerade im Vergleich zu den früheren Veröffentlichungen wirkt das neue Album weniger kalkuliert und emotional glaubwürdiger.
„How Did I Get Here?“ ist damit kein lauter Neuanfang, sondern eine stille Standortbestimmung. Ein Album, das nicht versucht, Erwartungen zu erfüllen, sondern sie bewusst hinterfragt – und genau dadurch das bislang persönlichste Werk im Katalog von LOUIS TOMLINSON darstellt.
Fotocredit: Edward Cooke