Mit „Back for Good“ meldet sich DICK BRAVE nicht einfach zurück – er reaktiviert ein ganzes Selbstbild. Das neue Doppelalbum ( 20 Tracks ) wirkt weniger wie ein nostalgischer Gag und mehr wie eine bewusste Rückkehr zu einer Kunstfigur, die in den frühen 2000ern zwischen Ironie, Popkultur und echter Rock-’n’-Roll-Liebe funktionierte. Während frühere Veröffentlichungen von DICK BRAVE & THE BACKBEATS stark vom Überraschungseffekt lebten, steht „Back for Good“ nun vor der größeren Aufgabe, diese Idee in einer Zeit zu rechtfertigen, in der Retro längst Alltag ist.
Im Vergleich zu den älteren Alben – insbesondere „Dick This!“ und „Dick This! Again“ – wirkt das neue Werk deutlich strukturierter und weniger anarchisch. Damals lebte das Projekt stark von der absurden Gegenüberstellung aus deutscher Comedy-Figur und amerikanischem Rockabilly-Pathos. Heute ist DICK BRAVE weniger Parodie und mehr stilbewusste Hommage. Die Ironie ist noch da, aber subtiler, kontrollierter und deutlich professioneller inszeniert.
„Back for Good“ funktioniert vor allem als stilistische Zeitreise. Das Album verzichtet bewusst auf Eigenkompositionen und konzentriert sich vollständig auf Neuinterpretationen bekannter Pop-Hits im Rockabilly-Gewand. Im Gegensatz zu früheren Platten, die oft von spontaner Energie und augenzwinkerndem Chaos lebten, wirkt dieses Album fast schon kuratiert. Alles ist sauber produziert, technisch präzise und klar auf Entertainment ausgelegt. Das macht das Album zugänglicher, nimmt ihm aber stellenweise auch den wilden Charme der Anfangsjahre.
DICK BRAVE ist nicht mehr der ironische Fremdkörper im Rockabilly-Kosmos, sondern bewegt sich darin wie jemand, der längst weiß, wie das Spiel funktioniert. Das macht „Back for Good“ handwerklich stärker, emotional aber weniger riskant.
Trotzdem gelingt dem Album etwas, das vielen Revival-Projekten nicht gelingt: Es wirkt nicht peinlich, nicht bemüht und nicht aus der Zeit gefallen. „Back for Good“ ist in sich stimmig, konsequent durchgezogen und überraschend zeitlos. Das Doppelalbum versteht sich weniger als Comeback im klassischen Sinne, sondern als Neuverortung einer Figur, die inzwischen selbst Teil der Popgeschichte ist.
Unterm Strich ist „Back for Good“ nicht das rebellischste oder kreativste Album im Katalog von DICK BRAVE, aber vermutlich das reifste. Es ist weniger Comedy, mehr Stilübung – weniger Klamauk, mehr Konzept. Wer die alten Platten wegen ihres Chaos liebte, wird hier etwas davon vermissen. Wer jedoch Lust auf eine souveräne, hochwertige und charmant selbstironische Zeitreise hat, bekommt mit „Back for Good“ ein überraschend rundes und langlebiges Album.
Fotocredit: Marcel Brell