Zwischen Aufbruch und Nähe: Mit „Lighter Hearts“ schlägt Light & Rain ein neues, optimistisches Kapitel auf. Im Interview spricht Jan-Eric Stoll über die verbindende Kraft von Musik, prägende Live-Momente zwischen Hochzeit und Clubshow, seinen gewachsenen Sound zwischen Indie-Rock und Folk – und darüber, welche Botschaft seine kommende Two Words-EP zusammenhält.
Fronststage Magazine: „Lighter Hearts“ beschreibt die verbindende Kraft von Musik. Gab es ein konkretes Live-Erlebnis, bei dem du genau dieses Gefühl von Nähe zwischen dir und dem Publikum besonders stark gespürt hast?
Light & Rain: Das intensivste Konzert war tatsächlich auf meiner eigenen Hochzeit letztes Jahr. Viele Freundinnen und Verwandte sind auch Fans meiner Musik und es war wirklich ein unvergesslich intensives Erlebnis, die Menschen, die mir am aller wichtigsten im Leben sind, meine Songs mitsingen zu sehen. So eine krasse Verbundenheit habe ich bisher noch auf keinem öffentlichen Konzert erlebt. Am ehesten kommt da aber wohl das Konzert in der Kreativfabrik im April 2023 zusammen mit Mercy Union dran. Da hat es von der ersten Sekunde an “Klick” zwischen uns auf der Bühne und dem Publikum davor gemacht. Ich liebe solche Momente.
Fronststage Magazine: Du hast den Song während einer sehr intensiven Live-Phase geschrieben – inwiefern haben dich die letzten Konzerte emotional oder auch musikalisch verändert, verglichen mit früheren Releases wie White Light oder Fever Dream?
Light & Rain: In den letzten Monaten bin ich nochmal einen großen Schritt in Bezug auf meine Selbstsicherheit auf der Bühne gegangen. Die neuen Songs sind aktuell genau der Sound den ich machen möchte: irgendwo zwischen Singer-Songwriter Folk und Indie-Rock.
Fronststage Magazine: Musikalisch verbindet Lighter Hearts warme Indie-Rock-Elemente mit einer spürbaren Aufbruchsstimmung. War dir diese optimistische Energie von Anfang an wichtig oder hat sich der Song eher organisch in diese Richtung entwickelt?
Light & Rain: Ich glaube es waren tatsächlich Gespräche mit Konzertbesucher*innen, in denen es immer wieder hieß: “Du machst so schöne Musik, aber warum sind alle Songs so traurig?”. Mir fällt es leichter, Songs über Dinge zu schreiben, die mich bedrücken, daher wollte ich es bei Lighter Hearts bewusst anders machen und etwas mehr Leichtigkeit und Lebensfreude in meinen Sound lassen.
Fronststage Magazine: Deine Texte wirken oft sehr persönlich, gleichzeitig finden viele Menschen ihre eigenen Geschichten darin wieder. Wie schaffst du diesen Balanceakt zwischen Intimität und Offenheit für die Hörer*innen?
Light & Rain: Danke für die Blumen erstmal, ich denke, dass ist das Ziel der meisten Singer-Songwriter*innen. Da gibt es für mich keine Formel, die immer funktioniert. Ich versuche einfach so ehrlich und nahbar wie möglich zu schreiben und das im Besten Fall noch lyrisch ansprechend zu verpacken. Was dann am Ende bei den Hörer*innen ankommt, liegt, denke ich, mehr an denen als an mir.
Fronststage Magazine: Die Two Words-EP steuert mit Lighter Hearts langsam auf ihren Abschluss zu. Wenn du die EP als Gesamterzählung betrachtest – welches Gefühl oder welche Botschaft soll am Ende hängen bleiben?
Light & Rain: Es ist eine EP über Selbstfindung, Selbstwertschätzung und zwischenmenschliche Verbindungen, ob positive oder negative. Diese ganzen Punkte sind meiner Meinung nach eng miteinander verbunden. Wenn ich mich selbst wertzuschätzen lerne, bemerke ich häufig erst, wie schlecht ich von anderen behandelt werde. Wenn ich lerne, meine kreative Arbeit nicht immer direkt als “zu schlecht” abzustempeln, gebe ich meiner Kunst die Chance, dass wunderbare Verbindungen mit anderen entstehen können. Die vier Songs haben beim ersten Hören vielleicht nicht sofort viel gemein, sie sind jedoch thematisch enger beieinander als man zunächst vermutet.
Fronststage Magazine: Deine Musik wird oft mit Bands wie The Menzingers oder The Gaslight Anthem verglichen. Welche Künstler oder Alben haben dich in letzter Zeit besonders inspiriert – vielleicht auch jenseits des klassischen Indie-Rock?
Light & Rain: Aus Songwriter-Sicht hat mich das letzte Album von “The Howl and The Hum”, sowohl musikalisch als auch lyrisch, komplett umgehauen. Ich liebe wirklich alles daran. Darüber hinaus feier ich eigentlich alles, was Nick Carpenter aka “Medium Build” macht. Und dann gibt es noch so viele mehr grandiose Artists, die ich in den letzten Jahren für mich entdecken konnte wie ”Snocaps”, “Wunderhorse”, “Alex G”, “This is Lorelei”, “David Ramirez” und und und…
Fronststage Magazine: Mit Blick auf die anstehende Clubtour im April 2026: Was dürfen die Fans live erwarten – eher intime Gänsehautmomente, laute Mitsing-Refrains oder genau die Mischung, für die Light & Rain steht?
Light & Rain: Genau die Mischung aus intimen Gänsehautmomenten und lauter Indie-Rock-Show mit einem Hauch Folk. Ich freue mich darauf, die neuen Songs mit der Welt zu teilen und kann es kaum abwarten. Darüber hinaus bin ich sehr happy unsere Freund*innen von “Napaea” auf der Tour dabei zu haben und unseren Tourabschluss in Wiesbaden gemeinsam mit “Matze Rossi” feiern zu dürfen.
Foto: Desiree Stoll