Hamburg – Es gibt Konzertabende, an denen ziemlich genau das passiert, was auf dem Programm steht. Und dann gibt es Helge Schneider. Am Freitagabend verwandelte der Ausnahmekünstler die Freilichtbühne im Hamburger Stadtpark einmal mehr in seine ganz eigene Welt aus Musik, Improvisation, schrägem Humor und spontaner Anarchie. Rund 2.500 Zuschauer waren dabei – und durften sich über einen sommerlichen Abend ohne Regen und mit bester Stimmung freuen.
Mit seiner aktuellen Show „Ellebogen vom Tich!“ machte Schneider von Beginn an klar, dass ein Helge-Schneider-Konzert nicht nach gewöhnlichen Regeln funktioniert. Der 70-Jährige ist dabei gleichzeitig Musiker, Entertainer, Komiker und Improvisationskünstler. Mal sitzt er am Klavier, mal greift er zur Trompete oder zum Saxofon, zwischendurch wird getrommelt – und natürlich darf auch das völlig unberechenbare Spiel mit dem Publikum nicht fehlen.
Unterstützt wurde Schneider von seinem kleinen, aber feinen Mini-Orchester. Leo am Kontrabass und Sandro an der Gitarre sorgten für das musikalische Fundament, während Helge selbst wieder einmal eindrucksvoll bewies, dass hinter dem vermeintlichen Blödsinn jede Menge musikalisches Können steckt. Jazzige Passagen wechseln sich mit absurden Geschichten ab, aus einer musikalischen Idee entsteht plötzlich eine völlig neue Nummer – und manchmal weiß offenbar nicht einmal Helge selbst, wohin die Reise als Nächstes geht.
Genau diese Unberechenbarkeit ist seit Jahrzehnten Teil seines Erfolgs. Wer bei Helge Schneider auf ein klassisches Konzert mit festgelegtem Ablauf hofft, ist vermutlich falsch. Wer sich dagegen darauf einlässt, dass ein Lied spontan unterbrochen, eine Geschichte aus dem Nichts entwickelt oder ein musikalischer Gedanke in eine völlig unerwartete Richtung gelenkt wird, kommt voll auf seine Kosten.
Dabei zeigte sich auch im Stadtpark, dass Schneider seine Rolle als Musiker durchaus ernst nimmt. Zwischen dem ganzen Quatsch blitzen immer wieder virtuos gespielte Passagen hervor. Klavier, Bläser, Rhythmus – Schneider beherrscht seine Instrumente und verbindet sein musikalisches Können mit einem Humor, der bewusst jede Erwartung unterläuft.
Das Publikum nahm diese Mischung dankbar an. Gelacht wurde mindestens genauso viel wie gestaunt, und die gute Stimmung zog sich durch den gesamten Abend. Anders als bei manch großem Open-Air-Spektakel braucht Helge Schneider weder gigantische Videowände noch aufwendige Bühneneffekte. Seine Bühne ist vor allem ein Ort für Musik, Wortwitz und spontane Ideen.
Und genau darin liegt die besondere Stärke dieses Abends: Helge Schneider braucht keinen roten Faden, weil er selbst der rote Faden ist. Er lässt sich treiben, nimmt Umwege, baut musikalische Sackgassen und findet irgendwann doch wieder zurück. Für die rund 2.500 Besucher im Hamburger Stadtpark bedeutete das einen Konzertabend, der weniger einem gewöhnlichen Auftritt als einer musikalischen Wundertüte glich.
Als der Abend schließlich zu Ende ging, blieb vor allem eines: das Gefühl, bei etwas dabei gewesen zu sein, das sich so vermutlich nicht exakt wiederholen lässt. Denn bei Helge Schneider ist jeder Abend ein bisschen anders. Und vielleicht ist genau das seit so vielen Jahren sein größtes Erfolgsrezept.
Fazit: Ein lauer, trockener Sommerabend im Stadtpark, ein gut gelauntes Publikum und ein Helge Schneider in seinem Element. Zwischen Jazz, Klamauk, Improvisation und musikalischer Klasse wurde einmal mehr deutlich: Bei Helge Schneider weiß man nie genau, was kommt – aber meistens lohnt es sich, einfach sitzen zu bleiben und sich überraschen zu lassen.
Fotocredit& Review: Sascha Beckmann