Das Zeltfestival Ruhr am Kemnader See an der Stadtgrenze von Witten/Bochum hat am 21. August wieder seine Tore geöffnet – und seitdem strömen täglich zahlreiche Besucher auf das weitläufige Festivalgelände. Am Mittwoch, den 26. August, stand mit The Butcher Sisters ein Act auf dem Programm, bei dem ziemlich schnell klar war: Hier wird es nicht lange ruhig bleiben.
Dass das Zeltfestival Ruhr bereits seit 2008 stattfindet, merkt man dem Gelände an. Alles wirkt gut durchdacht, die Wege laden zum Schlendern ein und zwischen Gastronomie, Biergarten und Bühnen gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich vor und zwischen den Konzerten aufzuhalten.
In zwei Zelten finden täglich Konzerte statt. Parallel zu The Butcher Sisters spielte im anderen Zelt der britische Indie-Pop-Sänger Tom Odell. Wer sich für welches Konzert entschieden hatte, ließ sich dabei teilweise schon auf den ersten Blick erahnen. Vor allem bei den Outfits und der T-Shirt-Auswahl gingen die Geschmäcker doch deutlich auseinander.
Trotzdem – oder gerade deshalb – ist es schön zu sehen, wie gut das gesamte Festival angenommen wird. Der frei zugängliche Biergarten war gut besucht und auch das restliche Gelände füllte sich zunehmend. Auf der Outdoor Stage sorgte Sänger Saguru für Musik, während viele Besucher entspannt durch die Gänge des Außenareals schlenderten.
Pünktlicher Start ohne Vorband
Am Nachmittag hatten die Jungs von The Butcher Sisters noch über Social Media angekündigt, dass es keine Vorband geben und die Show pünktlich um 19 Uhr beginnen würde.
Gesagt, getan: Um exakt 19 Uhr ging das große Leuchtschild mit dem TBS-Schriftzug an – und die Show startete mit „Bierosaufus Ex“.
Lange dauerte es nicht, bis das Publikum erstmals komplett eskalierte. Bereits mitten im ersten Song bildete sich eine größere Wall of Death und machte unmissverständlich klar, dass sich die Zuschauer auf einen turbulenten Abend eingestellt hatten.
Bei „UGA UGA BAM BAM“ ging Stroppo anschließend bewaffnet mit einer aufblasbaren Keule und einem aufblasbaren Hobbyhorse-Pferd auf Tuchfühlung mit den Besuchern in der ersten Reihe.
Das Showelement ist zwar längst kein neues mehr, sorgt aber zuverlässig für Bewegung und jede Menge Chaos vor der Bühne. Stroppo und Alex waren dabei wie gewohnt vollkommen in ihrem Element.
Während Stroppo passend zu Songs wie „Bierosaufus Ex“ oder „Bierdurst“ die eine oder andere Bierdose auf der Bühne vernichtete, kümmerte er sich gleichzeitig darum, dass auch im Publikum ausreichend Bier ankam.
Bei Crazy Frog zeigt sich das Publikum „textsicher“
The Butcher Sisters waren in diesem Jahr auf zahlreichen Festivals unterwegs. Wer die Band bereits dort erlebt hatte, konnte unter anderem die eigene Version des „Crazy Frog“ schon live kennenlernen.
Inzwischen wurde der Song auch offiziell veröffentlicht – und durfte natürlich beim Auftritt am Kemnader See nicht fehlen. Für viele dürfte der Crazy Frog eine echte Kindheitserinnerung sein. Entsprechend textsicher zeigte sich das Publikum – zumindest soweit der Text das überhaupt zulässt. Die Mischung aus Nostalgie, völligem musikalischem Wahnsinn und TBS-Humor funktionierte jedenfalls hervorragend.
Eine Änderung beim Ablauf des Konzerts gab es ebenfalls: Auf Wunsch der Band wurde der klassische Applaus nach den Songs kurzerhand gegen einen Daumen nach oben eingetauscht.
Das Bananenboot und die Säule
Dass eine TBS-Show zwar einem festen Grundkonzept folgt, aber trotzdem jederzeit völlig anders laufen kann, zeigte sich wenig später.
Nur wenige Meter von der Bühne entfernt stand eine große Säule, die als Stütze des Zeltes diente. Eigentlich kein Problem – bis Stroppo für „Klettergerüst“ mit einem großen Bananenboot über die Menge fahren wollte.
Offenbar fiel die Säule erst nach einigen Metern auf der Menge so richtig ins Blickfeld. Der geplante Ablauf musste deshalb kurzerhand pausieren. Statt einfach weiterzumachen, kletterte Stroppo auf die Säule und verschaffte sich von dort aus noch einmal die nötige Position für einen ordentlichen Sprung auf das Bananenboot.
Genau diese Momente machen eine Show von The Butcher Sisters aus. Das Grundkonzept der Show verändert sich natürlich nicht komplett. Doch es sind die kleinen, unvorhersehbaren Situationen, die eine TBS-Show jedes Mal einzigartig machen.
Und offenbar hatte man von der Reise mit dem Bananenboot auch einen guten Überblick über das Zelt. Denn eine weitere Säule hinten im Publikum erwies sich kurzerhand als perfekter Ort, um einen großen Circlepit zu starten. Das Publikum wurde noch einmal ordentlich auf links gedreht.
Ein Drache zum großen Finale
Nach reichlich Bewegung, Bier und völligem Chaos näherte sich die Show schließlich ihrem Ende. Als Zugabe stand „Drachentöter“ auf dem Programm – und damit ein würdiges Finale.
Dabei wurde sogar gemunkelt, dass es sich bei dem Drachen um ein echtes Exemplar gehandelt haben soll, das von Alex höchstpersönlich erlegt wurde.
Skeptiker behaupten zwar, es sei lediglich Stroppo in einem Drachenkostüm gewesen. Von solchen Behauptungen sollte man sich allerdings besser distanzieren.
Ein kleiner Wermutstropfen
Einen kleinen Wermutstropfen gab es an diesem Abend allerdings: Die tatsächliche Spielzeit fiel kürzer aus als zuvor von der Band angekündigt. Als das Licht im Zelt wieder anging, waren daher viele Besucher durchaus überrascht.
Gerade weil einige Songs, auf die sich bestimmt einige Fans gefreut hatten, nicht mehr ins Set passten. „Rainer“ oder „Baggersee“ blieben an diesem Abend beispielsweise außen vor. Besonders das riesige aufblasbare Baby, dass bei Rainer über die Menge getragen wird – zählte auf der Tour oft zu einem der Highlights.
Trotzdem hinterließen The Butcher Sisters auch beim Zeltfestival Ruhr den Eindruck, den man von ihren Konzerten inzwischen gewohnt ist: eine Mischung aus Party, völliger Eskalation, absurden Showelementen und einer ordentlichen Portion Selbstironie.
Dass dabei nicht immer alles exakt nach Plan läuft, gehört hier schon zum Konzept und wird fast erwartet. Ich kann bestätigen, dass auch bekannte Showelemente oder auch die teilweise völlig absurden Dialoge auf der Bühne, immer wieder für beste Unterhaltung sorgen.
Das TBS-Tourjahr 2026 biegt auf die Zielgerade ein
Mit dem Auftritt beim Zeltfestival Ruhr biegt die TBS-Tour 2026 langsam auf die Zielgerade ein. Nur noch zwei weitere Festivalauftritte sowie die beiden großen Heimspiele in Mannheim stehen auf dem Programm, bevor sich die Jungs zumindest kurzzeitig eine Pause gönnen können. Allzu lange wird diese allerdings nicht dauern. Bereits im Januar geht es mit der „Lustigen Spaßtour 2027“ weiter. Viele Termine sind bereits ausverkauft.
Was die neue Tour mit sich bringen wird, bleibt abzuwarten. Vermutlich werden wieder neue Liveelemente auf altbekannte TBS-Ansagen treffen – und genau daraus dürfte erneut die Mischung entstehen, für die The Butcher Sisters mittlerweile bekannt sind.
Denn eines hat auch der Abend am Kemnader See wieder gezeigt: Bei TBS kann man zwar ungefähr absehen, welcher Song als Nächstes kommt. Was auf dem Weg dorthin passiert, weiß aber vermutlich nicht einmal die Band selbst.
Fotocredit: Fabian Hafels