Es ist ein Satz, bei dem man kurz stolpert: „Thank You“ von Mike D 5D ist das erste vollständige Album mit neuer Musik eines Beastie-Boys-Mitglieds seit „Hot Sauce Committee Part 2“ von 2011. Allein das macht diese Platte automatisch größer als ein weiteres Solo-Experiment aus dem erweiterten Hip-Hop-Universum. Statt nostalgischer Rückschau liefert Mike D aber ein erstaunlich leichtfüßiges Gegenwartsstatement: ein Dutzend post-elektronischer Grooves, verspielter Beats und hypnotischer Hooks, die sich hörbar weigern, in eine klare Schublade zu rutschen – getragen von dieser nach wie vor sofort erkennbaren Stimme, die sich eher durch ein akustisches Spielfeld bewegt, als einfach nur Songs abzuarbeiten.
Schon die Vorboten zeigen, wohin die Reise geht: „Switch Up“ wurde treffend als verspielte, beat-getriebene Collage beschrieben, „What We Got“ als klassisch-bombastischer, vor Energie sprühender Track – zwei Seiten einer Medaille, die mehr mit intuitiver Studioalchemie als mit einem strategisch durchgeplanten Comeback-Plan zu tun hat. Entstanden ist „Thank You“ aus entspannten, experimentellen Sessions in Mike Ds Heimstudio, zunächst gemeinsam mit seinen Söhnen Skyler und Davis. Aus dieser familiären Keimzelle entwickelte sich ein loses Netzwerk von Kollaborationen mit unter anderem Carter Lang, Jared Solomon, Ging, Jason Lader, Eddie Ruscha und Tyran Donaldson – ein Kreis, der eher nach Freundes- und Vertrauenszone klingt als nach Feature-Liste.
Diese flüssige, fast beiläufige Entstehung prägt auch den Charakter des Albums: „Thank You“ wirkt wie ein dokumentierter Flow-Zustand, nicht wie ein Denkmal für vergangene Größe. Das spiegelt sich auch im Artwork wider, das gemeinsam mit Can Can Press, Thad Higa und Charles Deroyan entstand und die eklektische, offene Haltung der Musik visuell weiterdenkt. Mike D selbst betont, wie sehr er den Prozess genossen hat – Musik mit Menschen zu machen, die er liebt, ohne den Druck, einem bestimmten Erwartungshorizont entsprechen zu müssen. Gleichzeitig ist ihm bewusst, in welcher Gegenwart diese Tracks landen: einer „seltsamen, dunklen und machtfixierten Welt“, die Kunst, Gefühle, Empathie und Gleichberechtigung entwertet. „Thank You“ versteht sich vor diesem Hintergrund als Einladung, es nicht zu ernst zu nehmen – und gerade darin ernsthaft zu bleiben.
Abgerundet wird das Ganze von einem Team, das weiß, wie man Klangräume baut: Derek „MixedByAli“ Ali verantwortet den Mix, Nicolas de Porcel das Mastering. Das Ergebnis: ein Album, das sich weniger wie ein Nachwort zur Beastie-Boys-Geschichte anfühlt, sondern wie ein offenes „Wie geht’s weiter?“ – mit einem Dankeschön im Titel und genug Neugier in jeder Spur, um darauf eine eigene neue Ära aufzubauen.
Fotocredit: Universal