„Cockdust“ ist ein kraftvoller und stimmungsvoller neuer Track, der den Beginn eines neuen Kapitels markiert – ein eindrucksvolles, sich langsam aufbauendes Stück, das um einen pulsierenden Synthesizer, Tubular Bells und ein Gitarrenriff im Spaghetti-Western-Stil herum aufgebaut ist, die sich durch den gesamten Track ziehen. Wenn ANYX’ androgyne Stimme einsetzt, rauchig und überirdisch, schwillt der Song an und wogt um Texte herum, die sich auf die alten Worte von Julian von Norwich stützen.
Julian von Norwich war eine Anchoress (weibliche Einsiedlerin) und die erste bekannte Frau, die ein Buch in englischer Sprache schrieb: „Revelations of Divine Love“. Der Song zeichnet einen Moment der Nahtoderfahrung und Wiedergeburt nach, eingefangen in dem Schwebezustand des „Unborn but not yet dead“. Er lässt sich von der Vorstellung inspirieren, dass Frauen immer noch auf der Suche nach unseren eigenen „Kostümen“ sind – solchen, die nicht von Männern definiert werden, wobei der Text von einer leise schwelenden Wut widerhallt.
„Für mich ist es ein Lied darüber, zu lernen, sich selbst zu vertrauen – seinen eigenen Weg, seinen eigenen Entscheidungen. Eine Frau in den Dreißigern, die an sich selbst zweifelt, aber den Mut findet, ihren eigenen Plänen zu folgen – damit kann ich mich wirklich identifizieren. Ich glaube, viele Frauen können das.“ (ANYX)
Der Titel „Cockdust“ hat seine eigene Geschichte: Er gab dem einzigen Album seinen Namen, das Nissen unter dem Pseudonym Anchoress veröffentlichte, obwohl der Song gar nicht auf der Platte zu finden ist. Mit der Veröffentlichung als ANYX wird „Cockdust“ nun zu einem symbolischen Übergangspunkt, der Vergangenheit und Zukunft verbindet, während sie als Solokünstlerin in eine beeindruckende neue Schaffensphase eintritt.
ANYX ist das Musikprojekt der in Berlin lebenden Komponistin und Sängerin Anna Lucia Nissen, die sich zwischen experimentellem Pop, ätherischen Klanglandschaften und Performancekunst bewegt. Ausgehend von einem magnetischen Gesang erschafft sie einen Sound, der filmische Texturen mit hypnotischer Intensität verschmelzen lässt und in dem Momente von Verletzlichkeit und Intensität nebeneinander existieren.
Auf der Bühne verwandelt sie Konzerte in eindringliche, performative Erlebnisse, in denen Bewegung und Präsenz ebenso wesentlich sind wie der Klang. In ihren Arbeiten erforscht sie die Zerbrechlichkeit menschlicher Erfahrung und die durchlässige Grenze zwischen menschlichem und nichtmenschlichem Leben.
Ihr androgyner Gesang – oft mit Anohni oder Scott Walker verglichen – wandelt sich durch wechselnde Intonationen und Ausdrucksformen, nimmt unterschiedliche Persönlichkeiten und Egos an. Als lebendiges, atmendes Instrument bewegt sich ihre Stimme mühelos zwischen Kraft und Zärtlichkeit und eröffnet liminale Räume, in denen das Transzendente und das Unbegreifliche nebeneinander existieren.
„Cockdust“ ist der Auftakt zu einem neuen Werk, das sich in den kommenden Monaten entfalten wird.
Fotocredit: Thomas Künzel