Mit „Ins Blau“ legen KIND KAPUTT ihr bislang wohl persönlichstes und zugleich konsequentestes Album vor. Während das Debüt „Zerfall“ noch stark von roher Wut, sperriger Härte und einem fast schon überbordenden Drang zur Eskalation lebte, und „Morgen ist auch noch kein Tag“ die Band in Richtung melodischerer, zugänglicherer Strukturen öffnete, wirkt das neue Werk wie eine bewusste Reduktion auf das Wesentliche.
Weniger Konfrontation, weniger theatrale Zuspitzung – dafür mehr Klarheit, mehr innere Spannung und deutlich mehr emotionale Selbstbeobachtung.
„Ins Blau“ fühlt sich nicht mehr wie ein Aufschrei an, sondern wie ein Innehalten. KIND KAPUTT verabschieden sich hier spürbar von dem Bedürfnis, sich ständig beweisen zu müssen, und richten den Blick stärker nach innen und zu sich selbst. Die Musik ist weiterhin druckvoll, aber kontrollierter, weniger von Ausbrüchen geprägt und stärker von Atmosphäre und Struktur getragen. Im Vergleich zu „Zerfall“ fehlt stellenweise die rohe Aggression, was Fans der frühen Phase möglicherweise vermissen könnten – gleichzeitig gewinnt das Album dadurch an Tiefe und Nachhaltigkeit.
Auch im Vergleich zu „Morgen ist auch noch kein Tag“ wirkt „Ins Blau“ reifer. Wo das zweite Album noch zwischen Hoffnung, Ironie und Aufbruch pendelte, dominiert hier ein Gefühl von stiller Unsicherheit und Selbstreflexion. Die Band klingt weniger nach Aufbruch und mehr nach Standortbestimmung.
Musikalisch haben KIND KAPUTT ihren Sound deutlich gestrafft. Statt komplexer Umwege stehen klare Akkorde, reduzierte Arrangements und ein Fokus auf Gesang und Dynamik im Vordergrund.
In der Gesamtbetrachtung ist „Ins Blau“ kein Album, das auf schnelle Hits oder maximale Wirkung setzt. Es verlangt Aufmerksamkeit, Geduld und eine gewisse Bereitschaft zur Selbstprojektion. Wer die chaotische Wucht von „Zerfall“ sucht, wird hier vielleicht weniger bedient. Wer jedoch die Entwicklung der Band nachvollziehen möchte, bekommt mit „Ins Blau“ ein geschlossenes, ehrliches und erwachsenes Werk, das KIND KAPUTT nicht als laute Hoffnungsträger*innen, sondern als reflektierte Stimmen einer verunsicherten Generation zeigt.
Frontstage Magazine präsentiert:
24.01.26 – (DE) Leipzig, Werk 2 // ALBUM RELEASE SHOW (Support: Shoreline)
11.03.26 – (DE) Hannover, Lux
12.03.26 – (DE) Berlin, Frannz
13.03.26 – (DE) Nürnberg, Club Stereo
14.03.26 – (DE) München, Strom
15.03.26 – (DE) Stuttgart, Wizemann Studio
18.03.26 – (DE) Frankfurt, Das Bett
19.03.26 – (DE) Köln, Club Volta
20.03.26 – (DE) Hamburg, Nochtspeicher
21.03.26 – (DE) Osnabrück, Westwerk
Fotocredit: @luk.vasi