Mit „Eingenordet“, das an diesem Freitag, dem 09. Januar, erscheint, schlagen Versengold das nächste große Kapitel ihrer über zwanzigjährigen Bandgeschichte auf. Das zwölfte Studioalbum entstand an verschiedenen Orten im Norden – bewusst nah an der Heimat, bewusst nah am eigenen Ursprung. Herausgekommen ist ein Werk, das die musikalische Reifung der Band eindrucksvoll bündelt und zugleich ihre gewachsene Identität klarer denn je zeigt. Im Interview spricht die Band offen über kreative Prozesse, die Bedeutung ihres Produzenten Hannes Braun, die besondere Rolle des neuen Logbuchs und darüber, wie sich ihre interne Dynamik über die Jahre verändert hat. Außerdem geben Versengold einen Ausblick darauf, was Fans 2026 erwarten dürfen – ein Jahr, das für die Band zum bisher größten ihrer Karriere werden könnte.
Frontstage Magazine: Mit „Eingenordet“ beginnt für euch ein neues Kapitel. Wie würdet ihr beschreiben, was dieses Album in Bezug auf eure musikalische und persönliche Weiterentwicklung bedeutet?
Versengold: Eingenordet ist inzwischen schon unser zwölftes Studioalbum. Es ist das Ergebnis einer langen und ziemlich bewegten Bandgeschichte und markiert so ein bisschen den aktuellen Endpunkt einer Stilfindungsreise, die sich über viele Jahrzehnte gezogen hat – das kann man inzwischen wirklich so sagen. Wir sind jetzt an einem Punkt angekommen, an dem wir nicht nur Neues ausprobieren, sondern das auch direkt so ausarbeiten können, dass es reif und rund klingt – sowohl im Sound als auch in den Kompositionen. Wir haben außerdem ein festes Team gefunden, mit dem wir richtig gut zusammenarbeiten. Allen voran Hannes Braun, unser Produzent – mit ihm läuft die Arbeit einfach hervorragend. Dadurch haben wir in den letzten Jahren einen sehr eigenen, klar erkennbaren Versengold-Sound entwickelt. Und genau dieser Sound spiegelt sich auch auf dem neuen Album ganz deutlich wider. Kurz gesagt: Das ist Versengold pur – musikalische Identität in Reinform.
Frontstage Magazine: Ihr habt das Album über viele Monate hinweg an unterschiedlichen Orten im Norden geschrieben und aufgenommen. Was hat diese besondere Arbeitsweise mit eurer Kreativität und eurem Zusammenhalt als Band gemacht?
Versengold: Diese Arbeitsweise an verschiedenen Orten im Norden ist zunächst aus einer praktischen Notwendigkeit entstanden. Inzwischen sind drei Mitglieder der Band Familienväter, sodass längere Reisen in Studios nach Süddeutschland oder ins europäische Ausland nicht mehr ohne Weiteres möglich sind. Uns war es daher wichtig, räumlich in der Nähe zu bleiben. Was anfangs vor allem eine logistische Herausforderung war, haben wir bewusst zu einer Stärke gemacht. Schließlich sind wir in unserer Identität stark im Norden verwurzelt und haben das im Laufe unserer Bandgeschichte immer wieder betont. Vor diesem Hintergrund passt es sehr gut zum Geist der Band, ein Album in der Region zu schreiben, aus der wir kommen, und dabei an unterschiedlichen Orten zu arbeiten. Für den kreativen Prozess war diese Herangehensweise äußerst bereichernd. Die wechselnden Orte brachten unterschiedliche Eindrücke, Erlebnisse und Impulse mit sich, die neue Ideen ermöglicht haben. Das ist etwas, das oft nicht in gleicher Weise entsteht, wenn man über lange Zeit an nur einem Ort arbeitet und sich dadurch kreativ festfährt. In diesem Fall ist genau das zum Glück nicht passiert – im Gegenteil: Die Vielfalt der Orte hat sich als großer Gewinn für das Album erwiesen.
Frontstage Magazine: Zum ersten Mal präsentiert ihr ein Album, das als großes Gesamtbild eurer Band gedacht ist. Wie schwer oder leicht war es, eine gemeinsame künstlerische Richtung zu finden, die für alle richtig war?
Versengold: Das Finden einer gemeinsamen musikalischen Richtung ist für uns natürlich eine große Herausforderung. Wir sind sechs Bandmitglieder, unterscheiden uns im Alter, in unseren musikalischen Vorlieben und auch in unseren Vorstellungen davon, wie Songs klingen sollen. Im Laufe der Zeit haben wir jedoch eine Konfliktkultur entwickelt, die so tragfähig ist, dass wir diese Unterschiede konstruktiv zusammenbringen können. Dadurch gelingt es uns, Kompromisse zu finden, hinter denen am Ende wirklich alle stehen. Inzwischen sind wir darin auch entsprechend geübt. So ist es uns auch dieses Mal wieder gelungen, ein Album zu schaffen, bei dem wir am Ende geschlossen sagen können: Das fühlt sich richtig an, das ist gut, und dafür stehen wir alle ein. Genau mit diesem Album wollen wir nun auch auf Tour gehen.
Frontstage Magazine: Euer Produzent Hannes Braun war über den gesamten Entstehungsprozess hinweg an eurer Seite. Welche Rolle hat er dieses Mal gespielt – und wie hat seine Arbeit den Sound von „Eingenordet“ beeinflusst?
Versengold: Hannes ist bereits seit einiger Zeit als Produzent Teil unserer Arbeit. Erste Berührungspunkte gab es schon 2019 bei Nordlicht, damals noch als Mitglied eines Produktionsteams. Ab Was kost die Welt hat er dann die Rolle des alleinigen Produzenten übernommen. Hannes ist ein sehr aktiver Produzent, der sich intensiv in den kreativen Prozess einbringt – und genau das ist von uns auch ausdrücklich gewünscht. Als Band haben wir viele starke Meinungen und einen hohen kreativen Output. Umso wichtiger ist es, jemanden dabei zu haben, der sich nicht nur einbringt, sondern die unterschiedlichen Ideen bündelt, auf eine gemeinsame Linie führt und dabei eine gewisse Außenperspektive einnimmt. In dieser Rolle wirkt Hannes gewissermaßen als unparteiische Instanz, die gruppendynamische Prozesse ausgleicht und Spannungen auflöst. Die Bedeutung eines Produzenten hat für uns daher mehrere Ebenen: eine kreative, eine produktive und eine soziale. Hannes erfüllt all diese Aspekte in besonderem Maße. Er ist äußerst leistungsstark, arbeitet mit großem Einsatz und Tempo und ist zugleich ein sehr guter Vermittler. Vor allem aber schafft er es, schnell und auf hohem Niveau Ergebnisse zu produzieren. Genau diese Kombination ist es, die wir für unsere Arbeit brauchen.
Frontstage Magazine: Im Boxset erscheint ein Logbuch, das die Entstehung des Albums dokumentiert. Was hat euch dazu bewegt, diesen Einblick zu geben – und wie wichtig ist euch Transparenz gegenüber euren Fans?
Versengold: Für das Logbuch brauchte es eigentlich keinen besonderen Anlass. Als Band haben wir schon immer großen Wert darauf gelegt, unseren Fans Einblicke in unsere Arbeit zu geben. Nicht zuletzt über YouTube, wo wir mit Versengold-TV seit vielen Jahren regelmäßig – teilweise sogar wöchentlich – unser Tourleben dokumentieren. Offenheit gegenüber unserem Publikum gehört für uns ganz selbstverständlich dazu, ebenso der Blick hinter die Kulissen. Auch in der Vergangenheit haben wir dieses Prinzip bereits aufgegriffen, etwa indem wir limitierten Fanboxen zusätzliche Dokumentationen beigelegt haben. Vor diesem Hintergrund lag es nahe, diesen Gedanken erneut aufzugreifen – gerade jetzt, wo wir ein Album geschaffen haben, das unserer Heimat gewidmet ist und an verschiedenen Orten im Norden entstanden ist. Mit dem Logbuch wollten wir den Hörerinnen und Hörern die Möglichkeit geben, diesen Entstehungsprozess auch visuell und inhaltlich nachzuvollziehen. Die Fanbox ist damit bewusst als eine Art Rundum-Erlebnis konzipiert: Neben der Musik gibt es etwas zu sehen und etwas zu lesen, sodass man einen tieferen Einblick in unsere Gedanken, Ideen und Arbeitsweisen erhält.
Frontstage Magazine: Die vielen Bandcamps und das intensive gemeinsame Arbeiten scheinen eine neue Dynamik in der Gruppe geschaffen zu haben. Wie hat sich eure interne Kommunikation und Rollenverteilung dadurch verändert?
Versengold: Wir sind inzwischen ein sehr eingespieltes Team. Die Band besteht seit 2003, und in der aktuellen Besetzung arbeiten wir seit 2015 zusammen. Entsprechend gut kennen wir uns, sodass man bei diesem Album kaum von einer grundlegend neuen Dynamik sprechen kann. Es ist unser zwölftes Studioalbum, und die internen Abläufe sowie Dynamiken haben sich über die Jahre etabliert und bewährt. Statt einer neuen Dynamik würde ich eher von einer gewissen Routine sprechen, die jedoch durch die besondere Produktionsweise in der heimischen Umgebung zusätzlich inspiriert wurde. An unserer internen Kommunikation hat sich dabei wenig verändert. Vielmehr sind wir darin sehr geübt, Konflikte offen zu benennen, auszudiskutieren und konstruktiv zu lösen – diesen Prozess haben wir im Rahmen der Albumarbeit weiter verfeinert. Auf diese Weise ist ein Album entstanden, das von einem besonders vielfältigen kreativen Input geprägt ist. Dabei haben sich auch Bandmitglieder stärker eingebracht, die zuvor auf kreativer Ebene vielleicht weniger im Vordergrund standen. Das freut mich persönlich sehr. Wenn man überhaupt von einer Veränderung in der Dynamik sprechen möchte, dann darin, dass wirklich alle ihre kreativen Ideen einbringen konnten. In diesem Sinne ist dieses Album ein echtes Gemeinschaftsprodukt – ein Versengold-Album im besten Sinne.
Frontstage Magazine: Nach über zwanzig Jahren Bandgeschichte befindet ihr euch erneut an einem Wendepunkt. Welche Erwartungen habt ihr an die kommende Ära von Versengold – und worauf dürfen sich eure Fans 2026 besonders freuen?
Versengold: Mit Versengold haben wir natürlich auch weiterhin viel vor. Zunächst gehen wir mit dem neuen Album auf große Tournee. Im kommenden Frühjahr steht die bislang größte Tour in der Bandgeschichte an. Wir spielen in sehr schönen Hallen und kleineren Arenen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das ist für uns ein großer Meilenstein und zugleich das Erste, worauf wir uns im Jahr 2026 ganz besonders freuen. Natürlich hoffen wir auch, dass sich unsere Fans ebenso darauf freuen. Im Anschluss folgt eine außergewöhnliche Open-Air-Saison mit vielen besonderen Veranstaltungen, die sich teilweise deutlich von den Vorjahren unterscheiden. Dazu zählen unter anderem Premieren wie das Tollwood Festival in München oder der Gießener Kultursommer. Außerdem spielen wir erneut in Dresden im Weißen Hirsch sowie unter anderem in Rostock und Trier. Viele dieser Open-Air-Termine finden nicht im Rahmen klassischer Festival-Line-ups statt, sondern als eigenständige Versengold-Konzerte. Das bedeutet, dass das Publikum dort die komplette Tour-Show erleben kann. Genau darauf freuen wir uns im Sommer ganz besonders. Und danach geht es im Grunde auch schon weiter. Wie man so schön sagt: Nach dem Album ist vor dem Album. Es darf also auch in den kommenden Jahren mit Spannung gerechnet werden.
| 05.03.2026 | VERSENGOLD | CH | Zürich | Komplex 457 | Special Guest: Kupfergold | LINK |
| 06.03.2026 | VERSENGOLD | AT | Linz | Posthof | Special Guest: Kupfergold | LINK |
| 07.03.2026 | VERSENGOLD | AT | Wien | Gasometer | Special Guest: Kupfergold | LINK |
| 13.03.2026 | VERSENGOLD | DE | Leipzig | Haus Auensee | Special Guest: Saint City Orchestra | LINK |
| 14.03.2026 | VERSENGOLD | DE | Essen | Grugahalle | Special Guest: Saint City Orchestra | LINK |
| 20.03.2026 | VERSENGOLD | DE | Flensburg | Deutsches Haus | Special Guest: Kupfergold | LINK |
| 21.03.2026 | VERSENGOLD | DE | Bremen | Pier 2 | Special Guest: Kupfergold | LINK |
| 27.03.2026 | VERSENGOLD | DE | Lingen | Emsland Arena | Special Guest: Kupfergold | LINK |
| 28.03.2026 | VERSENGOLD | DE | Aurich | Sparkassen Arena | Special Guest: Kupfergold | LINK |
Fotocredit: @ichbinkreativ.los