Auch der zweite Festival Tag verlieft reibungslos. Das Wetter spielte wieder mit und zeigte sich von seiner besten Seite. Nicht nur die Sonne, auch das Publikum strahlte vor der Bühne.
Der Tag beginnt mit einer kalten Dusche. Nach dem Frühstück geht es wieder los im Infield und es startete direkt mit einer Überraschung. Zur Erklärung: Ich fahre auf ein Festival um Musik zu hören und meine Lieblingsbands zu sehen. Dann ist es immer wieder interessant neue Bands kennenzulernen.
Am heutigen Tage war es Betontod. Den Namen hatte ich schon gehört aber ich hatte eine ganz andere Vorstellung von der Musik. So wurde ich von Deutsch-Punk positiv überrascht. Auf der Bühne Schutt und Asche und ein umgedrehtes Polizeiauto – einfallsreich.

Aber für mich stand der Tag ganz klar im Zeichen der Donots, zur Zeit meine liebste Liveband, die Nummer eins der Punkrocker aus Deutschland. Zuerst der Secret Gig in der Jever Hafenbar und dann am frühen Abend der zweite Auftritt auf der Fire Stage. Die Brüder Ingo und Guido sprühen vor Energie und reißen das Publikum von der ersten Sekunde mit. Gesänge, Crowdsurfen, Circle Pit, alles dabei was das Live Herz höher schlagen lässt. Immer wieder kommt Sänger Ingo auf neue Idee und überlegt sich etwas besonders für die jeweilige Show. Heute durfte eine Pflanze aus dem Backstage auf das große Feld, wurde vom Publikum quasi crowdsurfend ausgeführt und anschließend brav wieder zur Bühne getragen. Das Konzert ist für mich schon jetzt das Highlight des Festivals.

Big Special sollte im Palastzelt spielen, dort angekommen stand ich allerdings vor einer komplett leeren Bühne – ungewöhnlich. Eine Durchsage vor Ort erklärte, dass die Band es aufgrund Anreiseprobleme nicht rechtzeitig zum Festival geschafft hatte. Ebenso erging es MilleniumKid– seine Band steckte noch in der Schweiz fest. Der Sänger zog das Konzert aber Solo mit Playbackrhythmus durch, Respekt.
Dann habe ich noch einen Flashback erlebt, in dem ich bei Tokio Hotel reingehört bzw. geschaut habe. Die Musik immer noch Rock lastig und die Show ganz auf Bill Kaulitz zugeschnitten, wirklich sehenswert. In diesem Jahr ging alles reibungslos und ohne technische Probleme über die Bühne – zur sichtlichen Erleichterung der Band.
Nach Tokio Hotel spielte Cro auf der anderen Hauptbühne. Seine Musik finde ich recht cool und kompositorisch ausgefeilt. Live ging das jedoch etwas unter, der Stimmung im gut gefüllten Infield tat dies keinen Abbruch. Klassiker wie Easy oder Hi Kids wurden ordentlich mitgeträllert.
Erwähnen möchte ich noch Il Civetto. Ruhige Popmusik die zu Hause zum Chillen einlädt. Eine ganz schön gestellte Licht- und Bühnenshow rundetet das Bild eines guten Konzertes ab. Eine Band, die auf jeden Fall weiterzuempfehlen ist und sich einen Platz in meiner Playlist erschlichen hat.

Am Abend dann die zweite Überraschung Culcha Candela. Vor vielen Jahren sah ich die Band als Support der Fantastischen Vier. Dort erlebte ich damals eine Urform von „to the left, to the right“ und wollte nun wissen was aus der „Hammer“ Formation geworden ist. Das Palastzelt war überfüllt, es wollten sogar nochmal so viele Leute rein und die Show nahm ihren Lauf. Die Band kam sichtlich gut gelaunt und vielleicht sogar ein klein wenig positiv überrascht über den Andrang, auf die Bühne und wurden von Tänzerinnen begleitet, die fast die ganze Show untermalten. Das Publikum war frenetisch und textsicher dabei und die Stimmung und das Konzert musste nur kurzzeitig unterbrochen werden, da die fordere Tribüne kurz zu sehr mit wippte und kurzerhand geräumt wurde. Als Zugaben kamen dann die Hits Hamma und Monsta, der Abend war eigentlich viel zu schnell zu Ende. Für mich schon an Platz zwei bei meinen Highlights des Festivals.

Kurz vorm Schlafen gehen noch eine Größe, die aus der Alternative Rock Szene nicht mehr wegzudenken ist. Kings of Leon überzeugte mit alten Klassikern wie Closer und neuen Songs das brav lauschende Publikum.
Text: Manfred Lippke
Fotocredits: Johanna Lippke