Mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum „Pain Gain“ schlagen Pain Gain einen völlig neuen Weg ein. Das Trio um Chloe Kaul, Hamish Lefevre und Samuel Cooke lässt seine elektronischen Wurzeln bewusst hinter sich und präsentiert stattdessen ein Album, das sich irgendwo zwischen Indie-Rock, atmosphärischem Pop und experimentellen Klanglandschaften bewegt.
Dabei entsteht ein Werk, das weniger auf schnelle Eingängigkeit setzt, sondern vielmehr von Emotionen, Dynamik und Atmosphäre lebt.
Von der ersten bis zur letzten Minute wirkt „Pain Gain“ erstaunlich geschlossen. Statt einzelne Stilrichtungen in den Vordergrund zu stellen.
Besonders überzeugend ist die Authentizität, die das Trio ausstrahlt. Nichts wirkt künstlich oder auf Radiofreundlichkeit getrimmt. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass die Songs genau so klingen sollten – mit all ihren kleinen Ecken, Kanten und bewusst zugelassenen Unperfektheiten. Gerade dieser organische Charakter verleiht dem Album seine besondere Identität.
Auch inhaltlich bewegt sich „Pain Gain“ fernab einfacher Antworten. Die Texte setzen sich mit Identität, Veränderung, mentaler Belastung und persönlichen Umbrüchen auseinander, ohne dabei belehrend oder überdramatisch zu wirken. Stattdessen entfaltet sich über die gesamte Spielzeit eine dichte, fast melancholische Atmosphäre, die hervorragend mit der musikalischen Ausrichtung harmoniert.
Allerdings verlangt das Debüt auch Geduld. Wer eingängige Hooks oder offensichtliche Höhepunkte erwartet, wird sich zunächst schwertun. Viele Momente erschließen sich erst nach mehreren Durchläufen, wodurch das Album zwar nachhaltig wächst, beim ersten Hören aber etwas distanziert wirken kann. Gerade deshalb dürfte „Pain Gain“ eher Hörer*innen ansprechen, die sich gerne intensiv mit einem Album beschäftigen.
Am Ende überzeugt das Debüt vor allem als geschlossenes Gesamtwerk. Pain Gain verzichten bewusst auf musikalische Effekthascherei und konzentrieren sich stattdessen auf Atmosphäre, Emotionen und ein starkes Zusammenspiel der drei Musiker*innen. Das Ergebnis ist ein mutiges, eigenständiges Album, das nicht jedem sofort gefallen wird, aber genau dadurch einen bleibenden Eindruck hinterlässt.
Fotocredit: Albumcover / Artwork