Am 17. April 2026 verwandelten Only The Poets das Kölner Carlswerk Victoria in ein Epizentrum moderner Indie-Pop-Kultur. Auf der dritten Station ihrer Tour zum brandneuen Debütalbum „And I’d Do It Again“ bewiesen Only The Poets eindrucksvoll, warum sie längst kein Geheimtipp mehr sind. Mit einem nahezu ausverkauften Haus und einer Energie, die schon Stunden vor dem ersten Ton die Luft zum Vibrieren brachte, feierte die Band aus Reading gemeinsam mit ihrer Fangemeinde eine Show, die sowohl durch musikalische Präzision als auch durch tiefe menschliche Nahbarkeit bestach.
Fannähe als Erfolgsrezept: Ein Nachmittag voller Vorfreude
Bereits zur Mittagszeit zeichnete sich ab, dass dieser Freitagabend außergewöhnlich werden würde. Eine beachtliche Schlange geduldiger Menschen in farbenfrohen Outfits und mit strahlenden Gesichtern zog sich um das Gelände. Dass Only The Poets bereits ab 15 Uhr für Autogrammwünsche zur Verfügung standen und damit ihre tiefe Verbundenheit zur Basis demonstrierten, steigerte die Vorfreude ins Unermessliche. Als dann auch noch der erste Support-Act Tommy Lyon kurz vor Einlass um 19 Uhr Flyer in der Menge verteilte, war das Eis endgültig gebrochen.
Emotionaler Pop und schottische Authentizität mit Tommy Lyon und Murdo Mitchell
Pünktlich um 19:30 Uhr eröffnete Tommy Lyon den Abend vor einer bereits dicht gefüllten Kulisse. Bekannt durch gefühlvolle TikTok-Cover, präsentierte das aufstrebende Talent aus Großbritannien eindrucksvoll eigenes Material. Mit atmosphärischem Emotional-Pop und einer stimmlichen Präsenz, die unter die Haut ging, eroberte Lyon die Herzen der Kölner Crowd. Besonders beim brandneuen, noch unveröffentlichten Song „Hotel Room“ und einem Meer aus Handy-Taschenlampen zeigte sich das Publikum von seiner besten Seite – ein Einstand nach Maß, der mit lautstarkem Applaus belohnt wurde.
Nahtlos übernahm der schottische Musiker Murdo Mitchell das Zepter. Nur mit einer Akustikgitarre und einer markanten, angenehm rauen Stimme bewaffnet, füllte Mitchell den Raum mit einer beeindruckenden Intensität. Selbst eine gerissene Saite beim zweiten Song konnte den Spielfluss nicht stoppen; mit trockenem Humor und spielerischer Eigenwerbung überbrückte das Ausnahmetalent die Pause souverän. Zwischen introspektivem Indie-Folk und mitreißenden Cover-Einlagen bewies Mitchell ein enormes Potenzial, das das Publikum perfekt für den Hauptact aufwärmte.
Only The Poets: Zwischen Euphorie und Gänsehaut
Um 21 Uhr war es schließlich soweit: Nach dem epischen Intro „And I’d Do It Again“ betraten Only The Poets die Bühne, und der Lärmpegel im Carlswerk erreichte augenblicklich eine neue Dimension. Die Band, die 2017 von Tommy Langhurst, Andrew Burge, Marcus Yates und (seit 2021) Clem Cherry gegründet wurde, startete mit dem Song „I Keep On Messing It Up“ aus ihrem neuen Album, welcher zum ersten Mal an diesem Abend die Wände der Konzerthalle beben ließ. Dieser Song verkörpert perfekt das zentrale Thema der Band: Das Akzeptieren menschlicher Unvollkommenheit. Was folgte, war ein Feuerwerk aus modernen Indie-Sounds und 90er-Jahre-Vibes. Mit „Over & Over“ und dem verträumten „God Knows Where You Were“ bewiesen die Musiker ihre stimmliche Brillanz, während das Publikum den Raum in ein Meer aus Handylichtern verwandelte und eine fast magische Intimität schuf.
Hymnen, Hits und Herzschlagmomente
Ein absoluter Höhepunkt der ersten Hälfte war der Hit „Emotionally Hungover“, der mit seinen wuchtigen Arena-Pop-Refrains die emotionale Erschöpfung nach einer Achterbahnfahrt der Gefühle thematisiert und das Publikum in einen gigantischen feiernden Chor verwandelte. Direkt darauf folgte mit „Looking At You“ ein Moment purer Verbundenheit, bei dem die Fans ihre ganz eigenen Choreographien zeigten, was sich bei „Every Song I Ever Wrote“ – einer tief verbeugenden Hommage an die gemeinsame Reise von Band und Fanbase – fortsetzte. Dass die Band auch experimentelle Wege geht, zeigte das R&B-lastige „Thinking Bout Your Ex“, das live durch eine beeindruckende Nähe zur Studioversion bestach, während die eigenwillige Cover-Interpretation von „Torn“ dem 90er-Jahre-Klassiker der Band Ednaswap eine ganz neue, rockige Seele einhauchte. Zwischenzeitlich interagierte Sänger Tommy Langhurst mit Fanplakaten und erfüllte sogar einen Geburtstagswunsch mit einer spontanen Performance von „Mr. Brightside“, welche die Stimmung in der Halle endgültig zum explodieren brachte.
Melancholie trifft auf musikalische Präzision
Die Dynamik des Abends wechselte meisterhaft zwischen Euphorie und Melancholie. Während Songs wie „Say!“ durch ausgefallene Tanzmoves des Sängers bestachen, sorgte die Ballade „Madeline“ für einen absoluten Gänsehautmoment, bei dem im Saal eine andächtige Stille herrschte und vereinzelt Tränen flossen. Diese verletzliche Seite wurde durch den Fan-Favoriten „Waking In The Dark“ und das atmosphärisch kühl beleuchtete „Freeze“ weiter vertieft, beides Hymnen über mentale Gesundheit, die im Live-Kontext eine enorme tröstende Kraft entfalteten.
Als besondere Überraschung wurde mit „Ceasefire“ ein Song aus den frühen Tagen von Only The Poets gespielt, der trotz eines sympathisch überspielten Texthängers für helle Begeisterung sorgte.
Köln bebt: Das große Finale
Gegen Ende der Show zogen Only The Poets das Tempo mit „Saké“ und dem basslastigen „Guess She’s Cool“ noch einmal massiv an. Vor der Zugabe setzte eine Fanaktion bei „All This Time“ ein starkes visuelles Zeichen der Solidarität, bevor „One More Night“ den regulären Teil unter strahlenden Gesichtern beendete. Das große Finale mit „JUMP!“ und dem abschließenden „Emotional“ verwandelte das Carlswerk schließlich in ein einziges springendes Kollektiv. Die Band forderte alle auf, in die Hocke zu gehen und auf Kommando in die Luft zu schnellen – ein explosiver Abschluss, der die Fans verschwitzt, glücklich und tief bewegt in die Nacht entließ.
Fazit
Only The Poets haben in Köln bewiesen, dass sie bereit für die ganz großen Konzerthallen sind, ohne dabei ihre Authentizität zu verlieren. Mit einem erstklassigen Support-Paket, einer perfekt abgestimmten Setlist und einer unvergleichlichen Fannähe setzte die Band ein dickes Ausrufezeichen hinter ihr Debütalbum. Wer dieses Konzert miterlebt hat, ging mit der Gewissheit nach Hause, Zeuge des Aufstiegs einer Band geworden zu sein, die nicht nur Musik macht, sondern Herzen bewegt. Ein sehr besonderer Abend mit Only The Poets, der noch lange nachhallen wird!
Fotocredit: Albumcover / Artwork