Das Match Börner Open Air steht seit einigen Jahren für gelebte Subkultur, Gemeinschaft und klare Haltung. Zwischen DIY-Spirit und familiärer Festivalatmosphäre treffen hier Bands und Publikum auf Augenhöhe zusammen. Mit Rantanplan steht 2026 eine der prägendsten deutschsprachigen Ska-Punk-Bands auf der Bühne, deren Musik seit Jahrzehnten für Energie, Gesellschaftskritik und Nähe zur Szene steht. Im Gespräch mit uns dem Frontstage Magazine spricht die Torben Sänger und Gitarrist der Band über das besondere Gefühl, beim Match Börner Open Air quasi in der eigenen Nachbarschaft aufzutreten, über den Wert von Community-Festivals und darüber, warum Respekt, Authentizität und echte Live-Momente für sie wichtiger sind als Perfektion.
Frontstage Magazine: Ihr steht dieses Jahr beim Match Börner Open Air auf dem Line-up. Was bedeutet euch dieses Festival persönlich – gerade auch im Vergleich zu Clubshows oder größeren Festivalformaten?
Torben: Es freut uns natürlich derbe endlich auf dem legendären Match Börner in unserer unmittelbaren Nachbarschaft aufzutreten. Meine älteste Tochter wohnt fußläufig entfernt. Wie geil ist das denn? Das letzte größere Ding war der Hafengeburtstag 2025 und machen wir uns nichts vor: Auch wenn es gut für die Band aussieht, sind dort sehr viele sehr fragwürdige Gestalten und finstere Kunden unterwegs. Umso mehr freuen wir uns auf weltoffene, demokratie-liebende Freigeister vor und hinter der Bühne beim Match Börner Open Air.
Frontstage Magazine: Das Match Börner Open Air gilt als sehr nahbares, community-getriebenes Festival. Wie wichtig ist euch genau dieses Umfeld für eure Art, Musik live zu transportieren?
Torben: Enorm. Wir sind schon durch unseren kruden Ska-Sound sehr nahbar. Offbeats und Kniekehlen wollen matchen. Ich glaube nicht, dass ich mit meinem Gekrächze Leute anlocke – sondern trotzdem. Weil wir einfach echt sind und keinen Backing-Track laufen lassen müssen. Ich hab echt null Bock auf Halbplayback, aber mittlerweile ist das bei sehr vielen Bands Standard. Ich hoffe, die kommen irgendwann nochmal wieder klar. Die jetzigen Zeiten verdüstern sich ja leider gerade unglaublich schnell. Es ist in den letzten Jahren zu einem reinen „24/7 News Doomscrolling 365“ geworden und ausgerechnet die verrücktesten Abartigkeiten davon scheinen sich gerade tatsächlich zu bewahrheiten. Wenn sich jetzt nicht die verbliebenen demokratischen Kräfte der westlichen Welt zusammenraufen und die Macht von den Bestien zurückerlangen, dann sehen wir alle mehr als alt aus. Beim Festival werden viele Leute sein, die unsere Ängste, aber auch Hoffnungen teilen – und mit denen zusammenzukommen, das ersehnen wir.
Frontstage Magazine: Viele Besucher*innen kommen nicht nur wegen einzelner Acts, sondern wegen der Atmosphäre und des Miteinanders. Was macht für euch ein gutes Festivalpublikum aus – und was wünscht ihr euch für euren Auftritt in Norderstedt?
Torben: Wir sind uns ziemlich sicher, dass dort kein Platz für Homophobie, Rassismus, Intoleranz, Gewalt, sexuelle Übergriffigkeit und dergleichen ist – und das wünschen wir uns auch generell von Festivals. Wie gesagt: Kann man das auf manchen Veranstaltungen schon allein strukturell nicht oder nicht mehr erwarten. Wir hatten letztes Jahr lang und breit, vor unserem Konzert auf der Hafenbühne, über die große Videowall verkündet, dass sich während des Gigs bitte alle gegenseitig Respekt zollen und aufeinander Acht geben mögen. Direkt nach dem Konzert kamen uns diverse Zwischenfälle im weitläufigen Publikum zu Ohren, von irgendwelchen rumgrabschenden Mistmännern und anderen Übergriffen. Am Ende wünsche ich mir natürlich für alle, dass kulturelle Veranstaltungen irgendwann per se auch Safe Spaces sein können. Beim Match Börner hat das einen ganz realen Bezug und ist nicht utopisch.
Frontstage Magazine: Ein Open Air bringt immer besondere Rahmenbedingungen mit sich – Wetter, Tageszeit, offene Bühnen. Verändert das eure Herangehensweise an eine Show im Vergleich zu einem klassischen Clubabend?
Torben: Auf jeden Fall. Day drinking oder Durchmachen? Im Schatten lauern, um dem Hitzeschlag zu entgehen, oder schnell noch vom Merch einen zweiten Pulli drüberziehen? Das sind essenzielle Fragen zu Rahmenbedingungen, die ständig in Bewegung sind. Das hält eine gewisse Grundspannung – das ist gut. Im Club ist das alles viel starrer, weniger variabel.
Frontstage Magazine: Sommer, Open Air, viele unterschiedliche Menschen vor der Bühne – was macht für euch den besonderen Reiz eines Festivals wie dem Match Börner Open Air aus, den man so bei anderen Shows nicht bekommt?
Torben: Ehrlicherweise werde ich diese Frage erst nach der Show beantworten können, weil ich keine Ahnung habe, was mich ganz genau erwartet und mir persönliche Erfahrungswerte fehlen. Den Donots und Itchy hat’s super gefallen, und das reicht uns vollkommen als Vertrauensvorschuss – denn das sind ganz liebe Leute, auf die man was geben kann.
Fotocredit: Michael Raadts